Get German Football News
·23. August 2026
Bundesliga 2026/27: Taktik-Vorschau zu Werder Bremen

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·23. August 2026

Unsere Get German Football News-Serie mit taktischen Vorschauen zur Bundesliga 2026/27 setzt ihre Reise mit einem Abstecher an den Osterdeich fort. Nachdem wir bereits die Offseason eines hanseatischen Stadtstaat-Klubs behandelt haben, ist es an der Zeit, bei den Nordderby-Rivalen des HSV vorbeizuschauen. Zum Glück befindet sich Werder Bremen derzeit in deutlich besserer Verfassung als bei unserer Einschätzung ihrer Lage im vergangenen Jahr. Tatsächlich fühlt sich der ganze Verein anders an als der chaotische und sture Haufen, der nicht einmal seine Leihspielerquote im Blick behalten kann und sich regelmäßig weigert, wichtige Entscheidungen zu treffen. Vielleicht ist Clemens Fritz’ Rücken inzwischen müde davon, ständig zur Wand zu stehen. Wir betreten Neuland. Weitgehend dieselben Verantwortlichen besitzen plötzlich Überzeugungskraft und Autorität. Der Autor weiß nicht genau, was ihn erwartet.
Dieser Hanseatenklub wirkt trotz seiner Größe und seiner großen Anhängerschaft irgendwie immer pleite. Deshalb bringt jedes Sommer-Transferfenster mindestens eine Verpflichtung mit sich (Naby Keïta oder Victor Boniface sind nur zwei Beispiele), die zunächst wie ein Schnäppchen aussieht, bis man feststellt, dass von Anfang an irgendetwas grundsätzlich nicht stimmte. Oder aber der Großteil des Sommer-Transferbudgets wird für einen mittelmäßigen Spieler wie Samuel Mbangula verpulvert, während sonst nichts funktioniert. Offen gesagt wissen wir nicht so recht, was die diesjährige Variante eines prominenten Neuzugangs liefern wird. Niclas Füllkrug hat großzügig akzeptiert, in Emotionen und Leidenschaft entlohnt zu werden. Wie nett von ihm. Es wird interessant zu sehen sein, ob Werder erneut einen trockenen Brunnen anbohrt.
Zumindest Kapitän Marco Friedl dürfte auf alles vorbereitet sein, was als Nächstes kommt. Der Österreicher fungiert seit mehreren Jahren als vereinseigenes Notfallwarnsystem von Werder. Nach einem weiteren miserablen Sommer und dem frühen Pokal-Aus fasste der Kapitän die Lage im vergangenen Jahr recht effizient zusammen, indem er erklärte, Werder stecke „tief in der Scheiße“. Im darauffolgenden Februar, als Daniel Thioune gerade übernommen hatte und Bremen auf den Relegationsplatz abrutschte, ging Friedl bereits einen Schritt weiter und erklärte, seine Mannschaft sei „wieder da, wo wir hingehören“. So sieht Führung im Norden Deutschlands manchmal aus: Kapitänsbinde, Defensivorganisation und gelegentliche öffentliche Durchsagen über die exakte Tiefe des Misthaufens.
Diese Bundesliga-Saison könnte anders werden.
Und doch hat man weiter das Gefühl, dass es unerquicklich bleiben wird.
Bremens Sommer vereint große Verkäufe mit günstiger Rekrutierung, Nachwuchsförderung und einer spektakulär sentimentalen Leih-Rückkehr, während die Finanzen des Klubs dafür sorgen, dass ein gesunder Transferüberschuss keineswegs in etwas übergeht, das auch nur annähernd an einen Kaufrausch erinnert. Füllkrug mag für die emotionale Schlagzeile gesorgt haben, doch die Abgänge von Backhaus, Schmid und Coulibaly haben das Rückgrat der Mannschaft verändert. Der neue Kaderplaner Markus Pilawa könnte die wichtigste Sommer-Verstärkung sein. Auch wenn er in der sprichwörtlichen Hierarchie der Chefetage klar hinter Fritz, Peter Niemeyer und einigen anderen steht, könnte der frühere Scout von Bayern und Dortmund der Hauptgrund für das veränderte „Gefühl“ dieses Klubs sein.
