MillernTon
·4. Februar 2026
Bayer Leverkusen vs. FC St. Pauli 3:0 – Im Stile einer Nicht-Spitzenmannschaft

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Einmal mehr gelingt es dem FC St. Pauli nicht, sich für das eigene Spiel zu belohnen. In Sachen Effizienz machte Bayer Leverkusen vor, wie es geht – und zieht dadurch ins Pokal-Halbfinale ein.(Titelfoto: Pau Barrena/Getty Images/via OneFootball)
Ich bin müde und damit sicher nicht allein. Müde davon, Woche für Woche die gleichen Inhalte zu einem Spielbericht zu verarbeiten und darauf zu achten, dass ich nicht aus Versehen die gleichen Worte benutze. Müde davon, dass es dem FC St. Pauli einfach nicht gelingt, seine Chancen zu nutzen – und müde davon, dass die Gegner genau das machen. Der FCSP verliert das Pokal-Viertelfinale gegen Leverkusen mit 0:3 und hat sicher inzwischen einen ausgeprägten Muskelkater vom Ohren zuhalten, weil es nach Abpfiff immer die gleiche Leier zu hören gibt.
Alexander Blessin hatte vor der Partie angekündigt, dass es mehrere personelle Veränderungen in der Startelf geben würde. Es wurden insgesamt vier. Ben Voll ersetzte Nikola Vasilj im Tor, Louis Oppie startete mal wieder auf der linken Außenbahn, Arek Pyrka rückte nach rechts und dafür Manos Saliakas auf die Bank. Zudem startete Martijn Kaars anstelle von Ricky-Jade Jones ganz vorne und auch Mathias Pereira Lage kehrte in die Startelf zurück. Er ersetzte Eric Smith, allerdings nicht als zentraler Innenverteidiger. Diese Position war für James Sands vorgesehen und dessen Platz im defensiven Mittelfeld nahm Joel Fujita ein. Durch die Abwesenheit von Irvine, Wahl und Smith in der Startelf trug Karol Mets die Kapitänsbinde.
Leverkusen-Trainer Kaspar Hjulmand veränderte seine Startelf auf drei Positionen. Patrik Schick startete anstelle von Christian Kofane vorne drin. Lucas Vázquez ersetzte Arthur auf der Rechtsverteidiger-Position und Exequiel Palacios lief anstelle von Equi Fernández im zentralen Mittelfeld auf.Falls ihr hier jetzt eine Grafik mit den Aufstellungen erwartet, muss ich euch leider enttäuschen. Sie ist der Müdigkeit zum Opfer gefallen.
Der FC St. Pauli präsentierte sich sehr gut auf das Spiel von Bayer Leverkusen eingestellt. Wie bereits im Vorbericht erwähnt, versuchen es die Leverkusener selten über die Außenbahnen per Flanken (jahaaa, ich weiß, es sind Gegentore per Flanke gefallen…), sondern kombinieren sich gerne bis in den Strafraum hinein. Dafür versuchen sie in verschiedenen Bereichen des Spielfeldes, Überzahlsituationen zu erschaffen. Dazu versammeln sich dann meist vier, fünf Offensivspieler entweder auf einer der beiden Seiten oder im Zentrum. Oft versuchte Leverkusen, aus einer konzentrierten Positionierung im Zentrum heraus seine Angriffe zu starten. Doch das gelang kaum.
Denn der FC St. Pauli hatte gegen dieses Vorhaben bereits im letzten Aufeinandertreffen Lösungen präsentiert und konnte diese auch im Pokalspiel zeigen. Das Team von Alexander Blessin zog sich im Verhalten gegen den Ball extrem eng zusammen, missachtete die Außenbahnen ebenso wie der Gegner und konnten so verhindern, dass Leverkusen Überzahlsituationen im Zentrum hatte. Zudem war das Team recht gallig im Pressing. Damit meine ich, dass die FCSP-Spieler viel aggressiver auf gegnerische Innenverteidiger herausschoben, wenn diese im Ballbesitz waren. Somit hatten diese eher wenig Zeit, um das Spiel zu eröffnen. Und da diese wenige Zeit mit wenig Pass-Optionen einherging, provozierte der FC St. Pauli viele Fehler im Leverkusener Aufbauspiel.
