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·11. September 2026

Christian Baron: „ Literatur und Fußball sollten viel öfter zueinanderfinden“

Artikelbild:Christian Baron: „ Literatur und Fußball sollten viel öfter zueinanderfinden“

Der in Kaiserslautern geborene Spiegel-Bestsellerautor Christian Baron über seine emotionale Lesung auf dem Betze, sein Fandasein und die Bedeutung des FCK für seine Entwicklung.

 Für den Autor Christian Baron ist Kaiserslautern Herzenssache. Nachdem er mit 1. FC Kaiserslautern. Eine Liebeserklärung“ kürzlich eine literarische Hommage an den „Betze“ veröffentlichte, folgt bald das nächste Highlight seiner Heimkehr. Im Dezember 2026 feiert das Schauspiel Drei Schwestern am Pfalztheater Kaiserslautern seine Uraufführung. Die Bühne bringt damit das fesselnde Finale seiner dreiteiligen Kaiserslautern-Trilogie zur Aufführung, die Baron als Buchautor mit „Ein Mann seiner Klasse“ und „Schön ist die Nacht“ zu einem bekannten Schriftsteller gemacht hat.


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„Der bisherige Höhepunkt meiner Laufbahn als Autor“

Treffpunkt Betze: Hallo Christian. Vor etwa drei Wochen durftest du deine schriftliche ‚Liebeserklärung‘ an den 1. FC Kaiserslautern im Rahmen einer Lesung auf dem Betzenberg mit anderen FCK-Fans teilen. Mit welchen Emotionen blickst du auf diesen ganz besonderen Abend zurück?“

Christian Baron: Es war nichts weniger als der bisherige Höhepunkt meiner Laufbahn als Autor. Ich hatte schon viele schöne Lesungen, an den unterschiedlichsten Orten. Aber im Stadion im Medienzentrum auf dem Betze – dort also, wo sonst die Trainer der Presse Rede und Antwort stehen – vor mehr als 250 Leuten mein Buch vorzustellen, ist schwer zu übertreffen. Wir haben zu Beginn das Palzlied gesungen, dann kamen als Gäste die Vereinslegende Sepp Stabel und meine frühere Jugendtrainerin Petra Blandfort mit auf die Bühne, Stefan Roßkopf hat den Abend unglaublich toll moderiert. Am Ende bekam ich noch eine Torte mit einem Zuckerguss-Topping in Form des Buchcovers. Und die Signier- und Selfieschlange danach hat beinahe länger gedauert als die Veranstaltung selber. Wahnsinn. Nach dieser Erfahrung bin ich der Meinung, Literatur und Fußball sollten viel öfter zueinanderfinden. Und gern würde ich in der Zeit zurückreisen, um dem achtjährigen Christian, der sich so sehr nach dem Fritz-Walter-Stadion sehnt und dem das Geld für eine Eintrittskarte fehlt, zu sagen: „Wart emol ab, irgendwonn bische do drobbe sogar uff de Bühne!“

„Das steckerziehende Glück, Teil einer so wunderbaren Gemeinschaft zu sein“

Treffpunkt Betze: In der Pfalz ist der Fußball eine absolute Konstante. Du hast selbst als kleiner Fan angefangen und blickst heute auf Jahrzehnte voller Meisterschaftsrausch, aber auch tiefer Abstiegsdramen zurück. Wenn du den heutigen Profifußball mit dem deiner Kindheit vergleichst: Was hat sich für dich persönlich an dem Gefühl verändert, FCK-Fan zu sein?

Christian Baron: Heute bin ich viel näher dran am Geschehen, kenne einige Leute im Verein persönlich. Als Kind waren Spieler und Trainer für mich Halbgötter, die ich angebetet hab. Als Erwachsener ist mein Respekt vor den Protagonisten auf dem Feld natürlich geblieben, aber man sieht manches doch differenzierter und realistischer. Wobei ich zugeben muss, dass gerade zum Saisonstart vor Kurzem mit den beiden Derbys und der Gewissheit, dass ich nach meinem Umzug von Berlin nach Kaiserslautern nun endlich eine Dauerkarte fürs Stadion habe, nochmal die Kindheitsfreude aufgekommen ist. Also dieses steckerziehende Glück, Teil einer so wunderbaren Gemeinschaft zu sein, die ihr Lebensglück im Guten wie im Schlechten ein gutes Stück weit vom FCK abhängig macht und sich dagegen nicht mehr wehren kann oder will.

„Als Underdog aus der Provinz über sich hinausgewachsen“

Treffpunkt Betze: Als Bestsellerautor hast du dir längst einen Namen gemacht. Mit der Liebeserklärung an den FCK verbindest du nun dein literarisches Können mit deiner privaten Herzensangelegenheit. Was löst es in dir aus, wenn du an deine Anfänge zurückdenkst und merkst, dass der FCK nicht nur dein Fan-Leben, sondern letztlich auch deinen Weg als Autor über viele deiner Werke bis zu diesem ganz besonderen geprägt hat?

Christian Baron: Mir ist erst beim Schreiben meines Buches so richtig klar geworden, welche Bedeutung der FCK für meine Entwicklung hat. Wir leben ja leider in einer Gesellschaft, in der es für Hilfsarbeiterkinder wie mich nur schwer möglich ist, aus der Armut zu entkommen. Der FCK aber ist gerade in den Neunzigerjahren immer wieder als Underdog aus der Provinz über sich hinausgewachsen. Hat es geschafft, den Großen und Reichen von Hamburg über Köln bis München zu zeigen, dass man auch als vermeintlich Kleiner sportlich sehr erfolgreich sein kann. Daran habe ich mich schon als Kind, vor allem aber als Jugendlicher immer wieder hochgezogen, wenn mir mal wieder Schule oder Behörden oder wer auch immer Steine in den Weg gelegt hat. Ich würde mir sehr wünschen, dass solche Zeiten zumindest ansatzweise zurückkehren, weil ich genau weiß, dass dann junge Menschen mit meiner sozialen Herkunft dann im FCK ein ebensolches Vorbild erkennen und vielleicht den Weg in ein besseres Leben finden können.

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