Geschätzte Sommer-Transferbilanz = +33,4 Mio. Euro
Werders Sommer-Transferbilanz sieht deutlich gesünder aus als Werders Sommer-Transferbudget. Allein durch drei große Verkäufe kamen mehr als 40 Mio. Euro herein, doch die Eigenheiten der Vereinsfinanzen bedeuten, dass Clemens Fritz im August trotzdem nicht mit der Firmenkreditkarte durch Europa spaziert ist. Um einen Punkt zu wiederholen, den dieser Autor nie ganz verstanden hat: Dieser Klub ist einfach immer pleite. Einnahmequellen scheinen aus irgendeinem unbekannten Grund irrelevant zu bleiben. Es ist einfach immer so. Akzeptieren. Stattdessen hat Bremen den Kader über ablösefreie Transfers, moderate Gebühren, Nachwuchsförderung und schließlich eine wunderbar sentimentale Leihe umgebaut. Pilawa scheint Werder deutlich entschlossener gemacht zu haben, wenn es darum geht, Profile zu identifizieren, Preise festzulegen und im Zweifel weiterzuziehen.
Niclas Füllkrug sorgt für die größte Schlagzeile. Der 33-Jährige kehrt per einjähriger Leihe ohne Kaufoption von West Ham zurück, nachdem er eine deutliche Gehaltskürzung akzeptiert hatte, um den Deal zu ermöglichen. Werder hatte bereits den mit großer Vorfreude zurückkehrenden Bundesliga-Rückkehrer Cedric Itten ablösefrei verpflichtet, nachdem er bei Fortuna Düsseldorf eine Saison mit 15 Ligatoren gespielt hatte, während der 20-jährige Salim Musah das Trainingslager nutzte, um sich zu einer echten Option für die erste Mannschaft zu machen. Eren Dinkçis Leih-Rückkehr aus Freiburg für 400.000 Euro brachte dem Kader zumindest etwas dringend benötigtes Tempo. Auch das mögliche künftige Offensivtalent Kenny Quetant (19) kam ablösefrei.
Die grundsätzlicheren Veränderungen kamen anderswo. Mio Backhaus wechselte für 12 Mio. Euro nach Freiburg, nachdem er sich in der vergangenen Saison als Bremens Nummer eins etabliert hatte. Werder reagierte, indem man Karl Heins Wechsel von Arsenal für rund 3 Mio. Euro fest verpflichtete und anschließend den österreichischen Nationaltorhüter Alexander Schlager ablösefrei dazuholte. Romano Schmids Wechsel für 8,5 Mio. Euro zu Frosinone nimmt Werder einen seiner wichtigsten kreativen Spieler. Das ist tatsächlich ein gewaltiger Abgang, den Pilawa oder irgendjemand aus der Chefetage gerne hätte verhindern sollen. Leider scheint ein finanzstarker italienischer Klub dafür gesorgt zu haben, dass Werders österreichische Eiche anderswo mehr verdienen kann. Der neue spanische Neuzugang „Chuki“ (ablösefrei von Real Valladolid) hat im wörtlichen Sinne riesige Fußstapfen zu füllen.
Karim Coulibaly hat offiziell einen Wechsel für 20 Mio. Euro nach Straßburg abgeschlossen, wobei Werder sich zudem eine Weiterverkaufsbeteiligung von zehn Prozent gesichert hat. Der 19-Jährige geht nur zwei Jahre nach seiner Ankunft aus der Akademie des Hamburger SV und nach 27 Pflichtspielen für die erste Mannschaft. Zusammen mit Backhaus und Schmid treibt sein Abgang Bremens gemeldete Einnahmen allein aus diesen drei Spielern auf über 40 Mio. Euro. Genau hier wird Pilawas (vermuteter) Einfluss interessanter als jede glamouröse Neuverpflichtung jemals sein könnte. Werders Sommer drehte sich vor allem darum, aus einem begrenzten Budget Wert zu schöpfen, statt finanzielle Einschränkungen dadurch lösen zu wollen, dass man so tut, als gäbe es sie nicht.
