Bundesliga 2026/27: Taktik-Vorschau zum Hamburger SV | OneFootball

Bundesliga 2026/27: Taktik-Vorschau zum Hamburger SV | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: Get German Football News

Get German Football News

·20. August 2026

Bundesliga 2026/27: Taktik-Vorschau zum Hamburger SV

Artikelbild:Bundesliga 2026/27: Taktik-Vorschau zum Hamburger SV

Unsere Get German Football News-Serie zur taktischen Vorschau auf die Bundesliga 2026/27 geht weiter. Die zweite „Serie in der Serie“ endet heute mit einem Blick auf den anderen traditionsreichen Klub, der in der vergangenen Saison den Abstieg vermieden hat: den Hamburger SV. Hamburgs Mitaufsteiger der Saison 2025/26, der 1. FC Köln, erhielt in der jüngsten Ausgabe eine überwiegend positive Prognose. Der HSV hingegen geht mit einem unvollständigen und angeschlagenen Kader in den Pflichtspielstart. Die Hanseaten von Merlin Polzin beendeten die vergangene Saison auf Platz 13 mit 38 Punkten, nur drei Punkte über dem üblichen Bundesliga-„Schwellenwert“ von 35 Punkten, der den Klassenerhalt garantieren soll. Ob sie das erneut schaffen, ist keineswegs ausgemacht.

Im vergangenen Jahr überlebte der aufgestiegene HSV vor allem deshalb, weil die späten Zugänge im Sommer-Transferfenster Albert Sambi Lokonga, Fabio Vieira und Luka Vuskovic die Qualität der Mannschaft insgesamt veränderten. Das Klagen über die beiden Leihspieler überlassen wir allerdings den folgenden Abschnitten. Die vergangene Saison sollte aus deutlich unterhaltsameren Gründen in Erinnerung bleiben. Das Dach im Volkspark erwies sich kurzzeitig als weniger Bundesliga-tauglich als die Mannschaft, Ransford-Yeboah Königsdörffer teilte seinen Kritikern irgendwann mit, wie wenig ihn ihre Meinung interessiert, und eine besonders schlecht gelaunte Reise nach Mainz lieferte genug Vorwürfe und Gegenvorwürfe, um alle noch lange nach dem eigentlichen Fußball zu beschäftigen. Im April sah sich Nicolai Remberg sogar mit der wahrhaft großartigen Statistik konfrontiert, dass der HSV mehr Platzverweise als Bundesliga-Siege gesammelt hatte.


OneFootball Videos


Acht Platzverweise. Sieben Siege. Willkommen zurück im Oberhaus, Jungs.

Irgendwie führte all das (und die unerquicklich-schräge Stefan-Kuntz-Affäre) am Ende sogar zu einer komfortablen Saison des Klassenerhalts.


Hamburger SV


Die Mannschaft von Polzin war in der vergangenen Saison nicht besonders elegant und oft auch nicht besonders diszipliniert. Trotzdem wurde sie schwer zu bespielen, entwickelte eine echte Persönlichkeit und lernte schnell genug aus den brutalen ersten Wochen, um nicht länger wie ein bloßer Bundesliga-Gast auf Zeit zu wirken. Es gab reichlich Chaos. Darunter steckte aber auch deutlich mehr Kompetenz, als das Chaos bisweilen vermuten ließ. Was wir in diesem Jahr erwarten dürfen, bleibt einigermaßen rätselhaft – vor allem angesichts des aktuell noch unfertigen Kaders, all der Verletzungen in der Vorbereitung und der Tatsache, dass wir hier eben weiterhin über einen Klub sprechen, der trotz all seiner historischen Größe derzeit noch als relativer Bundesliga-Neuling gilt.

„Dino“ schon lange nicht mehr.

Dieser Beiname passt längst nicht mehr.

Große personelle Veränderungen, Hamburg

Geschätzte Transferbilanz im Sommer = -200.000 Euro

Hamburgs Sommer begann mit der unangenehmen Realität, dass zwei der prägenden Leihspieler des Kaders – Luka Vuskovic und Fabio Vieira – zu ihren Premier-League-Klubs zurückkehrten. Autsch. Der jüngere Vuskovic-Bruder ist dauerhaft in grünere Gefilde weitergezogen, während anhaltende Bemühungen um eine erneute Verpflichtung Vieiras bislang noch nichts eingebracht haben. Der frühere Köln- und Wolfsburg-Stammspieler Sebastiaan Bornauw wurde geholt, um Vuskovics Abgang zu kompensieren. Man muss kein Bundesliga-Aficionado sein, um zu erkennen, dass das kein Eins-zu-eins-Ersatz ist. Die schiere Menge an abgehender Qualität wirkt auf dem Papier beängstigend, besonders wenn man bedenkt, wie stark Vuskovic und Vieira die vergangene Saison geprägt haben. Ersterer brachte Präsenz, defensive Autorität und sechs Tore als Innenverteidiger. Letzterer gab dem HSV genau den technischen Unterschiedsspieler, den Aufsteiger normalerweise nur schwer bekommen.

