MillernTon
·26. April 2026
1. FC Heidenheim vs. FC St. Pauli 2:0 – Auf allen Ebenen nicht gut genug

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·26. April 2026

Der FC St. Pauli leistet beim 1. FC Heidenheim einen sportlichen Offenbarungseid und verliert die so wichtige Partie verdient mit 0:2.(Titelfoto: Adam Pretty/Getty Images/via OneFootball)
Es war grausam und enttäuschend und ich merke, dass ich diese Saison einfach viel zu oft über solche Spiele und Spielverläufe geschrieben habe. Einmal mehr gelang es dem FC St. Pauli nicht, den Gegner vor Probleme zu stellen, tappte aber selbst in die Falle und war nicht fähig, eine Partie noch auf die eigene Seite zu ziehen. Weil die Offensive weiterhin massiv schwächelt und es einfach nicht gelingt, die Fehlerquote auf „defensiv stabil“ zu stellen. So steht der FCSP nach der Niederlage zwar weiterhin auf dem Relegationgsrang, muss aber dringend an elementaren Themen arbeiten, damit es noch was werden kann mit dem Klassenerhalt – Der Glaube muss zurückkehren
Der FC St. Pauli musste auf den Ausfall von Mathias Pereira Lage reagieren und wählte die „spielerische“ Variante mit Rückkehrer Joel Fujita in der Startelf. Zudem kehrte auch Manos Saliakas anstelle von Lars Ritzka in die Anfangsformation zurück. Eric Smith kehrte nach langer Verletzungspause ebenfalls zurück, saß in der ersten Halbzeit allerdings auf der Bank.
Der 1. FC Heidenheim spielt bereits seit Wochen mit der Gewissheit, dass man eigentlich keine Chance mehr auf den Klassenerhalt hat. Und entschied sich vermutlich auch deshalb für eine offensive Aufstellung. Mit Peringer, Zivzivadze und Rückkehrer Dinkçi standen drei klare Offensivkräfte zu Spielbeginn auf dem Rasen. Auch Beck ist eher ein Offensiv- als ein Defensivspieler – seine Herausnahme kurz nach Wiederanpfiff sollte einen entscheidenen Impuls in die richtige Richtung für Heidenheim bedeuten.
Vor der Partie hatte Alexander Blessin die Heidenheimer Gefahr durch Umschaltmomente angesprochen. In der zweiten Minute konnte der FC St. Pauli dann erfahren, wie das so aus nächster Nähe aussieht. Nach einem Ballverlust im Drittel der Heidenheimer ging es ziemlich schnell in die andere Richtung und den Abschluss von Dinkçi musste Vasilj zur Ecke parieren. Aus dieser entstand dann das 0:1. Weil erst der lange Ball an den zweiten Pfosten nicht konsequent verteidigt wurde und dieser dann genau dorthin kam, wo sich zwischen den sieben FCSP-Spielern zwei Heidenheimer befanden. Zivzivadze drückte den Ball nach etwas Ping-Pong über die Linie. Was für ein beschissener Start in ein dann leider auch ziemlich beschissenes Spiel des FC St. Pauli.
Vor der Partie hatte Alexander Blessin auch skizziert, mit welchen Mitteln man gegen die mannorientierte Spielweise der Heidenheimer erfolgreich sein kann. Entweder durch die offensivere Variante, mit vielen tiefen Bällen hinter die letzte Linie des Gegners. Oder aber durch die spielerische Variante, mit Steil-Klatsch-Elementen. Der FC St. Pauli entschied sich für eine Mischung aus beiden Varianten, versuchte es sowohl mit tiefen Bällen auf Hountondji und kurzen Staffetten vor allem über die Fujita-Seite. Geklappt haben beide viel zu selten.
Bei den Steil-Klatsch-Momenten war es oft einfach die hohe Ungenauigkeit der Zuspiele und Ablagen, die dafür sorgte, dass sie kaum funktionierten. Was total ärgerlich war, weil man in den wenigen Situationen, wo so etwas gelang, direkt sehen konnte, wie vielversprechend das ist. Die Großchance durch Hountondji in der 24. Minute ist nämlich durch so eine Variante entstanden: Ein Zuspiel von Wahl ließ Fujita nach links zu Sinani prallen, der fix in den Lauf von Hountondji weiterleitete. Dessen Abschluss parierte Heidenheim-Torhüter Ramaj dann leider großartig. Und leider war es eben auch nur eine von ganz wenigen Situationen, in denen das klappte.
Bei den tiefen Bällen fehlte dann leider zu oft die Konsequenz, die Situation auch als solche zu spielen. Bei Ballbesitz für den FC St. Pauli stellte Heidenheim zumeist alles zu, es bildeten sich zehn Pärchen auf dem Rasen. Einzig Vasilj wurde nicht gestört. Somit blieb dem FCSP-Schlussmann meist nur der lange Ball, denn es gab auch wenige Bewegungen seiner Teamkollegen, um sich aus dieser Mannorientierung zu lösen. Wenn dann aber der lange Ball gespielt wurde, dann fehlte der Druck auf den zweiten Ball, was ganz eng mit der Positionierung der FCSP-Spieler zusammenhing. Denn die war nicht eng in vorderster Reihe. Wir konnten letzte Woche beim 1. FC Köln beobachten, wie ein konsequentes Ausspielen von langen Bällen aussehen kann: Da hatten sich drei Kölner Spieler ganz eng hinter Zielspieler Ache versammelt, um die zweiten Bälle aufzunehmen. Das war beim FC St. Pauli nicht der Fall, wenn hohe Bälle nach vorne gespielt wurden.