Nicht jeder dieser Schritte wird funktionieren. Mit diesem speziellen Konzept sind Werder-Fans schmerzhaft vertraut. So oder so ist der Umbruch erheblich. Die Ausgaben sind es nicht. Bremen hat seinen Stammtorhüter, den wichtigsten kreativen Mittelfeldspieler und den wertvollsten jungen Verteidiger verkauft, während Top-Torschütze Stage theoretisch noch folgen könnte. Als Reaktion darauf haben sie über ablösefreie Transfers, Leihen, günstige Rekrutierung und interne Entwicklung einen tieferen Kader zusammengestellt, bevor sie Füllkrug nach Hause holten, um das Problem zu lösen, das am ehesten emotionale statt finanzielle Buchführung provozieren dürfte.
Werder eröffnete mit einem 6:2-Sieg gegen den Oberligisten FC Verden 04. Justin Njinmah und Jens Stage erzielten jeweils zwei Tore. Musah traf doppelt. Auch Paul Erevbenagie war erfolgreich. Das sollte ziemlich schnell relevant werden. Das erste Testspiel im Österreich-Trainingslager gegen Fagiano Okayama lieferte den ersten wirklich aufschlussreichen Blick auf Thiounes Mittelfeldideen. Werder begann in etwas, das einem 4-2-3-1 ähnelte, bevor Patrice Čović in die alleinige Sechserrolle zurückfiel, Stage vorrückte und Chuki neben ihn als zweiter Achter rückte. Das 4-2-3-1 war zu einem 4-3-3 geworden, ohne dass irgendjemand zur Seitenlinie laufen und jene Art von Papierkram erledigen musste, die in diesem Hanseatenklub sonst meist nötig ist, damit überhaupt etwas passiert.
Das war wichtig, weil Senne Lynen, der Spieler, der die Sechserposition dauerhaft besetzen soll, wegen Bauchproblemen praktisch das gesamte Trainingslager verpasste. Chuki ließ das Experiment trotzdem vielversprechend aussehen, traf von außerhalb des Strafraums und passte sich überraschend gut an die körperlichen Anforderungen des (wenn auch inoffiziellen) Fußballs außerhalb von Spaniens zweiter Liga an. Chuki erzielte beim 2:0-Sieg das erste Tor. Mbangula bereitete das zweite mit einem starken Freistoß vor. Bochum bot anschließend über zwei Halbzeiten à 60 Minuten einen ernsthafteren Test. Erevbenagie traf und Musah holte einen Elfmeter heraus und verwandelte ihn, als Werder dem 2:0 gegen Okayama einen weiteren 2:0-Sieg folgen ließ. Die defensive Stabilität blieb erhalten. In der Offensive war aber noch viel Arbeit nötig.
Diese Unterscheidung wurde gegen Energie Cottbus noch deutlicher. Weil mehrere etatmäßige Außenverteidiger- und Schienenoptionen fehlten, experimentierte Werder stark und produzierte phasenweise Fußball, der eher an Ausdruckstanz erinnerte. Karl Hein schenkte Cottbus mit einem riskanten Aufbaupass früh die Führung, bevor Stage Musah zum Ausgleich schickte. Musah bereitete dann auch Mbangulas 2:1 vor und vollendete damit seinen überzeugendsten Sommer-Auftritt. Werder wechselte zur Stunde die komplette Mannschaft und wurde deutlich weniger kohärent, doch Erevbenagie traf trotzdem erneut. Chuki besiegelte schließlich einen schmeichelhaften 4:2-Sieg. Nach vier Testspielen hatten sich Musah und Erevbenagie im Notizbuch des Autors bereits reichlich dunkle Filzstift-Tinte verdient.