Vier Angreifer – Robert Glatzel, Ransford Königsdörffer, Damion Downs und Philip Otele – sind ebenfalls nicht mehr in der Hansestadt. Das ist keine echte Tragödie, denn das Quartett kam in der vergangenen Bundesliga-Saison zusammen nur auf acht Tore. Die Abgänge von William Mikelbrencis und Giorgi Gocholeishvili öffnen die rechte Wingback-Position. Die Leihe von Albert Grønbaek aus Rennes wurde in einen festen Transfer über 4,7 Mio. Euro umgewandelt, während Martin Adeline für 4 Mio. Euro aus Troyes kam und Kofi Amoako weitere 1,8 Mio. Euro von Dynamo Dresden kostete. Bilal Nadir schloss sich ablösefrei aus Marseille an. Adeline könnte sich als der taktisch interessanteste der neuen Mittelfeldzugänge erweisen, da er sofort ein Kandidat für die Startelf ist.

Der Mangel an Tiefe auf der Mittelstürmer-Position – der offensichtlichste Bedarf zum Start des Trainingslagers – bleibt ein laufendes Projekt. Patson Daka kam ablösefrei von Leicester City. Nach aktuellem Stand sieht es so aus, als würde auch die Verpflichtung von Terem Moffi abgeschlossen werden. Daka ist bereits glänzend gestartet und untermauert seine euphorischen frühen Ansagen mit reichlich Taten. Die Stürmerposition bleibt dennoch der dringendste Bedarf in diesem Kader. Es gibt noch viele andere ungelöste Probleme. Warmed Omaris Schulterverletzung macht Bornauw sofort zum Verantwortlichen für den Pflichtspielstart. Miro Muheim fällt sicher für den Pokal aus. Mario Vuskovics spätere Rückkehr bleibt eher eine Nebenhandlung für die zweite Saisonhälfte als etwas, worauf der HSV aktuell bauen könnte.

Auch die rechte Wingback-Position bleibt hinter Bakery Jatta auffällig dünn besetzt. Hamburgs Transferstrategie wirkt daher weniger glamourös als die Sammlung an Unterschiedsspielern im letzten Sommer, dafür vielleicht nachhaltiger. Statt außergewöhnliche individuelle Qualität nur auszuleihen und zu hoffen, dass sie die Mannschaft trägt, scheint der Klub darauf zu setzen, eine tiefere Gruppe um Spieler wie Grønbaek, Capaldo, Remberg und Lokonga aufzubauen. Ob das reicht, um den Verlust von Luka Vuskovic und Vieira aufzufangen, wird einen großen Teil von HSVs zweiter Bundesliga-Saison nach der Rückkehr definieren.

Man sollte bedenken, dass wir zu diesem Zeitpunkt im vergangenen Jahr ähnliche Klagen geäußert haben. Stefan Kuntz und das HSV-Management legten damals ein absolutes Blockbuster-Finale im Sommer-Transferfenster hin. Das könnte sich wiederholen. Nur gibt es ein Problem: Kuntz ist nicht mehr da. Sportdirektor Claus Costa und das neu ernannte Vorstandsmitglied für Sport Kathleen Krüger müssen sich dieses Mal beweisen. Der Autor glaubt weitgehend, dass sie das können. Costa hat im Januarfenster unter extrem kurzfristigen Bedingungen einen großartigen Job gemacht. Mit Zeit und langfristiger Planung kann er es noch besser machen.

Wir müssen auch den Fabio-Baldé-Deal erwähnen. Mein Gott, was für ein Coup! Dem HSV gelang es, Strasbourg 7 Mio. Euro für einen 21-Jährigen abzunehmen, der noch ein gutes Stück davon entfernt war, sich als regelmäßiger Bundesliga-Spieler zu etablieren. Genau solche Geschäfte verschaffen Costa und Krüger in diesen letzten Wochen etwas mehr Spielraum. Auch die Situation um Jean-Luc Dompé eröffnet eine weitere Möglichkeit. Der Franzose ging ins Trainingslager mit dem Ziel, sich neu zu beweisen, und spielte sich stattdessen faktisch aus Polzins sportlichen Plänen heraus. Zwischen dem Baldé-Geldregen und der Bereitschaft, sich von Dompé zu trennen, besitzt der HSV vor Schließung des Fensters weiterhin sowohl den finanziellen Spielraum als auch den Kaderplatz, um noch etwas Bedeutendes zu tun. Die Frage ist, ob Costa und Krüger auch nur einen Bruchteil der Magie des späten Transferfensters vom letzten Sommer reproduzieren können.

Notizen aus der Vorbereitung, Hamburg

Rapid Wien war in der Vorbereitung bereits deutlich weiter und nur noch wenige Tage von der Qualifikation zur Conference League entfernt, als der HSV zu seinem ersten Testspiel des Sommers antrat. Polzin reagierte darauf entsprechend. Der 17-jährige Torhüter Lahti begann, der 16-jährige Louis Lemke wurde links hineingeworfen. Martin Adeline erhielt seine erste Chance. Mehrere etablierte Spieler fehlten. Der HSV sah exakt aus wie eine Mannschaft, die ihr erstes Sommer-Testspiel gegen ein Team bestreitet, das sich bereits auf Pflichtfußball vorbereitet. Nach drei Minuten führten die Österreicher. Nicolai Remberg musste einen besonders misslungenen Spielaufbau bereinigen, bevor die Gäste endlich aufwachten.