Drei Minuten gespielt, schon der Tiefschlag: Der 1. FC Heidenheim erzielte in Person von Zivzivadze die frühe Führung. Der FC St. Pauli sollte darauf keine Antwort finden.
(Adam Pretty/Getty Images/via OneFootball)
Auch wenn es einen Unterschied macht, ob man einen Spieler nun tief schickt, also den Ball versucht hinter die letzte Kette zu spielen oder man den Zielspieler ins Kopfballduell schickt, so verlangen beide Varianten aber das gleiche: Eine gute Positionierung in der Offensive, um zweite Bälle aufzunehmen. Hier passte entweder die Abstimmung nicht (Wann tiefer/langer Ball? Wann Steil-Klatsch?) oder die Konsequenz der Aktionen – vermutlich beides.Hinterher lässt es sich natürlich leicht sagen, was nun besser gewesen wäre. Aber es ist einfach nicht sonderlich vielversprechend, wenn der eigene Stürmer nur mit guten Wünschen ins Laufduell geschickt wird und sich dann nur noch zwei, maximal drei weitere Spieler mit Sicherheitsabstand an der Angriffssequenz beteiligen. Auch wenn es eben eine stete Gefahr durch Heidenheimer Umschaltmomente gab, so hätte dem FC St. Pauli bereits nach dem frühen Rückstand mehr Konsequenz in den Offensivaktionen gutgetan.
Und eine geringere Fehlerquote. Denn das der FC St. Pauli überhaupt so viele lange Bälle schlug, lag auch daran, dass er sich bei den zaghaften Versuchen des Kombinationsspiels zu Beginn die Finger verbrannte. So fehlte es in großen Teilen der ersten Hälfte in Ballbesitzphasen an Struktur, Abstimmung, Konsequenz und eben auch fehlerfreier Ausführung. Dabei war durchaus ersichtlich, warum der 1. FC Heidenheim nach gegnerischen xG-Werten und auch der Gesamtzahl an gegnerischen Abschlüssen in dieser Saison hinter Wolfsburg das zweitschwächste Team der Bundesliga ist. Dass der FCSP die schlechteste Offensive stellt, aber leider auch. Mit dem 0:1-Rückstand ging es in die Pause.
Diese Unterbrechung wurde für eine Umstellung genutzt. Für Fujita und Rasmussen kamen Smith und Kaars in die Partie. Aus einer Formation mit zwei Zehnern und einem Angreifer wurde nun ein Zehner und zwei Angreifer, auch Irvine schob in Ballbesitzphasen mit nach vorne. Durch diese leicht veränderte Positionierung und die Selbstverständlichkeit, mit der Smith den Ball im Zentrum an sich nahm, bekam Heidenheim zu Beginn der zweiten Halbzeit große Probleme. Mehrere gefährliche Situationen vor dem Heidenheimer Tor waren die Folge.
Doch der 1. FC Heidenheim erkannte in Person von Frank Schmidt relativ schnell, dass dem FCH eine personelle und taktische Veränderung helfen würde, um mit der Umstellung des FC St. Pauli klarzukommen. In der 55. Minute kam Kerber für Beck in die Partie und in der Folge agierte Heidenheim gegen den Ball wieder mit einer Spiegelung des FCSP, die Kreise von Smith wurden nun viel massiver gestört und die Zuordnung im Sechserraum des FCH war wieder klarer. Das brachte das zu Beginn der zweiten Hälfte sehr vielversprechende Offensivspiel des FC St. Pauli leider wieder zum Erliegen. Zwischen der 54. und 75. Spielminute sollte der FCSP keinen Abschluss verzeichnen, eine taktische Reaktion auf die Heidenheimer Reaktion blieb aus, der FC St. Pauli schien keine Idee zu haben, wie er ein Tor erzielen kann. Und der Kopfball von Ceesay eine Viertelstunde vor Schluss war dann auch schon der letzte Schussversuch des FC St. Pauli. Abgesehen von der Hountondji-Chance in der ersten Hälfte und ein paar vielversprechenden Aktionen zu Beginn des zweiten Abschnitts, gelang es dem FCSP nicht, die zweitschwächste Defensive der Bundesliga vor ernsthafte Probleme zu stellen. Stattdessen zeigte Heidenheim nochmal, wie man gut umschaltet, erzielte in der 82. Minute das 2:0, was dann den endgültigen Niederschlag für den FC St. Pauli bedeutete.
Ein Offenbarungseid also – und das ausgerechnet in so einem wichtigen Spiel. Statt einer großen Schlussoffensive bekamen wir vom FC St. Pauli nicht viel zu sehen nach der Einwechslung von Kerber. Das dürfte auch damit zusammenhängen, dass der einzige wirklich nennenswerte Offensivspieler des FCSP, Hountondji, nach 64 Minuten ausgepumpt den Platz verließ. Von den anderen Offensivspielern ging, wie vom gesamten FC St. Pauli, viel zu wenig Torgefahr aus. Das war in allen Dingen, die es für ein erfolgreiches Fußballspiel braucht – von der Idee über die Umsetzung bis zur Einstellung und Aggressivität – nicht bundesliga-tauglich. Wenn der FC St. Pauli sportlich so weitermacht, dann stehen drei sehr bedrückende Wochen vor uns.
Angesichts der gewählten Worte des letzten Absatzes klingt der Abschluss dieses Spielberichts komisch, aber verdammt nochmal, wir stehen immer noch auf dem Relegationsplatz und haben es weiter selbst in der Hand. Daher bis 24 Stunden nach Abpfiff schlechte Laune haben. Den ganzen Frust rauslassen (bei mir in Form von geschriebenen Worten). Dann erkennen, dass es noch Chancen gibt. Die ganze Scheiße wegwischen. Und dann: Immer weiter vor!// Tim
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