SC Paderborn unterzog dann alle einem 4×35-Minuten-Test, der weniger wie ein Freundschaftsspiel klang als nach etwas, für das man einen Haftungsausschluss unterschreiben muss. Ein Teil davon wurde bereits im SCP-Abschnitt behandelt. Eine weitere lange Ausfallliste bedeutete, dass Thioune immer noch nichts aufbieten konnte, das seiner geplanten ersten Elf auch nur annähernd ähnelte, und Paderborn war über lange Strecken klar besser. Hein hielt Werder wiederholt im Spiel, bevor Marco Grüll auf links endlich eine gute Entscheidung traf und Njinmah das 1:0 auflegte. Erevbenagie vollendete später einen Konter zu seinem vierten Tor der Vorbereitung. Spätestens da war die Geschichte aus dem Nachwuchsbereich nicht mehr nur niedlich: Tor gegen Verden, Vorlage gegen Okayama, Tor gegen Bochum, Tor gegen Cottbus, Tor gegen Paderborn. Als ob es noch wichtig gewesen wäre, endete das Spiel 2:2.
Werders letzter Test gegen AJ Auxerre bot noch einmal einen taktischen Prüfstein. Thiounes nominelles 4-2-3-1 verteidigte als 4-4-2, mit Chuki neben Cedric Itten in der ersten Pressinglinie. Olivier Deman schob aus dem linken Außenverteidigerraum im Ballbesitz aggressiv nach vorne, und Samuel Mbangula wechselte zwischen Breite halten und Einrücken. Diese Kombination funktionierte zeitweise gut und erlaubte es Mbangula, deutlich natürlicher als offensiver Flügelspieler zu agieren.
Die Probleme traten nach Ballverlusten auf. Thioune beklagte hinterher, dass Werder beim Verteidigen in Umschaltsituationen der nötige Wille gefehlt habe, und Auxerres Siegtreffer veranschaulichte das Problem. Marco Friedl rückte aus der Abwehrkette heraus, die Abstände um ihn herum öffneten sich, und Arthur Piedfort nutzte den entstandenen Raum zum Tor. Die 0:1-Niederlage beendete die Vorbereitung also mit einem weiteren nützlichen Blick auf die Möglichkeiten und Risiken in Thiounes zunehmend aggressiver Ballbesitzstruktur.
Wenige Neuzugänge profitierten mehr davon, früh tatsächlich auf dem Platz zu stehen. Chuki kam aus Spaniens zweiter Liga mit berechtigten Fragen hinsichtlich der körperlichen Anpassung und verbrachte den Juli damit, die meisten davon erheblich schneller zu beantworten als erwartet. Gegen Okayama bewegte er sich zwischen der Zehnerrolle und der vorgeschobenen Achterposition, bevor er sehenswert aus der Distanz traf. Danach kamen Standardsituationen hinzu. Ebenso immer komplexere taktische Aufgaben. Bei der Generalprobe gegen Auxerre verlangte Thioune von ihm bereits, im Ballbesitz als offensiver Mittelfeldspieler zu agieren und gegen den Ball die erste Pressinglinie neben dem Stürmer zu bilden.
Romano Schmids anschließender Abgang macht diese gelungene Anpassung deutlich wichtiger. Werder will weiterhin einen weiteren kreativen Mittelfeldspieler und sollte nicht so tun, als ersetze ein ablösefreier Transfer aus Valladolid automatisch einen der einflussreichsten Offensivspieler. Chuki hat dennoch gezeigt, dass er nicht erst ein halbes Jahr lang behutsam aufgebaut werden muss. Er kann als Achter, als Zehner und als Teil der ersten Pressinglinie spielen, während sein linker Fuß aus dem Spiel heraus wie bei ruhenden Bällen bereits etwas Besonderes mitbringt. Es gibt im Fußball kaum gefährlichere Substanzen als einen technisch begabten Neuzugang, der in der Vorbereitung aus 20 Metern trifft. Ausnahmsweise darf Bremen hier vielleicht einen kleinen Schluck nehmen.
Der teure Neuzugang des vergangenen Sommers ging in diesen Sommer mit einem Bedarf, der eher nach Rehabilitation klang. Werder hatte rund 10 Mio. Euro für Samuel Mbangula ausgegeben, bevor der Flügelspieler eine enttäuschende erste Bundesliga-Saison spielte, in der er gelegentlich als Schienenspieler aushelfen musste, was weder dem Spieler noch dem Klub sonderlich half. Thiounes angestrebter Neustart hat zumindest den korrekten Ausgangspunkt wiederhergestellt: Mbangula ist wieder ein Offensivspieler. Der Test gegen Auxerre zeigte am deutlichsten, warum das wichtig ist.