Als sie das taten, war die Reaktion ermutigend. Bakery Jatta flankte präzise von rechts auf Yussuf Poulsen, der den Ausgleich einköpfte, bevor Capaldo einen weiteren Angriff einleitete, an dessen Ende Albert Grønbaek aus der Distanz zum 2:1 traf. Die Wende hielt etwa zehn Minuten. Rapid glich aus, als ein Eckball kurios über Ercan Karas Rücken ins Netz sprang, und ging fast sofort wieder in Führung, als eine missratene Flanke über Torhüter und Lemke hinwegsegelte und Lemke beim Klärungsversuch am langen Pfosten den Ball nur ins eigene Tor lenken konnte.

Nicht jede defensive Szene in der Vorbereitung braucht ein taktisches Symposium. Die zweite Halbzeit wurde durch Wechsel zerstückelt und brachte wenig außer einem sehr guten Pass von Warmed Omari, der Rayan Philippe frei durchschickte. Philippe konnte nicht vollenden, und der HSV eröffnete den Sommer mit einer 2:3-Niederlage. Das wichtigere Ergebnis folgte eine Woche später. Heidenheim, frisch aus der Bundesliga abgestiegen, war am Ende des Österreich-Camps ein nützlicher Test. Polzin ließ den HSV im erwarteten 3-4-2-1 auflaufen, vertraute erneut links auf Lemke und sah eine extrem schläfrige erste Halbzeit, die fast gar nichts hervorbrachte.

Dann kam Patson Daka.

Der Sambier war erst kurz zuvor nach seinem Abschied von Leicester City dazugestoßen und in der Vorbereitung bereits hinter seinen neuen Teamkollegen zurück. Er brauchte ungefähr zwei Minuten, um das Spiel zu verändern. Daka attackierte den Raum hinter der Heidenheimer Abwehr, wurde von Frank Feller zu Fall gebracht und ermöglichte Grønbaek die Verwandlung des fälligen Elfmeters. Kurz nach der Pause öffnete seine Schnelligkeit das Spiel erneut, als er Philippe zum 2:0 schickte. Heidenheim verkürzte durch einen abgefälschten Distanzschuss, doch Daka war noch nicht fertig. Grønbaek setzte ihn in Szene, und der Neuzugang machte das 3:1.

36 Minuten nach seinem ersten Auftritt für den HSV war Daka effektiv an allen drei Toren beteiligt.

Es gibt schlechtere Einführungen.

Auch Grønbaek wurde zunehmend unmöglich zu ignorieren.

Everton bot den ersten Premier-League-Maßstab und lieferte eine weitere Niederlage, die deutlich besser aussah als das Ergebnis. Polzin ließ den HSV zunächst aus einem geordneten Mittelfeldblock arbeiten, wobei Grønbaek als offensiverer zentraler Mittelfeldspieler fungierte. Die erste Hälfte war eher vorsichtig als spektakulär, obwohl sich das Personal fast sofort änderte, als Capaldo schon nach acht Minuten rausmusste. Dadurch bekam der 19-jährige Shafiq Nandja praktisch ein ganzes Spiel auf der rechten Seite der Dreierkette. Der Akademie-Verteidiger reagierte stark.

Everton ging schließlich kurz vor der Pause durch Merlin Röhl in Führung, doch nach dem Seitenwechsel verlagerte der HSV den Schwerpunkt und suchte deutlich gezielter nach Dakas Läufen. Die Anpassung zahlte sich fast sofort aus. Grønbaek half beim Vortragen des Angriffs, Philippe spielte den letzten Pass und Daka traf zum 1:1. Es war Dakas zweites Tor in ebenso vielen Einsätzen und vielleicht ein noch nützlicherer Beleg als der Kurzeinsatz gegen Heidenheim. Der HSV profitierte nicht mehr nur zufällig von seiner Schnelligkeit; er begann, seine Angriffe gezielt darum herum zu bauen.

Das Spiel trieb auf ein respektables Unentschieden zu, bevor Jordan Torunarigha in der Nachspielzeit grätschend klären wollte und den Ball ungewollt ins eigene Netz lenkte. Lemke hatte nun in allen drei Testspielen viele Minuten bekommen und spielte nach dem unglücklichen Eigentor in Wien weiterhin mit bemerkenswerter Sicherheit für einen 16-Jährigen. Nandja hatte auf eine Not-Einwechslung gegen Premier-League-Gegner stark reagiert. Auch Otto Stange spielte eine prominente Rolle.

Lille dehnte das Experiment dann auf 135 Minuten aus. Drei Abschnitte über 45 Minuten gaben Polzin genug Zeit, fast alle zu rotieren, wobei die Ausnahmen zunehmend aufschlussreich wurden. Jean-Luc Dompé war nicht länger Teil des sportlichen Plans, während mehrere jüngere Spieler wegen Verletzungen an anderer Stelle weiter im Mix blieben. Grønbaek agierte wieder vor allem aus dem linken offensiven Halbraum und tauschte phasenweise die Position mit Martin Adeline. Diese Fluidität verrät uns vermutlich mehr über Polzins Absichten als jede statische Formationsgrafik. Die beiden Spieler hinter dem Stürmer sollen in Räumen beginnen, nicht in ihnen leben.

Das Spiel selbst begann schlecht. Torunarigha spielte einen Pass ins Nichts, und Hákon Haraldsson bestrafte den HSV schon nach fünf Minuten. Lille hatte generell im mittleren Abschnitt die Oberhand, während Grønbaeks Auswechslung mit Knieproblemen nach 55 Minuten die größte Sorge des Nachmittags war. Der letzte Abschnitt gehörte mehr dem HSV.

