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Rund um den Brustring

·28. April 2026

Bisschen zu wenig

Artikelbild:Bisschen zu wenig

Gegen Bre­men läuft der VfB den eige­nen Ansprü­chen hin­ter­her und muss sich noch ein letz­tes Mal auf­raf­fen, um in den nächs­ten drei Spie­len den vier­ten Platz zu ver­tei­di­gen.

Der Erfolg gibt bekannt­lich dem Recht, der ihn hat. Aber wie sieht es aus, wenn man die ers­te Halb­zeit größ­ten­teils einem Rück­stand hin­ter­her läuft, weil sowohl die Auf- als auch die Ein­stel­lung nicht zu einem Geg­ner mit einer ein­di­men­sio­na­len, aber effek­ti­ven Spiel­idee pas­sen?  Vor allem wenn einem anders als im letz­ten Spiel, das lan­ge ähn­lich ver­lief, nicht in letz­ter Minu­te der Sieg­tref­fer gelingt? Ich will jetzt beim Unent­schie­den gegen Bre­men nicht direkt von einem Miss­erfolg spre­chen. Um das nach dem Final­ein­zug auch von Sebas­ti­an Hoe­neß aus­ge­ru­fe­ne Ziel der Qua­li­fi­ka­ti­on für die Cham­pi­ons League zu errei­chen, war der Auf­tritt am Sonn­tag­nach­mit­tag min­des­tens in der ers­ten Halb­zeit ein biss­chen zu wenig.


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Dass der VfB nach 31 Spie­len, wenn auch mit einem erheb­lich geschrumpf­ten Pols­ter, wei­ter auf Platz 4 steht, hat er vor allem dem gefühl­vol­len Fuß des schon am Don­ners­tag stark auf­spie­len­den Bil­al El Khan­nouss und des Köpf­chens von Erme­din Demi­ro­vic zu ver­dan­ken. Auch wenn die Mann­schaft im Brust­ring genü­gend Chan­cen hat­te, um auch die­ses Spiel für sich zu ent­schei­den, waren nur weni­ge davon so hoch­wer­tig, als dass man von einem unver­dien­ten Punkt­ver­lust hät­te reden kön­nen. Was natür­lich auch dar­an lag, dass wir uns mal wie­der sel­ber ein Bein stell­ten und einem auf den Papier unter­le­ge­nen Geg­ner genau das schenk­ten, was er brauch­te: ein Gegen­tor.

Den Gegner unterschätzt?

Das fiel zwar nicht so slap­stick­mä­ßig wie teil­wei­se in den letz­ten Wochen, auch wenn die Defen­si­ve bei Stages Dop­pel­pass mit anschlie­ßen­dem Tor nach einem Bre­mer Ein­wurf (!) alles ande­re als gut aus­sah und die Bre­mer zusätz­lich den ein oder ande­ren Aus­rut­scher für wei­te­re Tore hät­ten nut­zen kön­nen. Mit der Füh­rung im Rücken reich­te es Wer­der aber, in der eige­nen Hälf­te geschickt die Räu­me zu schlie­ßen und uns in unse­rer Hälf­te hoch anzu­lau­fen. Hin­zu kam ein Zeit­spiel, das auch der FC Por­to nicht bes­ser auf den Rasen des Neckar­sta­di­ons gezau­bert hat­te und fer­tig war der Punkt­ge­winn, mit dem Bre­men offen­bar ganz gut leben könn­te. Der VfB hin­ge­gen weni­ger.

