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·20. Mai 2026

Damals in Hoffenheim

Artikelbild:Damals in Hoffenheim

Ein Kommentar über Julian Nagelsmanns Wandel seit seinen TSG-Anfängen, sein ZDF-Sportstudio-Auftritt und die Personalie Manuel Neuer vor der WM.

Das letzte Spiel der TSG Hoffenheim vor dem Amtsantritt von Julian Nagelsmann habe ich live im Sinsheimer Stadion miterlebt. Am 7. Februar 2017 gab es ein 0:2 gegen Darmstadt in einer Partie, in der sich die TSG toter als tot präsentierte. Trainer Huub Stevens wäre wohl auch nach dem Spiel um ein Haar gestorben, wenn sie ihn nicht sehr zügig ins Spital gefahren hätten. Zwar war direkt nach der geradezu skandalös schlechten Leistung des Teams offiziell nirgends von einem Trainerwechsel die Rede – aber im Stadion ließ sich zum Beispiel ein Dirk Schuster sehen, Hyäne Hilfsbegriff.


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Und dann betrat der heutige Bundestrainer die Bühne. Keine 30, damals schon von einer Forschheit, die viele, auch Kollegen, par tout nicht ausstehen konnten – aber wie sich diese multimorbide Hoffenheimer Sieche von einem Spiel zum anderen in ein erfrischendes Fußballabenteuer verwandelte, das war schon sehr beeindruckend. Und dafür war allein Julian Nagelsmann verantwortlich. Auch seine Art, über Fußball zu reden, war ganz anders, war geradezu wohltuend in einer Branche, wo Sätze fast ausschließlich mit Phrasen aus dem ganz kleinen Basis-Phrasenbaukasten bestritten wurden. Und folgerichtig konnte die bislang tote Truppe locker die Klasse halten und in der kommenden Saison dann richtig angreifen.

Doof seit wann?

Wann Julian Nagelsmann, den viele ja schon immer doof fanden, dann auch als Trainer richtig doof geworden ist, darüber kann ich keine verbindliche Aussage treffen. Glaube aber, es war irgendwann beim FC Bayern, als sich die eigentlich immer noch wohltuende Frische in unsympathische Bockigkeit verwandelte. Vom „Alle für Julian“ zum „Julian gegen alle“. Und sicher haben es – zu allem anderen - auch einige Spieler ziemlich seltsam gefunden, dass ihr Coach plötzlich mit der FC Bayern-Reporterin der Bildzeitung zusammen war.

Heute schließlich gibt unser Bundestrainer nach außen ein Bild ab, das übler kaum sein könnte. Dass alle diejenigen bestätigt, die ihn schon immer total doof fanden. Gipfel bisher: der Auftritt im ZDF-Sportstudio vergangenen Samstag.

Das ehrlose Rumgeeiere um die Nominierung insgesamt und Manuel Neuer speziell, das ist ja kaum auszuhalten. Was sollen die Spieler denken, die mit einem solchen Typen zur WM fahren? Warum kann der Bundestrainer nicht sagen: Sorry, das bringt nix diesen Samstag, ist zwar doof, geht aber nicht anders. Ich komme eine Woche später, dann können wir über die Nominierung reden. Da hätte die Redaktion doch hundertpro mitgezogen. Kann er denn eine Woche später nicht, will er da mit seiner Frau in die Berge?

Doof wer noch?

Nicht minder doof finde ich übrigens das Gebaren des Manuel Neuer. Natürlich bist Du als Fußballprofi immer schon krankhaft ehrgeizig, das muss so sein. Aber mit 40, als "elder statesman" und vielleicht immer noch weltbester Torwart, als Weltmeister etcpp – warum bist Du da nicht in der Lage, Deine x mal getroffene Aussage einzuhalten? „Ich hab das schon seit zwei Jahren immer wieder gesagt, meine Karriere in der Nationalmannschaft ist beendet und basta“, warum geht das nicht? Zumal das doch auch die Mitspieler nicht gut finden können…

Der Bürokollege, Freund und Kupferstecher hat zwar ausgerechnet, dass wir uns, Überstehen der Gruppenphase vorausgesetzt, sowohl gegen Frankreich (wenn die sich wieder, wie so oft, total in den Haaren liegen) wie auch gegen Brasilien (immer noch Hosen voll wegen 7:1, nicht in bester Verfassung zumal, Neymar-Problem etc.) durchsetzen könnten, und dann ist der Weg vergleichsweise frei bis ins Finale – aber hey, eher taucht der todessehnsüchtige Timmy demnächst quietschvergnügt vor irgendeiner arktischen Küste auf, als das wir mit unserer Truppe ein gutes Turnier spielen. Und mit diesem Trainer.

Maxi Mittelstädt hätte ich übrigens auch ohne VfB-Brille unbedingt mitgenommen. Aber was weiß ich schon…

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