Nur die Raute
·1. März 2026
„Bloße Werbefläche“ – HSV-Fanszene unterstreicht Ablehnung von RB Leipzig

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·1. März 2026

Der HSV empfängt am Sonntagabend RB Leipzig. Dass es überhaupt zur Begegnung kommt, ist für die aktive Fanszene ein Ärgernis.
Denn der erst 2009 gegründete Klub genießt weiterhin wenig Ansehen. „In diesen vergangenen 7 Jahren hat sich viel getan: Unser Verein hat den Wiederaufstieg in die Bundesliga geschafft, sich personell und strukturell neu aufgestellt, und auch unsere Fanszene hat in diesen Jahren einen intensiven Wandel durchlaufen. Was sich nicht geändert hat, ist unsere klare Haltung zum anstehenden Gegner: Wir lehnen das Konstrukt RB Leipzig in all seinen Facetten nach wie vor ab“, so der Förderkreis Nordtribüne zu Beginn seines ausführlichen Statements.
Leipzig absolviert bereits seine zehnte Bundesliga-Saison. Trotzdem sei es weiterhin „kein gewöhnliches Heimspiel“. Der Förderkreis Nordtribüne betont, dass Red Bull kontinuierlich die im deutschen Profifußball fest verankerte 50+1-Regel bricht. Sie soll Vereine vor zu großer Einflussnahme durch Investoren schützen. Denn die Stimmenmehrheit liegt immer auf der Vereinsseite.
In Leipzig wird dieser Grundsatz allerdings ausgehebelt. „So besitzt der RB Leipzig e.V. nur 23 stimmberechtigte Mitglieder, die alle in enger geschäftlicher Beziehung zum Unternehmen Red Bull stehen. Zum Vergleich: Der HSV hat über 100.000 stimmberechtigte Mitglieder. Den „Anhängern“ des Konzernclubs steht lediglich eine Förder-„Mitgliedschaft“ ohne Stimmrecht zur Verfügung“, erläuterte der Förderkreis Nordtribüne und zog den Schluss, dass „der RB Leipzig e.V. keine eigenständigen Entscheidungen trifft, sondern stets auf Konzernlinie bleibt“. Das gesamte Konstrukt RB Leipzig sei somit „undemokratisch und unterliegt ausschließlich der Kontrolle eines einzigen Konzerns“, was einen klaren Bruch der 50+1-Regel darstellt.
Dabei verwies der Förderkreis Nordtribüne auch nochmal auf die Stellungnahme des Bundeskartellamts, was bei seiner Überprüfung der 50+1-Regel forderte, diese in Leipzig konsequenter durchzusetzen. Bei RB wird eine Anpassung nur erfolgen, wenn es zwingend von Nöten ist. Denn aus Sicht der Fanszene wird „mit Red Bull wird ein ganzer Verein als bloße Werbefläche missbraucht“.
„Alle deutschen Vereine von Bundesliga bis Kreisklasse gründeten sich in ihrem Ursprung mit dem Ziel, Sport zu treiben, zu fördern und Menschen eine sportliche Heimat zu bieten“, so der Förderkreis Nordtribüne und stellte klar, dass Red Bull dieses Prinzip umkehre: „Erst der Sponsor, dann der Verein. Jede einzelne Handlung dieses Konstrukts dient seit seiner Gründung einzig und allein einem Zweck: Dem Konzern Red Bull zu mehr Umsatz zu verhelfen. Vereinsname und -logo sind dementsprechend so nahe wie möglich an Firmennamen und -logo angelehnt.“
Daher erhält Leipzig über unterschiedlichste Wege massive finanzielle Unterstützung durch Red Bull. „Das führte insbesondere in den Jahren vor dem Bundesligaaufstieg zu völlig verzerrten Zuständen: Die Transfer- und Gehaltsausgaben von RB überschritten die der jeweiligen Ligakonkurrenz um mehr als das 10-fache, bei gleichzeitig nahezu keinen Einnahmen“, erkläre der Förderkreis Nordtribüne.
Vor allem bemängelte er den erheblichen Unterschied des wirtschaftlichen Risikos bei Vereinen, die sich an die 50+1-Regel halten und dem auch noch sehr eng mit RB Salzburg zusammenarbeitenden Leipzig, das keinerlei Fallhöhe besitzt: „Denn sollten sich trotz unverhältnismäßig hoher Investitionen keine ausreichend hohen Gegeneinnahmen durch sportlichen Erfolg einstellen, werden die Schulden schlicht durch den milliardenschweren Mutterkonzern ausgeglichen.“

Foto: IMAGO
Dementsprechend wird es aller Voraussicht nach beim ersten Leipziger Gastspiel seit rund sechs Jahren wieder zu Protesten auf der Nordtribüne kommen. „Gerade weil wir uns als Fans eines Profivereins innerhalb des Spannungsfelds zwischen basisdemokratisch organisiertem Volkssport und überdrehtem Milliardenbusiness bewegen, ist es unabdingbar, rote Linien zu definieren und innerhalb wie außerhalb unseres Vereins dafür zu kämpfen, dass diese eingehalten werden – ansonsten werden wir unseren Sport in einigen Jahren nicht mehr wiedererkennen. Und diese roten Linien werden mit Füßen getreten, wenn 50+1 und das Vereinsrecht bis zur Unkenntlichkeit ausgehöhlt werden, Vereine zu Werbeobjekten verkommen und der faire Wettbewerb durch faule Tricks von Milliardenkonzernen ausgehebelt wird. Und genau deshalb lehnen wir RB ab“, so der Förderkreis in seinem Fazit.
In Leipzig wird die ausgiebige Kritik wenig Eindruck hinterlassen. Seit Gründung unterstrichen Fanszenen von Traditionsvereinen ihre Ablehnung in unterschiedlichsten Formen. Dennoch werden sie auch zukünftig nicht lockerlassen.
Foto: Getty Images
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