Vertikalpass
·12. Februar 2026
Anspruch und Wirklichkeit

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·12. Februar 2026

„Sind wir schon im Alarmmodus?“, fragte Sport-Vorstand Fabian Wohlgemuth nach dem 1:2 auf St. Pauli. Angesichts der Zahlen total berechtigt: In 2026 sind sogar Dortmund (16) und Hoffenheim (15) besser als der VfB, der lediglich 13 Punkte (vier Siege und je ein Remis und eine Niederlage) erspielte – genau so viele wie Abstiegskandidat Mainz 05! Was stimmt denn nicht mit dem VfB?
Der Anspruch des VfB muss sein: Alle Spiele zu gewinnen. Und nicht nur irgendwie, sondern überzeugend. Am besten deutlich. Vor allem gegen Clubs, die am Boden liegen wie St. Pauli. Die sind quasi mit dem letzten Aufgebot angetreten. Mit Jackson Irvine, der 90 Minuten verletzt spielte und wenn man genau hinsah, eigentlich nur humpelte. In 90 Minuten machte er mehr Meter als Bilal El Khannouss („Jungstar angezählt!“), der gerade mal ein paar Spiele vom Afrika-Cup in den Beinen hatte und das Ding nicht mal gewinnen konnte. An Irvine sollten sich die VfB-Spieler ein Beispiel nehmen. Der breite Kader ist eine Wohlfühloase!
Die Wirklichkeit ist: Der VfB hat nur vier von sechs Bundesligaspielen in 2026 gewonnen! Nicht übersehen darf man zudem, dass der VfB diese vier Siege nur mit Glück erzielte: der Siegtreffer gegen Freiburg in der 90. Minute, das 3:2 gegen Frankfurt in der 87. Minute, zuvor hatte die Eintracht die Führung auf dem Fuß. Das 3:0 in Gladbach entstand nur, weil Haris Tabakovic es schaffte, selbst gegen Alex Nübel einen Elfmeter zu verschießen und sich die Fohlen die Tore selbst einschenkten. Und das 4:1 in Leverkusen? Wir alle sehen, welch desolaten Eindruck der Werksclub in 2026 macht. Keine große Kunst, da zu gewinnen!
Jetzt kommt Köln: Mit Jungstar Said El Mala, der traf noch nicht in diesem Jahr, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es ihm gegen den VfB gelingt. Ob das die VfB-Abwehr weiß? Und mit Spitzen-Trainer Lukas Kwasniok, bekannt für seine taktischen Kniffe. Da wird sich Sebastian Hoeneß umschauen müssen. Immer dasselbe zu machen, wird nicht reichen. Immer nur quer und zurück und 70 Prozent lahmarschiger Ballbesitz, das wird Kwasniok locker auscoachen.
Zu viel oder zu wenig rotieren wird kein Konzept sein. Immer spät und dazu noch falsch zu wechseln ebenfalls nicht. Das Spiel gegen Köln, das ähnlich energetisch spielt wie St. Pauli dürfte eine unlösbare Aufgabe werden, wenn Hoeneß sein Team so weiterspielen lässt wie bisher. Denn was bringt das schon? Also abgesehen von der zweitbesten Punkteausbeute in der Vereinsgeschichte nach 20 Spieltagen?
Ich lege mich fest: Wenn Hoeneß weiter keine Lernfähigkeit zeigt, steigt das Team ab. Der VfB hat schließlich erst 39 Punkte!
Und dann die Transfers: Den Abgang von Nick Woltemade nicht ersetzt, auf den Wechsel von Enzo Millot nicht reagiert und dafür mit Tiago Tomas und Badredine Bouanani überteuerte Flügelspieler geholt. Tiago immer verletzt, Bouanani ohne Scorer in der Liga. In Worten: Null! Der VfB braucht doch einen schnellen und spielstarken Sechser und einen erfahrenen, großen und bulligen Neuner mit herausragenden Sprintwerten. Anstatt dessen kommt im Winter mit Jeremy Arevalo ein 1,80-Meter-kleiner Stürmer aus der zweiten spanischen Liga, der vor kurzem erst volljährig wurde. Dazu wurde Silas verschenkt – an einen direkten Konkurrenten im Abstiegskampf! Was hat Wohlgemuth da gekocht? So etwas wäre nicht einmal Robin Dutt passiert!
Verstärkung aus dem NLZ? Fehlanzeige! Dabei sieht doch jeder, dass der 18-jährige Catovic schon längst auf dem Niveau von Atakan Karazor ist – mindestens! Warum würde RB Salzburg sonst so viel Geld auf den Tisch legen?
Schließlich die Schwächen vor dem Tor: Kein Fortschritt zu sehen! Da werden von Spiel zu Spiel Chancen verballert noch und nöcher. Mit Ermedin Demirovic spielt der VfB nur zu zehnt, Deniz Undav ist in den Interviews besser als vor dem Tor. Er lässt sich sogar Screenshots von obskuren Statistiken machen, die ihn auf einer Stufe mit Kylian Mbappé sehen. Hat er sich schonmal die Liste seiner Fehlschüsse angeschaut? Die sprengt jede Excel-Tabelle. Was nützt es, dass er alle 115 Minuten trifft, wenn er alle 10 Minuten eine Großchance auslässt!
Vor dem Spiel gegen Köln hat Trainer Hoeneß den Spielern auch noch zwei Tage freigeben. Was ist denn das für ein Zeichen nach einer Niederlage? Ich sage, es hilft derzeit nur Zirkeltraining, Kopfballpendel, Torschusstraining, Waldläufe, Arschbolzen.
Aber auf mich hört ja keiner!
Foto: Selim Sudheimer/Getty Images









