Aber war­um nur brach­te man sich über­haupt in eine sol­che Situa­ti­on? Die Kol­le­gen vom Ver­ti­kal­pass sagen einen müden VfB, geschlaucht — wie wir alle — vom Ein­zug ins Pokal­fi­na­le. Das kann sich wenn über­haupt nur auf men­ta­le Müdig­keit bezie­hen, denn in einer Sai­son, die lan­ge nur aus eng­li­schen Wochen bestand, kann uns die­se wohl kaum an den Rand der Leis­tungs­fä­hig­keit gebracht haben. Viel­mehr hat­te man den Ein­druck, als wür­den Trai­ner und Mann­schaft den Geg­ner nach dem sou­ve­rä­nen Aus­wärts­sieg in des­sen Sta­di­on unter­schät­zen. Anders kann ich es mir nicht erklä­ren, war­um wir gegen eine Mann­schaft in Abstiegs­not eine Innen­ver­tei­di­gung auf­bie­ten, der teil­wei­se die Spiel­pra­xis, auf jeden Fall aber die Abstim­mung fehlt. Auch Che­ma mach­te als Ver­tre­ter von Kara­zor in der Dop­pel­sechs kei­ne gute Figur, offen­siv erreich­te nur Bil­al El Khan­nouss Nor­mal­form. Ekla­tant auch erneut die Ein­falls­lo­sig­keit bei Stan­dards und beim Bespie­len der tier­ste­hen­den Gäs­te — und alles nur, weil man erneut in der ers­ten Halb­zeit dach­te, es gin­ge ohne meh­re­re Stamm­spie­ler und mit Stand­gas.

Wir kriegen nichts geschenkt

Nun ist natür­lich ein 1:1 gegen Bre­men kei­ne kom­plet­te Kata­stro­phe und immer­hin ver­tei­digt man mit dem einen Punkt Platz 4. Die Mög­lich­kei­ten, die­sen Punkt­ver­lust aus­zu­glei­chen, wer­den jedoch immer weni­ger. War der VfB ohne­hin schon in den nächs­ten bei­den Spie­len zum Sie­gen ver­dammt, ist er es jetzt erst Recht und muss wahr­schein­lich auch noch das Spiel in Frank­furt für sich ent­schei­den, um die Cham­pi­ons League zu errei­chen. In einer Sai­son, in der wir nichts geschenkt krie­gen, neh­men wir uns erneut eine grö­ße­re Chan­ce auf Erfolg. Und der Erfolg wäre jetzt, wo man drei Spiel­ta­ge vor Schluss auf Platz 4 steht, eben die­sen zu ver­tei­di­gen. Beim Ver­ti­kal­pass fasst es Andre­as wie folgt zusam­men: “Die Euro­pa League passt womög­lich bes­ser zum VfB, aber für die Wei­ter­ent­wick­lung des Clubs wäre die Cham­pi­ons League enorm wich­tig. Nach der sta­bi­len Sai­son wür­de ich es als Ent­täu­schung sehen, die Cham­pi­ons League zu ver­pas­sen.”

Ich per­sön­lich könn­te auch mit der Euro­pa League, für die wir bereits sicher qua­li­fi­ziert sind, bes­ser leben, weil in der Cham­pi­ons League ein­fach sport­lich ande­re Kali­ber unter­wegs sind, wäh­rend wir mit etwas Los­glück und mehr Cle­ver­ness in der Euro­pa League schon in die­ser Sai­son hät­ten wesent­lich wei­ter kom­men kön­nen. Die Situa­ti­on ist aber nun mal so, dass eine erneu­te Qua­li­fi­ka­ti­on für die Königs­klas­se finan­zi­ell wie ein Sech­ser im Lot­to wäre und es wesent­lich ein­fa­cher gestal­ten wür­de, die Mann­schaft wei­ter zu ver­bes­sern und weni­ger Sub­stanz ange­sichts gerin­ge­rer sport­li­cher Per­spek­ti­ven zu ver­lie­ren. Letzt­lich ist es auch das erklär­te Ziel aller Betei­lig­ten, in die Cham­pi­ons League zu kom­men. Dafür braucht es in den kom­men­den Wochen aber von allem ein biss­chen mehr.

Titel­bild: © Sona Maleterova/Getty Images

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