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·21. September 2026
Carrick startet schlechter als Amorim – reicht sein Kredit?

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·21. September 2026

29 Torschüsse, ein Pfostentreffer, ein Eigentor zum Wegschauen – und am Ende rettet ein abgefälschter Verzweiflungsschuss in der 89. Minute einen Punkt beim bis dahin Tabellenletzten. Manchester United hat den schlechtesten Premier-League-Start seiner Geschichte eingestellt.
Craven Cottage, 67. Minute. Calvin Bassey schiebt Matheus Cunha vom Ball und zieht ab, Senne Lammens wehrt mit dem Fuß statt mit den Händen ab, Lisandro Martínez streckt das Bein aus – und lenkt den Ball am eigenen Keeper vorbei ins Netz. Fulham, bis dahin unter Álvaro Arbeloa in der Liga sieglos, führte 1:0. Gary Neville hatte da bei Sky längst genug gesehen: Die Viertelstunde nach der Pause seien the worst 15 minutes I have ever seen Manchester United play gewesen.
Dass es nicht die dritte Pflichtspielniederlage in acht Tagen wurde, verdankt Michael Carrick einem Zufall. Cunhas Schuss aus 25 Metern wäre eine sichere Beute für Bernd Leno gewesen, hätte David Affengruber ihn nicht unhaltbar abgefälscht. 1:1, fünf Punkte aus fünf Spielen, Platz zwölf, zehn Zähler hinter Tabellenführer City. So wenige Punkte hatte United zu diesem Zeitpunkt nur 2014/15 unter Louis van Gaal.
Uniteds Ligastart 2026/27
Fünf Spiele, fünf Punkte, 8:8 Tore
0:2
Hull
5:2
Ipswich
2:2
Everton
0:1
Man City
1:1
Fulham
Punkte pro Ligaspiel
Carrick als Interimstrainer, Januar bis Mai 2026 (39 Punkte aus 17 Spielen)
2,29
Amorim, erste fünf Spiele 2025/26 (7 Punkte)
1,40
Carrick, erste fünf Spiele 2026/27 (5 Punkte)
1,00
Die naheliegende Frage, ob das alles auch nur ein Stück besser ist als unter Ruben Amorim, lässt sich nüchtern beantworten: Im direkten Vergleich der Saisonstarts ist es schlechter. Amorim hatte vor einem Jahr nach fünf Spieltagen sieben Punkte, darunter ein Sieg gegen Chelsea. Carrick hat fünf, darunter ein 0:2 beim Aufsteiger Hull – Uniteds erste Auftaktniederlage gegen einen Neuling überhaupt.
Nur greift dieser Vergleich zu kurz. Denn derselbe Carrick holte zwischen Januar und Mai 39 Punkte aus 17 Ligaspielen, mehr als jeder andere Trainer der Liga in diesem Zeitraum, mehr sogar als Meister Arsenal. Er führte ein verunsichertes Team aus dem Niemandsland der Tabelle auf Rang drei und zurück in die Champions League. Dieser Kredit ist real. Er ist nur deutlich schneller aufgebraucht, als man in Manchester gehofft hatte.
Was stutzig macht, ist weniger die Tabelle als das, was die Spiele erzählen. In Hull fielen beide Gegentore nach Standards. Gegen Brighton verspielte United im Ligapokal ein 2:0 aus den ersten zehn Minuten und flog mit 2:3 raus. Das Derby ging 0:1 verloren – gegen zehn Citizens. Und in Fulham lief der Gegner laut den Spieldaten sechs Kilometer mehr. Cunha sprach das nach Abpfiff offen an: Fulham habe nach der Pause mehr Energie investiert.
Carricks Antwort darauf: It didn’t look like that to me. Er sei zufrieden gewesen, wie seine Mannschaft das Spiel beendet habe. Man kann das als Schutzreflex eines Trainers lesen, der seine Kabine nicht öffentlich zerlegt. Man kann es auch als erstes Anzeichen jener Realitätsverweigerung deuten, die in Old Trafford seit Fergusons Abschied noch jedem Trainer irgendwann unterstellt wurde.
Zur Wahrheit gehört, dass die Zahlen nicht nur gegen ihn sprechen. 29:12 Torschüsse, 26 Abschlüsse beider Teams in einer torlosen ersten Halbzeit – Premier-League-Rekord seit Beginn der Opta-Erfassung 2003 –, dazu Bruno Fernandes, der aus kurzer Distanz den Pfosten trifft. Bei den Expected Goals stand es trotzdem nur 1,59 zu 1,57. Viel Volumen, wenig Qualität: Das ist das Muster dieses Saisonstarts. Dass die Klubführung im Sommer weder den gewünschten Linksverteidiger noch einen Flügelspieler lieferte, wie englische Medien berichten, macht die Sache nicht leichter.
Carrick selbst hält Debatten über seine Zukunft für absurd; ein, zwei Ergebnisse würden daran nichts ändern, sagte er vor dem Fulham-Spiel. Das stimmt. Aber zur Bilanz gehören inzwischen drei Pflichtspielniederlagen und ein Pokal-Aus vor eigenem Publikum, und die lange Pause gibt nicht nur dem Trainer Zeit zum Nachdenken, sondern auch seinen Vorgesetzten.
United hat im Januar einen Trainer entlassen, der bei sieben Punkten nach fünf Spielen noch als Projekt galt. Wer damals Ungeduld zur Tugend erklärte, wird sie im Herbst schwer wieder zum Laster machen können.







