Olivier Deman schob aggressiv an ihm vorbei nach vorne, während Mbangula zwischen Breite halten und Einrücken wechselte, wodurch auf derselben Seite unterschiedliche Raumaufteilungen entstanden, statt dass einfach zwei Spieler ineinander hineinliefen. Wenn Deman außen ging, konnte Mbangula einrücken. Wenn Mbangula breit blieb, konnte Deman außen oder innen an ihm vorbeistoßen. Es gab auch defensive Aufgaben, wenn der Außenverteidiger ungefähr in eine andere Postleitzahl wanderte, aber selbst das ergab deutlich mehr Sinn, als Mbangula selbst als nominellen Verteidiger zu behandeln.
Werder hat den Sommer damit verbracht, die Stürmerposition neu aufzubauen, und der 20-Jährige hat weiterhin einen legitimen Anspruch auf einen Startplatz. Musah war an Bremens ersten drei Toren gegen Verden beteiligt, gehörte in Österreich zu den besseren Spielern, holte und verwandelte gegen Bochum einen Elfmeter und lieferte dann gegen Cottbus ein Tor plus Vorlage. Selbst nachdem eine Krankheit die spätere Phase der Vorbereitung unterbrochen hatte, kehrte er gegen Auxerre zurück und strahlte zweimal Gefahr aus. Der 1,98 Meter große Stürmer ist nicht besonders schnell, aber er kann schwierige Bälle sichern, Innenverteidiger binden und körperlichen Ballbesitz in etwas Nützliches verwandeln, statt einfach nur sehr groß herumzustehen. Füllkrugs Ankunft macht den Weg natürlich enger, doch Musah verlässt das Trainingslager trotzdem mit der Gewissheit, dass die Frage, ob er in die erste Mannschaft gehört, keine Frage mehr ist.
Gewöhnt euch besser an diesen Namen! Es gibt produktive Vorbereitungen, und dann gibt es Versuche, die eigene Einstufung als Nachwuchsspieler weiterhin leicht absurd aussehen zu lassen. Paul Erevbenagie begann den Sommer als 18-Jähriger, der aus Werder II hochkam, und beendete ihn, indem er sich mit Nachdruck in Daniel Thiounes Überlegungen für die erste Mannschaft spielte. Die Qualität der Gegner stieg. Die Ausfälle im Profibereich verschwanden nach und nach. Erevbenagie machte trotzdem weiter. Thioune war bei den raueren Kanten völlig zu Recht vorsichtig. Erevbenagies Entscheidungsfindung ist noch die eines 18-Jährigen, und es wird zwangsläufig Momente geben, in denen die richtige Profi-Option erst einige Sekunden auftaucht, nachdem er sich schon für die unterhaltsamere entschieden hat. Trotzdem ging er als interessanter Werder-II-Spieler ins Trainingslager und verlässt es als Profi, für den Thioune möglicherweise tatsächlich Bundesliga-Minuten finden muss.
Demans Wiederauferstehung ist womöglich die leiseste bedeutende Hierarchieverschiebung dieses Sommers. Verletzungen und schwankende Form hatten den Belgier zuvor an den Rand von Bremens Planungen gedrängt. Statt ins Trainingslager zu kommen und darauf zu warten, dass der Klub seinen Ersatz verpflichtet, entwickelte er sich zum aktuellen Favoriten auf links und wurde nach und nach zu einem der wichtigsten Bausteine in Thiounes entstehender Ballbesitzstruktur. Der Test gegen Auxerre zeigte das am deutlichsten. Deman hinterlief Mbangula nicht bloß. Er schob so hoch, dass sich Bremens Aufbaustruktur hinter ihm veränderte, drei Spieler in der Konstruktion blieben und auf links unterschiedliche Höhen und Winkel entstanden.