Rayan Philippe, der bereits eine unerwartet produktive Vorbereitung spielte, zirkelte einen direkten Freistoß aus rund 20 Metern zum 1:1 ins Tor. Dann kam einer der schöneren kleinen Momente des Camps. Otto Stange holte einen Elfmeter heraus, schnappte sich sofort den Ball und dachte gar nicht daran, ihn wieder herzugeben. Miro Muheim versuchte, Daka herbeizurufen – offenbar in der Annahme, dass der neue Stammstürmer den Strafstoß vielleicht gern schießen würde. Stange war nicht überzeugt. Das Volkspark-Publikum wirkte ähnlich wenig überzeugt.

Daka überließ es ihm schließlich.

Stange traf.

Lille glich spät zum 2:2 aus, aber die Angriffshierarchie war deutlich interessanter geworden als zu Beginn der Vorbereitung. Philippe hatte nun gegen Heidenheim getroffen, gegen Everton assistiert und gegen Lille einen Freistoß verwandelt. Stange hatte einen Elfmeter gefordert und versenkt. Daka kam in seinen ersten beiden Einsätzen auf zwei Tore und zwei Vorlagen und blieb auch ohne Treffer gegen die Franzosen einflussreich.

Unterdessen drohte Grønbaeks Knieverletzung zunächst den beeindruckendsten individuellen Sommer überhaupt zu unterbrechen. Das tat sie nicht. Der Däne wurde rechtzeitig fit für HSVs letztes Testspiel in Toulouse, wo Polzin erneut daran erinnert wurde, dass die Lösungen innerhalb seines Kaders nicht immer sauber mit den leeren Feldern auf dem Transferblatt übereinstimmen. Capaldo sagte kurz vor dem Anpfiff wegen muskulärer Probleme ab. Warmed Omari fehlte aus privaten Gründen. Also begann der 18-jährige Jason Bissi-Mouelle in der defensiven Dreierkette bei der letzten Generalprobe gegen einen Ligue-1-Gegner.

Vier Minuten später stahl ein weiterer Akademie-Spieler die Aufmerksamkeit. Der HSV gewann in der Hälfte von Toulouse den Ball zurück und fand Stange links im Strafraum. Der 19-Jährige blickte auf und zirkelte einen hervorragenden Abschluss in den rechten oberen Winkel. Nach seinem Elfmeter gegen Lille hatte er nun in der Generalprobe ein noch besseres Tor nachgelegt. Der HSV spielte eine starke erste Halbzeit. Sambi Lokonga und Lemke hatten wichtige Defensivaktionen in Toulouses bester Phase, während Jatta den Außenpfosten traf und ein bemerkenswerter Sieben-gegen-Drei-Konter irgendwie nicht zum zweiten Treffer führte.

Dieses Auslassen wurde nach der Pause noch ärgerlicher.

Toulouse erhöhte das Tempo, spielte sauberer durch die HSV-Struktur und glich aus, als Santiago Hidalgo eine Flanke einköpfte, nachdem ein öffnender Pass die Hamburger Staffelung aufgebrochen hatte. Kurz darauf trafen die Franzosen den Pfosten, zudem musste Sander Tangvik nach seiner Einwechslung für Daniel Heuer Fernandes stark parieren. Das Spiel verflachte dann unter dem Gewicht der Wechsel und schien auf ein Remis hinauszulaufen. Dann kam Grønbaek. Nach dem Knieschreck kehrte der Däne für Adeline von der Bank zurück und sammelte in der Nachspielzeit einen losen Ball ein, bevor er einen weiteren technisch exzellenten Abschluss ins lange Eck zirkelte.

2:1 HSV.

Eine Vorbereitung, die mit Grønbaeks Treffer in Wien begonnen hatte, endete mit Grønbaeks Siegtor in der Generalprobe in Toulouse.

Gewinner des Camps, Hamburg

Albert Grønbaek, OM

Deutlicher geht es kaum. Der prominente Zugang aus dem Januarfenster hatte absolut nichts getan, um seinen festen Kauf von Rennes früher in diesem Sommer zu rechtfertigen. Im Verlauf der Vorbereitung hat er dann praktisch alles getan. Muss der Autor seine Leistungen wirklich noch einmal aufzählen? Ja. Der HSV zahlte rund 4,7 Mio. Euro, um den Dänen nach einer von Verletzungen gestörten Leihe zu halten, und verbrachte dann den Großteil des Sommers damit, ihm dabei zuzusehen, wie er diese Entscheidung immer klüger aussehen ließ. Grønbaek traf gegen Rapid Wien, verwandelte den Elfmeter und legte Patson Daka gegen Heidenheim auf, diente immer wieder als Verbindungsglied zwischen Mittelfeld und Angriff und erholte sich schnell vom Knieschreck gegen Lille. Danach kam er in der Generalprobe in Toulouse von der Bank und erzielte den Siegtreffer in der Nachspielzeit.

