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·22. September 2026

Alibi statt Verschwörung: Tebas zerlegt Mourinhos Schiri-Theorie

Artikelbild:Alibi statt Verschwörung: Tebas zerlegt Mourinhos Schiri-Theorie

José Mourinho kam mit zwei ausgedruckten Standbildern in den Presseraum des Metropolitano. Javier Tebas kam zwei Tage später mit einem Wort: Alibi. Zwischen beiden liegt ein 1:2 im Derby – und ein Streit, der älter ist als jeder Spieler auf dem Platz.

Die Fakten des Sonntagabends sind schnell erzählt. Dean Huijsen hält Giuliano Simeone im Strafraum, Schiedsrichter Ortiz Arias zeigt zunächst Gelb, geht auf Hinweis des VAR an den Monitor und stellt den Verteidiger als letzten Mann vom Platz (50.). Grimaldo verwandelt, Jonathan David legt sechs Minuten später nach, Rüdigers Kopfball in der Schlussphase bleibt Ergebniskosmetik. Real spielte fast die gesamte zweite Halbzeit in Unterzahl und verlor das erste Derby unter dem zurückgekehrten Mourinho.


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Zwei Szenen, die Mourinho nicht loslässt

In der 35. Minute setzt Cuti Romero die Stollen auf Bellinghams Knie. Ortiz Arias zeigt zunächst dem Engländer Gelb, wird an den Monitor gerufen, nimmt die Karte zurück – und belässt es bei Gelb für Romero. Neun Minuten später trifft Kang-In Lee Valverde mit den Stollen am Knöchel. Keine Karte, kein Monitor, kein Eingriff aus Las Rozas.

Mourinho hielt genau diese beiden Bilder hoch. „Eran dos rojas claras“, sagte er, und rechnete vor: Bei korrekter Auslegung hätte Real 50 Minuten elf gegen neun gespielt. Dann der Schritt, der aus Kritik eine Kampagne macht: Der Portugiese zog die Ansetzung selbst in Zweifel. Ein 41-jähriger Schiedsrichter ohne internationale Erfahrung, so seine Lesart, sei einem Derby dieser Größenordnung nicht gewachsen. Wer die erste Amtszeit Mourinhos in Madrid erlebt hat, kennt den Ton. Die „mano negra“, die schwarze Hand gegen Real, war damals sein Lieblingsmotiv.

Tebas dreht die Beweislast um

Der LaLiga-Präsident antwortete am Dienstag in zwei Stufen. Erst die nüchterne, fast schulmeisterliche: Er verstehe die Beschwerden, nicht die Form. Huijsens Rot sei eindeutig gewesen, bei den beiden von Mourinho geforderten Platzverweisen habe er selbst Zweifel. Und dann der Satz, der hängen bleibt: „El Real Madrid no perdió por esas jugadas.“

Die zweite Stufe kam auf X, und da war der Ton ein anderer. Ein Schiedsrichterfehler beweise keine Verschwörung, und sie über Jahre zu wiederholen mache sie nicht wahr. Wer behaupte, die Schiedsrichter würden gegen Real Madrid gelenkt, lebe in einer anderen Galaxie. Und schließlich das Wort, das die spanischen Sportseiten seit Dienstagmittag dominiert: Das Verschwörungs-Narrativ diene als Alibi, um andere Mängel zu verdecken, die in den ersten Saisonspielen mit bloßem Auge zu sehen seien.

Man kann das als üblichen Tebas-Reflex abtun; der Mann streitet mit Real seit einem Jahrzehnt. Man kann es aber auch als das lesen, was es ist: eine Umkehr der Beweislast. Nicht LaLiga muss belegen, dass sie neutral pfeift. Mourinho muss erklären, warum seine Mannschaft dem Meister aus Barcelona früh in der Saison hinterherläuft.

Wo beide recht haben – und wo beide übertreiben

Die Tabelle zeigt das Dilemma. Mourinho hat in der Sache Argumente: Zwei Stollen-Vergehen ohne Rot, davon eines nach Monitorbesuch, sind schwer zu verteidigen. Tebas hat in der Konsequenz recht: Selbst zwei Platzverweise ändern nichts an einer Real-Mannschaft, die vor der Pause keinen einzigen zwingenden Torschuss zustande brachte. Der Punkt, an dem beide Seiten übertreiben, liegt in der Wortwahl. „Verschwörung“ ist so unbeweisbar wie „Alibi“. Beide Begriffe schließen die Debatte, statt sie zu führen.

Warum diese Runde anders läuft als die von 2025

Im Februar 2025 schrieb Real nach dem 0:1 in Espanyol einen offenen Brief an den Verband, sprach von einem „komplett verdorbenen“ Schiedsrichtersystem, und Tebas kündigte eine Anzeige an. Damals stand ein Klub gegen die Liga. Diesmal steht ein Trainer allein da – und die Schiedsrichter-Gewerkschaft AESAF hat bereits erklärt, Mourinho nicht anzuzeigen. Atlético antwortete mit einem Meme: ein Drucker, der ein Blatt mit dem Hashtag gegen „Schiedsrichter-Mobbing“ ausspuckt. Das ist Spott, kein Verfahren.

Genau darin liegt Mourinhos Problem. Die Empörung ist da, aber niemand eskaliert sie mehr für ihn. Die Liga lächelt, der Gegner lacht, die Schiedsrichter schweigen. Bleibt die Mannschaft, die am Sonntag nicht spielen konnte, was ihr Trainer am Montag auf Papier verteidigte. Ortiz Arias pfeift irgendwann wieder ein Real-Spiel. Die Frage ist, ob Mourinho bis dahin eine Antwort auf den Spieler gefunden hat, der ihm im Zentrum fehlt – oder ob der nächste Zettel schon gedruckt ist.

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