Diese Aggressivität birgt natürlich Risiken, besonders wenn der Ball verloren geht und Bremen plötzlich den Raum verteidigen muss, den Deman verlassen hat. Thioune wird brauchen, dass die Abstände und das Gegenpressing hinter ihm deutlich besser funktionieren, als es im Trainingslager gelegentlich der Fall war. Der Punkt mit der Hierarchie bleibt dennoch bemerkenswert. Bremen begann den Sommer mit der Frage, ob ein weiterer Außenverteidiger absolute Notwendigkeit sei. Demans Leistungen halfen dabei, diese Dringlichkeit zu reduzieren. Für einen Spieler, dessen Zukunft in Bremen einmal deutlich unsicherer wirkte, ist der Weg vom potenziellen Überhang zur taktischen Mechanik ein ziemlich überzeugender Sieg im Trainingslager.
Wenn die Rückkehr zur Arbeit unter einem Trainer, der einen bereits kennt, nach dem Anfang einer Erlösungsgeschichte klingt, dann scheint Dawid Kownacki das nächste Kapitel leider verlegt zu haben. Thioune war durchaus bereit, den Polen in Training und Vorbereitung zu integrieren, doch nichts, was im Sommer geschah, veränderte Bremens grundsätzliche Einschätzung seiner Zukunft wesentlich. Der Stürmer kam von Hertha zurück und musste sich wieder in die Planungen drängen. Der Autor hält seine erzählerisch geprägte Transfergeschichte vom vergangenen Sommer weiterhin griffbereit.
Das ist wirklich ein Kapitel, das geschlossen werden muss! Skelly Alvero kehrte aus Amiens mit im Grunde derselben Aufgabe wie Kownacki zurück: einen neuen Trainer davon zu überzeugen, dass irgendwo im Kader noch eine sinnvolle Werder-Rolle für ihn existiert. Das gelang ihm nicht. Chuki zeigte sofort, dass er mehrere vorgeschobene Rollen ausfüllen kann. Dariusz Stalmach bekam experimentelle Minuten als tiefster Mittelfeldspieler. Ludovit Reis wurde verpflichtet, um die Konkurrenz im Zentrum zu erhöhen. Senne Lynen bleibt der vorgesehene Sechser, sobald er wieder fit ist. Frühere Transferbogen-Geschichten liegen erneut auf dem Bereitschaftsstapel.
Darüber ist der Autor besonders unzufrieden. Grüll ist einfach ein schwieriger Fall, besonders jetzt, da sein Freund Marvin Ducksch längst weg ist und auch sein österreichischer Landsmann Schmid gegangen ist. Das Trainingslager bot ihm eine besonders einladende Gelegenheit, sich Offensivminuten zu sichern, und stattdessen folgte eine Reihe schlechter Entscheidungen und sichtbar angeschlagenen Selbstvertrauens. Es gab Phasen, in denen Grüll mit einer solchen Regelmäßigkeit die falsche Option wählte, dass man sich fragte, ob er irgendeine Form experimenteller Forschung betreibe.
Seine Reaktion verdient Anerkennung. Gegen Paderborn setzte sich Grüll links endlich gegen seinen Gegenspieler durch und bereitete Njinmahs Führungstor vor. Das bewahrte den Sommer davor, in einen völligen Einbruch umzuschlagen, und brachte ihn näher an neutrales Terrain. Das änderte jedoch nichts am größeren Hierarchieproblem. Mbangula wirkt links zunehmend gesetzt, Erevbenagie hat mehrere Türen eingetreten, und Dinkçi bringt eine weitere schnelle Offensivoption mit. Grüll ging mit einer zu gewinnenden Position ins Trainingslager und verlässt es, ohne sie gewonnen zu haben.
Die ersten Pflichtspiel-Eindrücke bestätigten ziemlich sauber, dass Thiounes Sommer-Schaubilder nicht bloß dekorativ waren. Gegen den Lüneburger SK Hansa begann Bremen aus jener Ein-Sechser-Struktur heraus, die man in weiten Teilen der Vorbereitung zu etablieren versucht hatte. Der Autor ließ sich für diese ungleiche Partie nieder und hoffte aufrichtig, dass sie nicht so grotesk einseitig werden würde wie Frankfurts Pokalspiel in Runde eins. Nach 45 Minuten wirklich langweiligen Fußballs wünschte er sich dann allerdings, genau das wäre der Fall gewesen. Deutsche TV-Kommentatoren mussten erneut auf ihre „Ersatzbank“ an Geschichten zurückgreifen. Die Tatsache, dass die Gastgeber das Millerntor-Stadion für dieses besondere Duell gemietet hatten, dürfte ungefähr 2.352 Mal erwähnt worden sein.