Noch wichtiger als die Zahlen war, wie viele verschiedene Aufgaben Merlin Polzin ihm zutraute. Grønbaek erschien in den offensiven Halbräumen, ließ sich tiefer ins zentrale Mittelfeld fallen und arbeitete auch aus breiteren Ausgangspositionen. Fabio Vieira muss im engsten Sinne vielleicht noch ersetzt werden, aber der HSV besitzt bereits einen Teil der Antwort. Grønbaek kam ins Camp als Spieler, dessen fester Transfer begründet werden musste. Er verlässt es mit dem Eindruck, beinahe unauffällig zur zentralen Figur geworden zu sein, um die herum die neue Angriffsstruktur gebaut wird. Der Mann ist ein verdammtes Monster. Ob aufgeschürftes Knie oder nicht, der 25-Jährige steuert auf eine Monster-Saison in der Bundesliga zu.

Patson Daka, MS

Eine weitere völlig offensichtliche Wahl. Der Autor hasst es wirklich, sich zu wiederholen, muss es hier aber tun. Es gibt schlechtere Arten, sich vorzustellen, als innerhalb von 23 Minuten bei seinem ersten Auftritt effektiv an allen drei Toren beteiligt zu sein. Gegen Heidenheim holte Daka den Elfmeter zum Führungstor heraus, schickte Rayan Philippe zum zweiten Treffer und erzielte das dritte selbst. Danach traf er auch gegen Everton, während der HSV zunehmend begann, Angriffe genau um das herum zu bauen, was der ehemalige Leicester-Stürmer am besten mitbringt: Tempo, Tiefe und Läufe hinter die Abwehrlinie.

Genau das ist der größere Grund für die Begeisterung. Daka hat nicht bloß in Testspielen Tore erzielt; er hat bereits verändert, wie Polzin Angriffe aufbauen kann. Der Sambier gibt dem HSV eine echte Bedrohung hinter der letzten Linie, streckt Defensiven vertikal und schafft darunter Räume für Grønbaek und die anderen offensiven Mittelfeldspieler. Natürlich müssen wir noch sehen, wie sich das übersetzt, wenn Bundesliga-Verteidiger die einfachen Räume wegnehmen, aber die ersten Hinweise könnten kaum ermutigender sein. Der Autor hat seine Meinung zu Daka an anderer Stelle bereits ziemlich deutlich gemacht. Gut. Dann noch einmal.

Auch ihm ist eine Monster-Saison vorausgesagt.

Otto Stange, MS

Der Sommer begann für den Rückkehrer von seiner Januar-Leihe eigentlich in Wales. Stange kam nach Hamburg zurück, nachdem er Deutschland ins Finale der U19-Europameisterschaft geführt hatte, das Turnier mit vier Toren als geteilter bester Torschütze abgeschlossen und einen Platz in der UEFA-Mannschaft des Turniers erhalten hatte. Der HSV-Stürmer traf doppelt gegen Dänemark, erzielte ein weiteres Tor gegen Gastgeber Wales und lieferte den entscheidenden Ausgleich im Halbfinalsieg gegen die Ukraine. Stange verließ das Turnier dennoch als einer seiner herausragenden Angreifer, wobei die UEFA besonders sein Tempo im Umschalten und seine Fähigkeit hervorhob, den Raum hinter gegnerischen Abwehrreihen zu nutzen. Das ist ein deutlich stärkerer Ausgangspunkt für einen „Durchbruch“ in der Vorbereitung, als gegen ein paar Verteidiger aus Regionalligen munter zu wirken.

Danach nutzte er auch das Profi-Camp. Der 19-Jährige blieb lange genug eingebunden, dass seine Einsätze nicht mehr zeremoniell wirkten, holte den Elfmeter gegen Lille heraus, weigerte sich, den Ball abzugeben, und verwandelte selbst. In Toulouse legte er mit einem überragend ins lange Eck gezirkelten Führungstor nach. Zwei Tore in den ernsthaften Abschlusstests, direkt nach einer Europameisterschaft, bei der er bereits gezeigt hatte, dass seine Umschaltgefahr auch gegen Spitzenspieler seiner Altersklasse funktioniert, machen das zu weit mehr als nur einer netten Akademie-Geschichte. Stange verbrachte den gesamten Sommer – von Wales bis Toulouse – damit, es für Polzin immer unbequemer zu machen, ihn bloß als Spieler für die Zukunft zu behandeln.

Louis Lemke, LV

Die Pokal-Partie gegen Verl kann ehrlich gesagt gar nicht schnell genug kommen! Da Muheim sicher ausfällt, wird Lemke aller Voraussicht nach starten. Das begann nicht erst damit, dass plötzlich ein 16-Jähriger gegen Rapid Wien auftauchte. Lemke war im Mai gegen Freiburg mit 16 Jahren und 214 Tagen bereits zum jüngsten Bundesliga-Spieler der HSV-Geschichte geworden, wobei Polzin betonte, dass das Debüt monatelanges starkes Training belohnte und kein sentimentaler Akt war. Muheims WM-Abwesenheit öffnete dann die Tür noch weiter. Lemke ging einfach hindurch. Polzin setzte ihn immer wieder ein. Und wieder. Und wieder.

