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Matti Peters·8. Februar 2026
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Matti Peters·8. Februar 2026
"Es war nicht so einfach, in die Bundesliga zu kommen. Mein Berater hatte Kontakt zu einigen Klubs, aber den meisten war ich zu alt", erklärte Hoffenheims Sommerneuzugang Vladimir Coufal vor ein paar Wochen im 'kicker'. Angesichts seiner Auftritte im TSG-Trikot dürften nun auch eben jene Klubs ihre oberflächliche Bewertung bereuen.
Bei West Ham United nach fünf Jahren aussortiert und zeitweise vereinslos, stand der tschechische Nationalspieler vor sechs Monaten vor dem realistischen Szenario seine Karriere vielleicht sogar mit 33 Jahren schon beenden zu müssen.
Durch die schwere Verletzung von Valentin Gendrey war die TSG 1899 Hoffenheim allerdings gezwungen, kurzfristig Ersatz zu holen und entschied sich für Coufal. Der Notfalltransfer entpuppte sich als echter Glücksgriff, wie man nach einem halben Jahr bereits festhalten kann.
Die laufintensive Rolle als Außenverteidiger gepaart mit seinem gehobenen Fußballeralter trauten ihm offenbar viele Klubs nicht mehr zu. Ironischerweise ist genau das die größte Stärke des Tschechen. Und dabei ist er bundesligaweit nicht nur Mitläufer sondern Pacemaker.
Laut Statistiken der Liga spulte Coufal in der laufenden Saison die meisten Kilometer ab (237,2 km). Außerdem ist er der Sprintkönig (446) und absolvierte bis einschließlich des vergangenen Spieltags die meisten intensiven Läufe der Liga.
Kam ihm die Zeit in der physisch anspruchsvollen Premier League in dieser Hinsicht zugute? Dieser Annahme stehen jüngste Aussagen des Routiniers im 'kicker' gegenüber: "Ich bin in der besten Verfassung, in der ich je war, und so fit wie noch nie. Unser Trainer ist sehr anspruchsvoll und fordernd. Er legt sehr viel Wert auf die konditionellen Basics. Es ist definitiv anstrengender als in England. Ich habe noch nie so intensiv trainiert."
Während diese Erkenntnis sicher in erster Linie als Wertschätzung der Arbeit von Christian Ilzer und seinem Trainerteam gedacht ist, so könnte sie auch ein stückweit mit dem unfreiwilligen Abgang bei den Hammers zu tun haben.
"Das war sehr traurig für mich und meine Familie und sehr hart, das zu akzeptieren, weil ich immer noch das Gefühl hatte, dem Klub und der Liga etwas geben zu können. Sie haben so entschieden", äußerte sich Coufal zum Aus bei West Ham.
📸 Julian Finney - 2024 Getty Images
Seine überragende Performance in Hoffenheim ist in gewisser Hinsicht als Fingerzeig an seinen Ex-Klub, aber auch an alle anderen Vereine zu verstehen, denen er zu alt war. Coufal macht aber nicht nur ordentlich Meter, er hat auch sonst großen Einfluss auf das Spiel der TSG. Er zahlt das in ihn gesetzte Vertrauen doppelt und dreifach zurück.
"Vlad macht das hervorragend, wie er schwierige Dinge auflöst, wie er schwierige Bälle mitnimmt und richtige Entscheidungen trifft", schwärmte Ilzer bereits im vergangenen Oktober von seinem Neuzugang: "In der letzten Linie zu verteidigen und in der ersten Linie anzugreifen, das ist taktisch wie physisch keine leichte Position ist, er macht das wirklich tadellos. Er ist ein extremer Mehrwert für unser Spiel in beide Richtungen."
Schwer beeindruckt war auch Ilzers Trainerkollege Frank Schmidt vom 1. FC Heidenheim, nachdem sein Team den Kraichgauern in der Hinrunde klar unterlegen war: "Wenn ich diesen rechten Verteidiger sehe, der ist schon 33, aber was der für eine Energie auf den Platz gebracht hat, wie er vorwärtsverteidigt und Zweikämpfe geführt hat, da schauen wir, wie wir uns daran orientieren können", lobte Schmidt auf der anschließenden Pressekonferenz Vladimir Coufal.
Daran dass Hoffenheim nach einigen Jahren mit großen Defensivproblemen aktuell eine der besten Abwehrreihen in der Bundesliga (23 Gegentore) stellt, hat Coufal mit seiner Routine sicherlich einen gewichtigen Anteil.
Auch offensiv liefert der Nationalspieler Tschechiens beeindruckende Zahlen. Sechs Scorerpunkte (fünf Vorlagen, ein Tor) können unter den Verteidigern nur David Raum und Alejandro Grimaldo überbieten.
Dass Coufals Qualitäten so verkannt wurden und er im letzten Sommer zeitweise vereinslos war, sorgt für Verwunderung und dürfte den ein oder anderen Scout sehr ärgern. Hoffenheim wurde in gewisser Hinsicht zwar zu seinem Glück gezwungen, dürfte nun aber alles daran setzen wollen, eine Verlängerung des im Sommer auslaufenden Vertrags mit dem Tschechen zu bewerkstelligen.
Sollte es in diesem Jahr mit der angestrebten Qualifikation für die Champions League klappen, können Coufals Erfahrung und Fähigkeiten ein großer Faktor für die TSG sein. CL statt Karriereende – damit hätte er sicher auch nicht gerechnet.
Für das große Ziel Königsklasse wird sich Coufal heute im Spitzenspiel gegen den FC Bayern erneut die Hacken wund laufen und Luis Diaz und Co. zum Tanz bitten.
📸 Alex Grimm - 2026 Getty Images









