Wie sah die taktische Ausgangslage aus? Ein recht klar erkennbarer 4-3-3-/4-1-4-1-Hybrid beinhaltete mehrere Spieler, die man im Trainingslager nicht wirklich scouten konnte. Füllkrug und Reis rückten sofort in die Startelf. Senne Lynen kehrte nach seinen Bauchproblemen zurück und besetzte die tiefste Sechserposition im Mittelfeld. Samuel Mbangula und Justin Njinmah gaben um Füllkrug herum die Breite. Deman behielt seine Startrolle als linker Außenverteidiger. Amos Pieper ersetzte den abgewanderten Coulibaly in der Innenverteidigung. Da Mitchell Weiser, Felix Agu und Oskar Wójcik weiterhin fehlten, half der 18-jährige Mick Schmetgens erneut hinten rechts aus. Das einzige Tor der ersten Halbzeit fiel nach einer Standardsituation.
Aufstellung–SVW (DFB-Pokal)

Lüneburg zog sich extrem tief zurück. Werder monopolisierte den Ball, und das gesamte Spiel schob sich nach und nach in Richtung eines Strafraums zusammen. Das wichtige Detail war, wie Thioune diesen Ballbesitz anordnete. Lynen blieb der alleinige Sechser, Reis und Stage arbeiteten vor ihm als zwei Achter, und Mbangula sowie Njinmah streckten das Feld um Füllkrug herum. Lynen agierte recht tief, während Stage wiederholt höhere Räume attackierte, statt sich wie ein konventioneller zentraler Mittelfeldspieler zu verhalten. Reis suchte Kombinationen näher an der letzten Linie. Das Muster war binnen Sekunden erkennbar, als Stage von rechts flankte und Reis aus 13 Metern über das Tor schoss.
Das 1:0 erinnerte daran, wie unterschiedlich das Einstudieren von Standardsituationen auf diesen Fußballniveaus ist. Deman brachte in der 11. Minute eine Ecke von links herein, und Stage köpfte aus sieben Metern ein. Mbangula half beinahe sofort beim nächsten Treffer, indem er erst Füllkrug nach einer Ecke von der anderen Seite fand und dann Lüneburgs Torhüter Exner selbst per Freistoß prüfte. Werder blieb dominant, ohne jemals mit besonders hektischem Tempo zu spielen. Füllkrug wirkte bereits wohl als zentraler Referenzpunkt, ließ sich fallen und legte eine Schmetgens-Flanke auf Stage zurück, woraus eine weitere Chance entstand. Kurz vor der Pause kombinierte Reis sehenswert mit Njinmah zu einem Abschluss. Deman setzte seine aggressive Sommerrolle als linker Außenverteidiger ebenfalls fort und zwang kurz vor dem Halbzeitpfiff mit einem Vorstoß an die Strafraumkante zu einer Parade.
Das ermutigendere Defensivdetail betraf das, was immer dann geschah, wenn Bremen den Ball verlor. Thioune hatte nach dem Test gegen Auxerre mangelnde Aggressivität im Umschalten bemängelt; hier verhinderte das Gegenpressing wiederholt, dass Lüneburg überhaupt zu irgendeiner Form sinnvoller Entlastung kam. Das 1:0 zur Pause unterschätzte Bremens territoriale Kontrolle daher eher, als dass es irgendeine echte Gefahr des Außenseiters widerspiegelte. Was es allerdings offenbarte, war ein vertrautes Problem am anderen Ende: viel Ballbesitz, mehrere vielversprechende Positionen und nur ein Tor als Ausbeute. Thioune nutzte die Halbzeit daher nicht, um die Struktur aufzugeben, sondern um zwei der darin agierenden Spieler zu wechseln.