Er sammelte mehr Vorbereitungsminuten als jeder andere HSV-Spieler, erholte sich sofort vom unglücklichen Eigentor in Wien und beeindruckte weiter körperlich, technisch und taktisch, je stärker die Gegner wurden. Mitte August gab der HSV die Pläne auf, einen Muheim-Backup zu verpflichten, weil man ihm nicht im Weg stehen wollte. Polzin betont weiterhin eine vorsichtige und langsame Entwicklung, was völlig sinnvoll ist. Der Klub will ihn nachvollziehbar behutsam aufbauen. Gut. „Behutsam“ ist bei einem 16-Jährigen aber ein wunderbar flexibler Begriff. Der Akademie-Gewinner des Sommers könnte gleich seine Belohnung erhalten.

Bakery Jatta, RWB

Vor einem Jahr wirkte Jatta beim HSV wie ein Auslaufmodell. Polzin hatte ihn faktisch aus der Hierarchie der Flügelspieler entfernt, der 28-Jährige absolvierte große Teile des Camps in Herzogenaurach getrennt von der Mannschaft, und der Klub prüfte offen Möglichkeiten, ihn abzugeben. Jatta weigerte sich. Stattdessen erkannte er die Lücke, die durch Giorgi Gocholeishvilis taktische Defizite und William Mikelbrencis’ anhaltende Positionsprobleme entstanden war, und erfand sich als rechter Wingback neu. Bis zum Ende der vergangenen Saison hatte der vermeintlich aussortierte Flügelspieler beide Spezialisten verdrängt und war immer dann die erste Wahl, wenn er fit war. Was für eine Geschichte!

Die Ironie ist, dass der HSV in diesem Sommer trotzdem nach Konkurrenz für ihn suchte. Jatta ist defensiv zuverlässig, aber seine technischen Grenzen werden in einem 3-4-2-1 deutlicher, das von den Wingbacks verlangt, viel von der offensiven Breite zu liefern. Elias Baum wurde deshalb zum bevorzugten Verstärkungsziel, bevor Frankfurt die Sache verkomplizierte. Jatta beginnt nun seine elfte HSV-Saison auf einer Position, auf der ihn vor zwölf Monaten niemand erwartet hätte – und mit zehn Jahren im Klub hinter sich. Sein gesamter Bogen beim Verein ist faszinierend, weil er mit dem HSV alle Höhen und Tiefen durchlebt hat.

Abstieg. Aufstieg. Rückschlag. Wiederauferstehung.

Shafiq Nandja, IV

Nandjas Einsatz gegen Everton wirkt inzwischen deutlich weniger wie ein Notfall-Kurzeinsatz und mehr wie der nächste Schritt in einer etablierten Entwicklung. Der 19-Jährige hatte bereits im Mai gegen Freiburg nach Monaten positiver Arbeit mit den Profis sein Bundesliga-Debüt gegeben, ersetzte dann den verletzten Capaldo schon nach acht Minuten gegen Everton und wirkte gegen Premier-League-Gegner bemerkenswert abgeklärt. Bis zum Ende der Vorbereitung hatten sich Nandja und Bissi-Mouelle beide in der defensiven Hierarchie vor Daniel Elfadli geschoben. Das ist deutlich mehr, als nur ein paar Testspielminuten optimal zu nutzen.

Jason Bissi-Mouelle, IV

Auch Bissi-Mouelles Sommer verdient eine ähnliche Aufwertung. Sein Start in Toulouse kam zustande, weil Capaldo und Omari fehlten, aber da hatte sich der 18-Jährige bereits längst über den Status einer bloßen Notlösung hinausgeschoben. Sowohl er als auch Nandja haben sich deutlich schneller entwickelt, als der HSV erwartet hatte. Dass er nun in der Generalprobe gegen einen Ligue-1-Gegner begann und dem HSV beim Sieg half, war also nicht der Beginn von Bissi-Mouelles Aufstieg. Es war die Bestätigung, dass ein weiterer Akademie-Verteidiger den Profikader gezwungen hat, ihm Platz zu machen. Eine weitere großartige Geschichte aus diesem Klub ist in Arbeit.

Verlierer des Camps, Hamburg

Jean-Luc Dompé, LA

Hier braucht es überhaupt kein Herumlavieren. Dompé ging bereits mit Altlasten aus dem Winter in den Sommer, nachdem seine Festnahme wegen Trunkenheit am Steuer im Januar zu einer Suspendierung geführt hatte, und Polzin machte später deutlich, dass sich die Beziehung davon nie ganz erholte. Das Problem war nicht nur der Vorfall selbst. Der HSV-Coach fand, Dompé habe intern zu wenig Einsicht in das Geschehene gezeigt, und der Flügelspieler kehrte dann mit unzureichendem Fitnesszustand aus dem Urlaub zurück – für ein Team, das zunehmend um Intensität herum gebaut wird. Nicolai Remberg, inzwischen Kapitän, unterstützte die Entscheidung des Klubs und brachte das fußballerische Problem sauber auf den Punkt: Dompé besitzt noch immer irrsinnige individuelle Qualität, aber vielleicht nicht mehr genug von allem anderen für die Art und Weise, wie der HSV jetzt spielen will. Hart? Vielleicht. Subtil? Nicht besonders.