Als Folge davon gab es in der ersten Halbzeit sehr, sehr viele Ballgewinne des FC St. Pauli im Mittelfeld. Oft wurden Pässe abgefangen, oft ging es im Anschluss extrem schnell nach vorne. Doch leider scheiterten diese Umschaltmomente fast genauso oft an Ungenauigkeiten oder einfach daran, dass viel zu offensichtlich war, was genau die Spieler des FC St. Pauli als nächste Aktion vorhatten. Das mag daran liegen, dass sie nicht so zahlreich im letzten Drittel zugegen waren, Spieler teilweise also nur eine Pass-Option hatten. Es lag aber auch ganz sicher daran, dass die Handlungsschnelligkeit, aber auch die Genauigkeit zu oft zu wünschen übrig ließ.
Trotzdem muss klar festgestellt werden: Der FC St. Pauli war in der ersten Hälfte das bessere Team. Lassen wir uns von all dem Frust, der ob des Ergebnisses verständlich ist, nicht blenden. Der FCSP hatte das bessere Torschuss-Verhältnis (8-4) und deutlich mehr Kontakte im gegnerischen Strafraum (22-11). Allein Martijn Kaars hatte zwei gute Gelegenheiten, um einen Treffer zu erzielen, Joel Fujita hat es ebenfalls verpasst, aus sehr guter Position das Tor zu treffen. Und damit meine ich nicht das Netz hinter der Linie. Es wäre schon gut gewesen, wenn überhaupt einer der Abschlüsse den Leverkusener Torhüter Blaswich zu einer Parade gezwungen hätte. Taten sie aber nicht, sämtliche Abschlüsse verfehlten ihr Ziel.
Leverkusen hingegen fand zwar wenig bis gar keine Lösungen im eigenen Aufbauspiel oder in Umschaltmomenten, kam aber trotzdem zu hochkarätigen Chancen. Die erste gab es durch Schick, nachdem Voll einen ziemlich kapitalen Fehlpass im eigenen Strafraum spielte. Das ist ungewöhnlich, da Ben Voll eigentlich wirklich sehr gute Dinge mit dem Ball am Fuß vollbringen kann. Mets klärte auf der Linie.Den ersten Hochkaräter hatte Leverkusen also nach einem Fehlpass des FC St. Pauli, den nächsten dann nach einem zweiten Ball – und der war leider drin. Die FCSP-Abwehr bekam einen hohen Ball nicht geklärt, Terrier ließ einmal seine Klasse aufblitzen, indem er den Ball technisch anspruchsvoll mitnahm und diesen dann mehr oder weniger in der gleichen Bewegung unhaltbar ins FCSP-Tor schoss.
Tja, und da war es dann alles gefühlt schon wieder dahin. Der gute Start ins Spiel, das Gefühl „Hui, hier könnte heute ja wirklich was gehen!“, die zarten Hoffnungen auf ein kleines Pokalwunder. Positiv war auf jeden Fall, dass sich der FC St. Pauli von diesem Rückstand nach einer halben Stunde bis zum Ende der ersten Hälfte nicht wirklich beeindrucken ließ. Stattdessen wurde das Team nun sogar noch etwas stärker, konnte nun nicht mehr nur durch Umschaltmomente Gefahr erzeugen. Zwei feine Pässe von Rasmussen ins letzte Drittel sind mir dabei im Gedächtnis geblieben. Doch wie so oft passten die Folgeaktionen dann leider nicht. So ging es in die Pause mit einem Rückstand und dem Gefühl, dass man diesen Film irgendwie vor Kurzem schonmal gesehen hat.
Mit Anpfiff der zweiten Hälfte hatte sich das Spiel verändert. Das dürfte nicht primär daran gelegen haben, dass der FC St. Pauli mit Saliakas und Jones zwei neue Kräfte einwechselte, sondern eher damit zusammenhängen, dass Hjulmand und sein Team eine Anpassung vornahmen: In der ersten Hälfte verharrte Sechser Aleix García oft im Mittelfeldzentrum, zwischen vielen FCSP-Spielern. Er war dadurch nicht so wirklich ins Aufbauspiel eingebunden. Im zweiten Abschnitt war das aber viel häufiger der Fall. Ich bin nicht ganz sicher, ob es daran lag, dass er sich nun etwas häufiger fallen ließ oder aber der FC St. Pauli nicht mehr ganz so aggressiv presste. Meist geht sowas ja Hand in Hand, besonders wenn ein so passsicherer Spieler wie García erstmal ins Rollen kommt.
