feverpitch.de
·28. August 2026
Daniel Thioune in Bremen: Kein Trainer ist mehr gefährdet

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·28. August 2026

Er übernahm im Februar eine Mannschaft auf Platz 17 und führt nun laut Bundesliga-Barometer die Rauswurf-Liste an. Das sagt mehr über seinen Klub SV Werder als über ihn.
Als die vergangene Saison vorbei war, hat Daniel Thioune für sich reklamiert, was ein Trainer nach einem geschafften Klassenerhalt reklamieren darf. „Auftrag erfüllt“, sagte er in der Medienrunde. Und dann kam der Satz, auf den es ihm wirklich ankam: „Ich glaube, dass ich mir die Berechtigung und vielleicht auch die Chance erarbeitet habe, viel zu verändern.“ Berechtigung und Chance sind zweierlei. Die eine hat er sich erarbeitet, die andere liegt bei anderen.
Diese Woche haben 6.529 Fußballfans im Bundesliga-Barometer, der repräsentativen Online-Befragung von Professor Alfons Madeja, die neue Saison durchgetippt. 31,5 Prozent von ihnen erwarten den ersten Trainerwechsel der Spielzeit bei Werder Bremen. Kein Klub wird häufiger genannt, Borussia Mönchengladbach folgt mit 31,2 Prozent, der 1. FC Köln mit 30,7. Bei der Frage nach den Enttäuschungen steht Werder mit 34,6 Prozent ebenfalls oben.
Ein Verein, der in einer einzigen Spielzeit zwei Trainer verbraucht hat, ist ein naheliegender Tipp für den nächsten Rauswurf; dafür muss einem niemand etwas erklären. Der Tipp trifft dann aber den Mann, der im Februar die Scherben aufgekehrt hat. Daniel Thioune ist nach sechs Monaten schon abgeschrieben.
Am 1. Februar stellte Werder Horst Steffen frei, nach zehn Bundesligaspielen ohne Sieg und vier Siegen in 20 Partien. Drei Tage später übernahm Thioune eine Mannschaft, die Ende Februar auf Platz 17 stand, und brachte sie auf Platz 15. Gerettet war sie am 33. Spieltag, und den Ausschlag gaben die Niederlagen von St. Pauli und Wolfsburg.
In der Abschlusstabelle, die dieselben 6.529 Befragten getippt haben, steht Werder auf Platz 17. Das ist der einzige echte Eingriff in dieser Prognose. Zehn der 15 Klubs, die vorige Saison schon erstklassig waren, landen exakt dort, wo sie im Mai standen; vier weitere tauschen paarweise einen einzigen Rang. Bewegt wird allein Werder Bremen.
Die Zweifel haben ihr Material. 18 Niederlagen in 34 Spielen, 37 eigene Tore, ein Torverhältnis von minus 23 — das schlechteste aller Klubs, die oberhalb der Abstiegsränge geblieben sind. Thioune selbst hat im Mai gesagt, der Kader brauche „mehr als nur drei, vier Veränderungen“. Das Startprogramm nimmt darauf keine Rücksicht: erst auswärts beim SC Freiburg, dann zu Hause gegen RB Leipzig.
Diese Zahlenreihe beschreibt allerdings die Lage eines Klubs. Über die Arbeit eines Trainers, der im Februar dazukam, sagt sie wenig. Ole Werner hat Werder von November 2021 bis Mai 2025 trainiert und ist danach zu RB Leipzig gegangen. Seither haben in Bremen zwei Männer auf der Bank gesessen. Wer dort den nächsten Wechsel erwartet, liegt nach dieser Serie gar nicht falsch — nur trägt ausgerechnet Thioune am wenigsten dazu bei.
Sein Vorgänger ist der Beleg. Horst Steffen kam Ende Mai 2025 von der SV Elversberg, wo er sechseinhalb Jahre und 257 Spiele lang gearbeitet und den Klub aus der Regionalliga in die 2. Bundesliga geführt hatte. Werder gab ihm einen Vertrag bis 2028 und stellte ihn nach acht Monaten frei. In Elversberg hat sein Nachfolger Vincent Wagner den Klub im ersten Jahr in die Bundesliga gebracht.
An diesem Wochenende beginnt in Freiburg die Saison, an deren Ende laut dieser Umfrage der Abstieg steht. Die 31,5 Prozent sagen wenig über Thiounes Arbeit und viel über seinen Arbeitgeber. Wer sie widerlegen will, muss das in der Bremer Geschäftsstelle tun, nicht an Thiounes Seitenlinie.







