Im August war das sportliche Urteil endgültig. Dompé war schon in der Rückrunde aus dem Bild geraten, spielte in der Vorbereitung kaum eine Rolle und wurde offiziell von den Teamaufgaben freigestellt, damit er einen neuen Klub suchen kann. Das ist also deutlich mehr als nur ein Camp, in dem jemand ein Duell um eine Position verloren hat. Der alte explosive Flügelspieler passt nicht mehr in Polzins 3-4-2-1, erfüllt die geforderten physischen Standards nicht mehr und – noch wichtiger – scheint nicht mehr zur kollektiven Kultur zu passen, die darum herum aufgebaut wird. Vier Jahre, 113 Pflichtspiele, 18 Tore und viele erinnerungswürdige Momente später liegen die Scheidungspapiere im Grunde auf dem Tisch. Oder, wie man in Deutschland lieber sagt: „Das Tischtuch ist zerschnitten.“

Yussuf Poulsen, MS

Poulsens erste HSV-Saison kam wegen fünf separater Verletzungspausen nie wirklich ins Rollen, sodass ihm in 15 Einsätzen nur ein Bundesliga-Start blieb, und der Klub hat in diesem Sommer sehr vernünftig daran gearbeitet, seine Abhängigkeit von ihm zu verringern. Die Kapitänsbinde ging schließlich an Nicolai Remberg. Man könnte vorsichtig anmerken, dass es vielleicht nicht die inspirierteste Nachfolgeplanung war, die Binde einem Spieler zu geben, dessen Körper Verfügbarkeit schon als optionale Zusatzleistung behandelte. All das schmälert Poulsens Erfahrung oder Persönlichkeit nicht, und gegen Rapid traf er ja auch. Es spiegelt nur die Realität wider, und die ist niemandem gegenüber verpflichtet, freundlich zu sein.

Jordan Torunarigha, IV

Deutsche Fußballfreunde, darunter auch dieser große Jordan-Torunarigha-Fan, sind darüber nicht besonders glücklich. Wir wollten alle so sehr, dass er bei seiner Rückkehr in die Bundesliga Erfolg hat. Torunarigha wird nun zum zweiten Jahr in Folge als Verlierer geführt. Dasselbe gilt für Poulsen. Diese verdammte Realität weigert sich einfach immer, mit unseren Vorannahmen zusammenzuarbeiten. Torunarigha beendete die vergangene Saison deutlich wohler in Polzins Dreierkette, aber zwei der härtesten Tests der Vorbereitung brachten genau die Fehler, die sich der HSV am wenigsten leisten kann. Das größere Problem ist, dass die Jugendlichen seinen Fehlerspielraum immer kleiner machten. Torunarigha bleibt wahrscheinlich der Starter auf der linken Seite und nicht irgendein dem Untergang geweihter Veteran. Er hat im Camp nur feststellen müssen, dass teure Fehler deutlich weniger charmant wirken, wenn die Teenager hinter einem hartnäckig darauf verzichten, selbst welche zu machen.

Daniel Elfadli, IV

Elfadli ging in den vergangenen Sommer noch als ernsthafter Kandidat für die zentrale Rolle in HSVs Dreierkette, bevor Luka Vuskovic kam und alles veränderte. Zwölf Monate später ist der Weg zurück noch voller. Bissi-Mouelle und Nandja entwickelten sich beide deutlich schneller als vom Klub erwartet, Bornauw gehört nun die zentrale Organisatorenrolle, Capaldo und Torunarigha flankieren ihn, wenn sie fit sind, und die beiden Akademie-Verteidiger werden gezielt dahinter aufgebaut. Damit steht Elfadli nicht nur außerhalb der projizierten Startelf, sondern zunehmend auch außerhalb der Entwicklungslogik dieses Kaders. Wenn dich zwei Teenager in der Hierarchie schnell genug überholen, um die Transferplanung des Klubs zu beeinflussen, schreibt sich das Sommerurteil gewissermaßen von selbst.

Taktischer Scout, Hamburg

Die anstehende Pokalreise zum SC Verl gibt diesem Autor die willkommene Gelegenheit, sich freudig daran zu erinnern, dass der echte Pflichtspielbetrieb näher rückt! Verdammt ja! Pokalausflüge dieser Art sollten Bundesliga-Teams theoretisch ermöglichen, sich bequem in ihren bevorzugten Strukturen einzurichten. Die deutsche Fußballgeschichte erinnert allerdings freundlich daran, dass daraus manchmal stattdessen 90 Minuten existenzieller Angst werden. Der HSV sollte das dennoch vermeiden können. Einige Verletzungssorgen vor der Erstrundenpartie sorgen jedenfalls nicht dafür, dass man sich um die Aussichten des Bundesligisten nervös fühlt.

Omari wird nach der gegen Lille erlittenen Schulterverletzung definitiv nicht dabei sein, während Muheims Adduktorenprobleme die linke Seite zunehmend zu 16-jährigem Louis Lemke wandern lassen. Capaldos jüngste muskuläre Probleme sind ein weiteres Fragezeichen, doch der Argentinier sollte auf die rechte Position in der defensiven Dreierkette zurückkehren, sofern er grünes Licht erhält. Bornauw, der mit Leeds eine komplette Vorbereitung absolviert hat, wurde gezielt verpflichtet, um die neue ordnende Präsenz in der Mitte zu werden, und dürfte kaum Eingewöhnungszeit brauchen.

