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·3. Oktober 2026

Aus der 6. Liga in die Nations League: Hobbykicker reichte ein Probetraining

Artikelbild:Aus der 6. Liga in die Nations League: Hobbykicker reichte ein Probetraining

Am Wochenende misst sich Bruno Poitner in der deutschen Verbandsliga üblicherweise mit Teams wie dem TSV Oberensingen, Sportfreunde Schwäbisch Hall oder Bietigheim-Bissingen. In der Länderspielpause bereist er als Nationalspieler die Welt. Der 19-Jährige vom Sechstligist SV Fellbach führt ein bemerkenswertes fußballerisches Doppelleben: Als Amateurkicker streift er regelmäßig das Trikot der Nationalmannschaft Liechtensteins über.

Erst am vergangenen Donnerstag saß der Youngster beim 0:0-Unentschieden in der Nations League gegen Aserbaidschan über die vollen 90 Minuten auf der Ersatzbank. Dass er überhaupt für die Auswahl des Mikrostaates mit seinen gerade mal knapp 50.000 Einwohnern auflaufen darf, hat er seinen familiären Wurzeln zu verdanken, denn Poitner besitzt über seinen Vater die liechtensteinische Staatsbürgerschaft.


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Wie der ungewöhnliche Kontakt zum Verband zustande kam, schilderte der Spieler im Gespräch mit 'Bild': "Ich habe mit meinen Eltern öfter darüber gesprochen, ob es diese Möglichkeit geben könnte. Eines Tages haben wir uns beim Verband gemeldet und ihnen ein paar Infos über mich geschickt. Dann wurde ich zum Probetraining eingeladen und konnte auch in der darauffolgenden Zeit an weiteren Trainingseinheiten teilnehmen. Zwei Monate später durfte ich schon mit der U19 zur EM-Qualifikation, wo ich gegen Frankreich mein Debüt gegeben habe."

Dieses U19-Debüt im November 2024 ging zwar mit einer deutlichen 0:7-Niederlage gegen die französische Auswahl zu Ende, hinterließ bei Poitner jedoch einen bleibenden Eindruck, da er auf künftige Top-Profis traf. "Mein Gegenspieler war Joane Gadou, der im Sommer für 20 Millionen Euro zum BVB gewechselt ist. Es ist schon heftig, wenn man sieht, wo die Jungs heute gelandet sind.“

Für den Fellbacher selbst ging die Entwicklung im Nationalteam ebenfalls steil bergauf. Unter Nationaltrainer Konrad Fünfstück – dem ehemaligen Cheftrainer vom 1. FC Kaiserslautern, der das Team seit Juni 2023 betreut – feierte Poitner im Juni 2026 bei der 0:2-Niederlage in Andorra seinen Einstand in der A-Nationalmannschaft.

Einen Moment, den er wie folgt beschreibt: "Zum ersten Mal die Hymne auf dem Platz zu singen, war ein tolles Gefühl. Ich dachte mir: Besser wird es nicht mehr. Dieses Spiel kann mir keiner mehr nehmen, eine richtig coole Sache.“

Das fußballerische Niveau des Fürstentums ordnet der bekennende Fan des VfB Stuttgart realistisch ein, wenn er die Spielstärke der Auswahl mit seinem Heimatverein vergleicht. Gegenüber 'Bild' erklärte er: "Wenn ich die Nationalelf mit dem SV Fellbach vergleichen müsste, würde ich sagen, dass das fußballerische Niveau sehr ähnlich ist. So wie Verbandsliga oder Oberliga in Deutschland. Wir haben aber auch ein paar Spieler, die nochmal deutlich besser sind, die in Deutschland schon Regionalliga gespielt haben. Dazu kommen die Profis vom FC Vaduz, die in der Schweizer Super League spielen.“

Trotz der Ausflüge auf die internationale Bühne bleibt der 19-Jährige bodenständig. Nachdem er Anfang des Jahres sein Abitur bestanden hat, startet er nun in Stuttgart sein Studium der Bewegungswissenschaft. Sportlich setzt er sich für die kommenden Länderspiele klare Ziele, zumal er im Nationaltrikot nicht im gewohnten Mittelfeld, sondern im Sturm aufgeboten wird. "Ich möchte weiter meine Minuten sammeln, um dabei zu bleiben und mich im Kader festzuspielen. In Liechtenstein spiele ich als Stürmer, nicht wie sonst im Mittelfeld. Da ist natürlich auch mein Ziel, irgendwann mal Tore zu schießen.“


📸 DIRK WAEM - Belgaimage

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