Bayer Leverkusen gelang es jedenfalls nun viel besser, das Spiel zu verwalten. Was zu einer extremen Chancenarmut führte, weil Leverkusen nicht wollte/konnte und der FC St. Pauli nicht mehr so viele Bälle gewann. Den ersten Abschluss in der zweiten Hälfte gab es in der 62. Minute – es war jener von Schick zum 2:0 für Leverkusen. Auch hier bin ich zu müde, um genau auszuarbeiten, was da schiefgelaufen ist. Nachdem der starke Tomoya Andō einen Ball zur Ecke klärte, wurde diese kurz ausgeführt. Und wenn dabei dann Saliakas am zweiten Pfosten alleine gegen drei kopfballstarke Spieler verteidigen muss und es zudem noch nicht einmal Druck auf den Flankengeber gibt, dann ist etwas faul in der Standard-Verteidigung des FC St. Pauli.

Ganz schön viel Platz hat Patrik Schick in dieser Szene vom FC St. Pauli bekommen. diesen nutzte der Stürmer der Leverkusener eiskalt zum 2:0 aus.(Pau Barrena/Getty Images/via OneFootball)
Bei aller Hoffnung war eigentlich klar, dass dieser zweite Treffer der Sargnagel für den Traum vom Halbfinale des FC St. Pauli gewesen ist. Erst in der 70. Minute kam der FCSP überhaupt wieder zu einem Abschluss, kurz danach wurde ein Versuch von Saliakas geblockt – das war es an Schüssen des FC St. Pauli in der zweiten Hälfte. Man kann dem Team sicher nicht vorwerfen, es nicht versucht zu haben. Aber um gegen so ein Team wie Leverkusen zu gewinnen, hätte der FCSP die erste Hälfte zwingend mit einer Führung beenden müssen. Die Möglichkeiten dazu waren vorhanden. Dass diese nicht genutzt wurden und Leverkusen mit gnadenloser Effizienz nach etwas mehr als einer Stunde 2:0 führte, passt so schrecklich gut in das aktuelle Bild: Auf der einen Seite ein abgezocktes Team, das die sich bietenden Gelegenheiten eiskalt ausnutzt. Auf der anderen Seite der FC St. Pauli, der aus seinen Möglichkeiten viel zu wenig macht. Spitzenteam vs. Abstiegskandidat in a nutshell.
Dass Leverkusen in der Nachspielzeit noch den dritten Treffer erzielte, war dann eigentlich auch schon egal. Dass man in der Entstehung ein Foul von Andrich an Ceesay pfeifen kann – ebenfalls egal. Nicht egal: Dass Ricky-Jade Jones sich verletzt hat. Der 23-jährige kam bei einer Aktion im gegnerischen Strafraum unglücklich mit dem linken Fuß auf und verdrehte sich diesen, knickte damit auch ein wenig um und musste ausgewechselt werden. Blessin erklärte nach Abpfiff nur, dass es „nicht gut“ aussehe. Ein längerer Ausfall des Angreifers, einen Tag nachdem das Transferfenster geschlossen hat, würde irgendwie zur äußerst bescheidenen Situation des FC St. Pauli passen. Wie auch die Probleme von Smith und Wahl, bei denen auch unsicher ist, wann genau sie wieder zurückkommen können.
Das war es also mit dem Traum vom DFB-Pokal. Der FC St. Pauli scheidet auch im dritten Viertelfinale innerhalb der letzten fünf Jahre aus. Nun gilt es, gegen Stuttgart endlich mal dafür zu sorgen, dass Aufwand, Leistung und Ertrag übereinstimmen. Auch wenn es natürlich gut ist, dass der FC St. Pauli überhaupt Leistungen bringt, die mehr verdient haben, als den Ertrag, der zuletzt dabei herausgekommen ist: Die Leier von guten Leistungen, für die sich das Team nicht belohnt, kann und möchte niemand mehr hören und ich möchte sie auch nicht mehr aufschreiben. Sie ist soo ermüdend. Es müssen endlich Ergebnisse her.
Was ich auch nie wieder hören möchte und was mich eigentlich schon wieder aufweckt und anzündet und froh macht, dass es in weniger als zwei Wochen wieder gegen Leverkusen geht, sind die Worte von Robert Andrich nach Abpfiff gewesen. Der erklärte nämlich am ZDF-Mikro, dass man zwar kein gutes Spiel gemacht habe, der FC St. Pauli „aber nicht die Qualität hatte, um uns gefährlich zu werden.“ Ja, so werden wir aktuell gesehen von Gegnern. „St. Pauli? Da reicht es auch, wenn wir nicht unseren besten Tag haben!“ Ich könnte kotzen und das geht sicher nicht nur mir so. Den Satz von Andrich also bitte ausdrucken, an die Kabinentür hängen und als spirit animal nutzen, um endlich wieder Siege einzufahren, um der Liga zu zeigen, dass man in diese gehört.Immer weiter vor!// Tim
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