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Treffpunkt Betze

·1. März 2026

Bitterer Erkenntnisgewinn

Artikelbild:Bitterer Erkenntnisgewinn

Frei nach Goethe fanden die Träume und Hoffnungen der Roten Teufel mit der Niederlage gegen den SC Paderborn ein Ende mit Schrecken. Gegen starke Gäste hat der Betze Schiri-Pech, VAR-Ärger und Scheiße am Fuß. Früh in der Partie wird dem FCK ein Strafstoß verwehrt, dann zerstört der umstrittene, aber sehenswerte Treffer von Calvin Brackelmann den Spielplan der Lautrer, und schließlich verlieren die Pfälzer Torsten Lieberknecht. In der zweiten Hälfte hatten die Männer in Rot zwar mehr Ballbesitz, waren aber viel zu harmlos. Eine weitere strittige Entscheidung gegen die Roten Teufel – ein Elfmeter – entscheidet schließlich die Partie, auch wenn Kenny Redondo den Betze in der Nachspielzeit noch einmal wachküsst. Unterm Strich verfehlt der FCK trotz aller Aufregung rund um die Niederlage sein stilles Saisonziel, den Aufstiegskampf aus den Augen. Daraus lassen sich drei Erkenntnisse ziehen.

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Erstens: Der FCK ist kein Topteam

Die zweite Halbzeit der Roten Teufel zeigte deutlich, was manche Fans schon länger predigten und was sich schließlich in der Tabelle niederschlug. Im Vergleich zu Schalke, Elversberg, Paderborn, Hannover und Darmstadt fällt Kaiserslautern deutlich ab. Den Roten Teufeln fehlt die Durchschlagskraft, um sich gegen die Liga-Elite durchzusetzen. Wenn sich die gegnerische Mannschaft einigelt, bleiben die Pfälzer zu zahnlos. Das zeigt besonders der gewichtete Ballbesitz, der Field-Tilt-Wert in der zweiten Halbzeit, denn die Lautrer erwirtschafteten aus 53 % Ballbesitz lediglich 42 % Spielkontrolle und blieben auch bei langen Bällen unterlegen (41 % zu 45 % angekommen). Der Unterschied: Bei den Roten Teufeln war der lange Ball das kreative Zugpferd, bei den Ostwestfalen eher der Bonus. Nicht zum ersten Mal fällt der FCK nach einem Rückstand ab. Bisher holte die Mannschaft sechs Punkte, wenn sie zuvor ins Hintertreffen geraten war. Die Topteams der Liga sind entweder spielstark und mit dem Ball gefährlich oder im Falle von Schalke im Pressing und in der Arbeit gegen den Ball so außergewöhnlich, dass sie keinen „Plan B“ benötigen. Ein barcelonaeskes Ballbesitzspiel zeichnete den Betze zwar noch nie aus, aber das „Niemals aufgeben“ ist zumindest Teil der Betze-DNA. Diese wirkt verblichen. Nicht weil die Spieler nicht wollen, sondern weil sie nicht können.

Zweitens: Der Betze brodelt

Apropos „nie aufgeben“: In den bisher drei – zugegebenermaßen eher mäßig erfolgreichen – Heimspielen zeigt sich für den Beobachter ein ambivalentes Bild. Pfiffe gegen Fürth, zahlreiche Frühabgänger gegen Elversberg und jetzt auch bei einem 0:1 (!) Rückstand gegen Paderborn. Als Teil eines Fan-Magazins ist es immer heikel, die Ränge zu kritisieren. Dennoch muss die Frage erlaubt sein: Hat der Betzenberg ein Stimmungsproblem? Nach Aufstieg, Klassenerhalt und Pokalfinale wirkt das pfälzische Publikum satt und ein wenig erfolgsverwöhnt. Natürlich ist die Unterstützung der aktiven Fanszene enorm und dient auch als Aushängeschild des Vereins. Wandert der Blick jedoch weg vom Westen, flachte die Stimmung zuletzt immer mehr ab.

Nicht falsch verstehen: Schlechte Auftritte und sterbende Aufstiegshoffnungen sorgen für Frust – und der muss auch mal raus. Wenn man sein gesamtes Wochenende verplant und Zeit und Geld opfert, darf – hin und wieder – auch gepfiffen werden. Wann das berühmte Maß jedoch „voll“ ist, scheint sich zunehmend in Richtung Dünnhäutigkeit zu verschieben. Hier trifft den FCK zumindest eine Teilschuld, denn der Anspruch, am Aufstiegskampf teilzunehmen – wenn auch nicht öffentlich deklariert – sorgt eben für eine hohe Erwartungshaltung. Besonders schade ist das, wenn man einen Schritt zurückgeht und das große Ganze betrachtet. Denn:

Drittens: Der Weg ist der Richtige

Ja, der Verweis auf die dritte Liga ist mittlerweile ein alter Hut. Ein Blick in die jüngere Vergangenheit ist jedoch umso wichtiger: Zwar hatten die Roten Teufel in den Saisons 22/23 (39 Punkte) und 24/25 (42 Punkte) zum gleichen Zeitpunkt eine bessere Punkteausbeute, allerdings beide Male ohne ein Spiel gegen eine Mannschaft aus den Top 5. Eben diese Topteams hat der FCK nun schon hinter sich. Das Restprogramm ist zwar noch nicht gewonnen, aber es bedarf nicht viel Fantasie, um hier von einer guten Punkteausbeute auszugehen. Klammert man das erste Jahr als Ausreißer aus, schickt sich das an, versöhnlich zu stimmen. Die Entwicklung des 1. FC Kaiserslautern ist positiv. Nach dem Abstiegskampf folgte ein Mittelfeldplatz und nun schicken sich die Pfälzer an, das Verfolgerfeld anzuführen oder sich sogar im erweiterten Kreis zu etablieren.

Wer die unberechenbare zweite Liga in den letzten Jahren verfolgt hat, dem ist aufgefallen, dass die Teams, die „auf Teufel komm raus“ den Aufstieg forcierten, enttäuschten – siehe besonders den HSV. Oft waren es die „Kleinen“, die „Underdogs“, die durch gute Arbeit statt durch hohe Ansprüche glänzten und für Überraschungen sorgten. Ein Paradebeispiel ist Paderborn: Die Ostwestfalen wurden nach ihrem Jahr als Absteiger im schlechtesten Jahr Siebter und „schwammen“ immer im erweiterten Kreis mit. Wenn – wie in diesem Jahr – vieles zusammenkommt, ist der große Wurf möglich. Der Paderborner Weg sollte ein Leitbild für gute Zweitligaarbeit sein. Mitschwimmen, Konstanz aufbauen und im richtigen Moment zuschlagen. Dafür sind Geduld, Vertrauen und Ruhe grundlegend – allesamt Tugenden, die dem FCK guttun würden.

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