Aufstellung–HSV (PROGNOSE)

Artikelbild:Bundesliga 2026/27: Taktik-Vorschau zum Hamburger SV

Sollte Capaldo nicht riskiert werden, ist Nandja nach seinem hervorragenden Sommer der naheliegende Ersatz. Dieser eine Satz allein sagt schon etwas Wichtiges darüber, wo diese Mannschaft inzwischen steht. Verletzungen zwangen Polzin in der Vorbereitung dazu, Lemke, Nandja und Bissi-Mouelle ausgiebig einzusetzen; die Jugendlichen antworteten darauf, indem sie sich zu echten Optionen für den Wettbewerb machten und nicht bloß zu Notnamen, die hastig auf die Bank geschrieben werden. Vor allem Lemke hat alles getan, außer Muheims Spind auszuräumen. Sein voraussichtlicher Pokal-Start ist sowohl Notwendigkeit als auch Belohnung.

Bornauws Ankunft sollte Torunarigha derweil erlauben, in die linke Rolle zurückzukehren, in der er sich gegen Ende der vergangenen Saison deutlich wohler fühlte, während Capaldo die aggressive Hybridarbeit wieder aufnehmen kann, die ihn zu einem so wichtigen Baustein von Polzins Rückrundenstruktur machte. Noch interessanter wird es weiter vorne. Remberg und Sambi Lokonga geben dem HSV die stabile zentrale Achse, um die sich praktisch alles andere bewegen kann. Remberg attackiert Zweikämpfe, zweite Bälle und offene Räume mit seiner typischen Begeisterung; Lokonga liefert die ruhigere Ballverteilung daneben.

Davor ist die alte, stark flügelorientierte Angriffsstruktur weitgehend zwei Kreativspielern gewichen, die in den Halbräumen beginnen. Grønbaek ist der offensichtliche Mittelpunkt. Adeline wirkt derzeit als sicherste Wahl auf der Gegenseite, obwohl Philippe und Stange den Sommer damit verbracht haben, Adelines Platz deutlich unbequemer zu machen, als irgendjemand erwartet hatte. Die Breite kommt folglich primär von Jatta und Lemke, was einer der Gründe bleibt, warum die ungeklärte rechte Wingback-Position so wichtig ist. Jatta kann die Rolle verteidigen.

Und dann ist da Daka. Wir müssen wahrscheinlich keinen weiteren Liebesbrief schreiben. Es ist schon genug Tinte geflossen. Seine Bedeutung geht aber weit über zwei Tore und zwei Vorlagen hinaus. Der frühere Leicester-Stürmer gibt dem HSV etwas, das dem Angriff im vergangenen Jahr oft fehlte: einen Angreifer, der aktiv den Raum hinter einer Abwehr bedroht und dadurch die gesamte gegnerische Linie nach hinten zwingt. Grønbaek und der jeweils von Polzin gewählte zweite Kreativspieler sollten enorm davon profitieren. Moffi würde – falls dieser Deal über die Ziellinie geht – eine weitere Version desselben Grundprinzips liefern, allerdings mit deutlich mehr physischer Präsenz.

Was bedeutet all das also, sobald der ernsthafte Bundesliga-Alltag beginnt? Der Autor bleibt derzeit vorsichtig optimistisch statt begeistert überzeugt. Es gibt hier deutlich mehr strukturelle Klarheit als vor zwölf Monaten. Polzin weiß, wie er spielen will. Remberg und Lokonga bilden ein legitimes Bundesliga-Mittelfeld. Grønbaek wirkt bereit, zu einem echten Unterschiedsspieler zu werden. Daka scheint in der Lage zu sein, eine völlig neue Dimension hinzuzufügen, während Lemke, Stange, Nandja und Bissi-Mouelle jene Art interner Entwicklung geliefert haben, die einem Klub auf dem Transfermarkt Millionen sparen kann.

Das Gegengewicht liegt genauso offen zutage. Luka Vuskovic und Fabio Vieira waren für einen Klub in HSVs Lage außergewöhnliche Spieler, keine generischen Leihgaben, die sich einfach kollektiv ersetzen lassen. Die Abwehr braucht weiterhin, dass Bornauw sofort funktioniert. Die rechte Wingback-Situation ist noch ungeklärt. Mehrere erfahrene Spieler schleppen bereits durch den August körperliche Probleme mit sich herum. Der Sturm braucht noch den letzten Feinschliff, und Costa und Krüger müssen erst noch zeigen, dass sie auch ohne Stefan Kuntz die spektakuläre Last-Minute-Arbeit des vergangenen Sommers reproduzieren können.

Wenn das verbleibende Geschäft gut läuft, ist hier genug vorhanden, um sich vorzustellen, dass sich der HSV etwas sicherer im Mittelfeld der unteren Tabellenhälfte etabliert. Wenn nicht, wirkt eine weitere Saison mit einem Auge auf die Abstiegszone völlig plausibel. Auch das wäre eine Form von Fortschritt. Im vergangenen Sommer musste der HSV erst herausfinden, was für eine Bundesliga-Mannschaft er werden könnte. In diesem Sommer weiß er es schon. Jetzt muss er nur noch beweisen, dass diese Identität auch den Verlust der außergewöhnlichen Einzelspieler überlebt, die bei ihrer Entstehung geholfen haben.

Es sieht ganz danach aus, als würde die Bundesliga diesen großen Klub behalten.

Dieser Artikel wurde mithilfe künstlicher Intelligenz ins Deutsche übersetzt. Die Originalversion auf 🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 kannst du hier lesen.

Impressum des Publishers ansehen