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·1. März 2026

100 Spiele – aber wie viel Erfolg? So gut ist Flicks FC Barcelona

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Seit 20 Monaten steht Hansi Flick an der Seitenlinie des FC Barcelona – und kann nach nunmehr 100 Pflichtspielen als Cheftrainer auf eine intensive, teils turbulente, vor allem aber sportlich äußerst erfolgreiche Phase zurückblicken.

Siegquote von 75 Prozent

Als Hansi Flick im Sommer 2024 sein Amt beim FC Barcelona antrat, war die Skepsis greifbar: ein Deutscher, mit klarer Struktur, klaren Abläufen – würde das zur katalanischen Idee passen? 100 Partien später lässt ist klar: Flick hat geliefert. Und wie.


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75 Siege in den ersten 100 Pflichtspielen bedeuten eine Siegquote von 75 Prozent. Der Punkteschnitt liegt dabei bei 2,34 Zählern pro Partie – ein Wert, der sich im historischen Kontext Barcelonas sehen lassen kann. Zum Vergleich: Unter Xavi lagt Barças Ausbeute bei 2,07 Punkten pro Partie ein,  Ernesto Valverde erreichte 2,23 und Ronald Koeman lag bei gerade einmal 1,96.

Selbst Luis Enrique (2,41 Punkte), der in seiner ersten Saison als Barcelonas Chefcoach das Triple gewann, startete in seinen ersten 100 Spielen mit einem minimal niedrigeren Schnitt als Flick. Damit reiht sich der seit kurzem 61-Jährige statistisch unmittelbar in die erfolgreichsten Barça-Trainer der vergangenen Dekade ein.

Ein Spielstil, der viele Tore garantiert

Auffällig ist vor allem die Torproduktion von Flicks Mannschaften. Beim FC Bayern lag sein Punkteschnitt nach 86 Partien bei rund 2,5 pro Spiel, die Torquote knapp über drei Treffern pro Spiel – historische Werte, gekrönt vom Sextuple 2020.

In Barcelona sind die Rahmenbedingungen andere: weniger finanzielle Dominanz, mehr struktureller Umbruch, mehr Integration junger Spieler. Und dennoch steht nach 100 Spielen eine Torquote von 2,81 pro Spiel – eine Wiederauferstehung, die der katalanischen Seele mehr als gut getan hat.

Generell geht es bei Spielen mit Flick als Trainer immer torreich zu: Ein 0:0 zwischen Bayern und RB Leipzig aus dem Februar 2020 (21. Spieltag) war die einzig torlose Partie, in bei der Flick als Barça-, oder Bayern-Coach mitwirkte. Es sind jedoch nicht nur Quoten und Torbilanzen, mit denen Flick überzeugt.

Erfolge mit Bayern und Hoffenheim

Als Cheftrainer ging er bislang in jedem Endspiel als Sieger vom Platz. Bereits bei der TSG Hoffenheim zeigte sich seine Fähigkeit, Mannschaften präzise auf K.o.-Spiele einzustellen: Mit dem ambitionierten Dorfklub stieg er in die viertklassige Regionalliga auf und gewann fünfmal in Folge den Badischen Verbandspokal.

Beim FC Bayern bewährte er sich anschließend auf der größtmöglichen Bühne: Champions-League-Finale, DFB-Pokalfinale, Deutscher Supercup, UEFA-Supercup, Klub-WM – Flick gewann jedes Endspiel und krönte die Saison mit dem Sextuple.

Flicks Teams geben sich nicht mit Platz zwei zufrieden

Auch mit Barcelona erreichte Flick bislang drei Finals und entschied alle für sich: ein Titel in der Copa del Rey, zwei Siege im spanischen Supercup – und alle dreimal hieß der Gegner Real Madrid. Doch da hören seine Erfolge nicht auf.

Nach der Meisterschaft aus Flicks Debütjahr steht sein Team auch in der laufenden Spielzeit an der Tabellenspitze. Damit könnte er an seine Bayern-Zeit anknüpfen und erneut zweimal in Folge Meister werden. Bislang gab es erst sieben Trainer, die mit dem FC Barcelona mindestens zwei Meistertitel gewonnen haben – einzig Guardiola (drei) und Johan Cruyff (vier) kommen auf mehr.

Was eine Silber- oder Bronzemedaille ist, weiß Flicks Karriere als Cheftrainer also noch gar nicht. Ebenso wenig wie es ist, innerhalb von 90 Minuten auszuscheiden. Nachdem Flick in seinem ersten Bayern-Jahr jeden möglichen Titel gewann, schied er 2021 im Achtelfinale des DFB-Pokals gegen Holstein Kiel aus. Das allerdings erst im Elfmeterschießen.

Das letzte Opfer des Auswärtstores

Im Viertelfinale der Königsklasse gewann der FC Bayern München zwar mit 1:0, zog gegen Paris Saint-Germain jedoch den Kürzeren. Die Franzosen hatten das Hinspiel mit 3:2 für sich entschieden und waren damit das letzte Team, das sich dank der inzwischen abgeschafften Auswärtstorregel durchsetzen konnte.

Und mit FC Barcelona? Dort musste Hansi Flick bislang das bittere Champions-League-Aus im Halbfinale gegen Inter Mailand verkraften. Nach zwei spektakulären 3:3-Unentschieden im Hin- und Rückspiel entschieden die Italiener das Blockbuster-Duell durch ein Tor in der Verlängerung für sich.

Nach der herben 0:4-Niederlage im Halbfinal-Hinspiel des spanischen Pokals steht Barça nun unter enormem Druck. Im Rückspiel braucht es nahezu ein Wunder – weshalb Flick aller Voraussicht nach maximal offensiv agieren lassen wird. Die Wahrscheinlichkeit ist entsprechend hoch, dass er entweder eine eigene „Remontada“ bejubelt oder trotz eines Sieges ausscheidet.

Ein Kapitel zum Vergessen

Diese Trainerkarriere liest sich wie eine nahezu perfekte Erfolgsgeschichte. Doch die Zeit zwischen dem 1. August 2021 und dem 10. September 2023 bleibt für Hansi Flick unrühmlich in Erinnerung: Als Nachfolger von Weltmeistertrainer Joachim Löw übernahm dessen ehemaliger Co-Trainer Flick das Amt des Bundestrainers – und scheiterte wie kein Zweiter. Von 25 Länderspielen gewann er lediglich zwölf. Hinzu kam 2022 das blamable Vorrundenaus bei der WM in Katar.

Zudem fehlte es der Mannschaft an klaren Strukturen, was sich auch in der hohen Fluktuation widerspiegelte: Flick setzte in diesem Zeitraum 49 verschiedene Spieler ein – mehr als zuvor beim FC Bayern (43) oder später beim FC Barcelona (37). Nach Niederlagen gegen Polen (0:1), Kolumbien (0:2) und Japan (1:4) war schließlich Schluss: In 123 Jahren Verbandsgeschichte trennte sich der Deutscher Fußball-Bund im Jahr 2023 erstmals von einem seiner elf Bundestrainer.

Zu allem Überfluss wies Flick mit einer durchschnittlichen Punkteausbeute von 1,72 Zählern pro Spiel nach Erich Ribbeck (1,50 Punkte) den zweitschlechtesten Wert eines Bundestrainers in der DFB-Geschichte auf. Es bleibt also zu hoffen, dass Barças aktuelle Mannschaft eher an Flicks Sextuple-Team erinnert als an Hansis Graugänze.

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