Aufstellung–SVW (46. Minute)

Die Halbzeitwechsel veränderten eher das Personal als die Grundidee. Lyenens Auswechslung war geplant gewesen, nachdem der Sechser den Großteil der Vorbereitung verpasst hatte, während Mbangulas Nachmittag nach einer schwachen ersten Halbzeit endete. Chuki ersetzte Lynen, und Erevbenagie übernahm für Mbangula. Reis wurde dadurch zum tiefsten Spieler des Mittelfeld-Dreiecks, interpretierte die Rolle aber deutlich aggressiver als Lynen zuvor. Statt dauerhaft vor den Innenverteidigern stationiert zu bleiben, schob der Neuzugang bei Ballbesitz weiter nach vorne, wenn sich die Gelegenheit bot. Chuki übernahm die vorgeschobene Achterarbeit, die Reis vor der Pause gemacht hatte. Stage behielt seine offensive Freiheit auf der anderen Seite. Das Ein-Sechser-Konzept blieb also bestehen, doch die Abstände wurden etwas weniger starr.
Die Wirkung war sofort da. Chuki tauchte in jenen Räumen auf, die Werder vor der Pause nicht konsequent genug hatte bespielen können, und sah in der 51. Minute einen Versuch knapp abgefälscht vorbeigehen. Sekunden später zog Stage zur Grundlinie und holte das Foul heraus, das Füllkrug erlaubte, seine Rückkehr mit einem souverän verwandelten Elfmeter zu markieren. Erevbenagies Einwechslung war statistisch weniger spektakulär, hierarchisch aber bedeutsam. Das Talent, das wir weiter oben ausgiebig bewundert haben, bekam nun eine komplette Pflichtspiel-Halbzeit, als Thioune mehr offensiven Schwung wollte.
Füllkrug machte nach einer Stunde in einem simplen Wechsel des Referenzstürmers Platz für Itten, doch Bremen erspielte sich weiter mehr, als Lüneburg müder wurde. Njinmah hätte beinahe das dritte Tor erzielt, nachdem er den Ball über Exner gehoben hatte, doch Muhlack klärte auf der Linie. Chuki blieb stark eingebunden und kam um die 72. und 73. Minute gleich zweimal in Abschlusspositionen. Itten besetzte zunehmend den Strafraum. Ein Chuki-Schuss traf sogar den Kopf des Schweizer Stürmers und flog knapp drüber. Das dritte Tor erzielte schließlich Reis. Pieper fand ihn in der 76. Minute außerhalb des Strafraums, Reis schob aus seiner tieferen Ausgangsposition an und jagte einen leicht abgefälschten Linksschuss unter die Latte.
Das Tor veranschaulichte ziemlich sauber, wie er die Rolle in der zweiten Halbzeit interpretiert hatte: nominell dafür zuständig, Lynen unterhalb der anderen Mittelfeldspieler zu ersetzen, aber keineswegs an die Basis der Struktur gekettet. Thioune rotierte danach weiter in den Offensivpositionen. Marco Grüll ersetzte Njinmah, Musah bekam die letzten Minuten anstelle von Stage. Itten wurde zweimal per Kopf gefährlich, darunter einmal an die Latte nach einer weiteren Deman-Flanke. Auch Musah zog sofort in den Schussbereich und verfehlte aus 15 Metern nur knapp.
Gegen Lüneburg verhinderte Bremens Gegenpressing weitgehend, dass der Gegner überhaupt Umschaltsituationen entwickeln konnte. Das Niveau des Gegners verbietet es uns, die im Auxerre-Spiel sichtbaren Probleme für gelöst zu erklären. Die Verhaltensreaktion war trotzdem offensichtlich. Aufschlussreicher war, wie problemlos Bremen das Personal verändern konnte, ohne die Struktur aufzugeben. Lynen begann als orthodoxer Sechser. Dann übernahm Reis die tiefere Verantwortung, ohne ganz auf Vorstöße zu verzichten, Chuki rückte in die vorgeschobene Mittelfeldlinie, und Erevbenagie ersetzte Mbangula direkt auf dem Flügel. Füllkrug wich Itten, ohne dass ein weiteres systemisches Umschreiben nötig gewesen wäre. Thiounes Arbeit in der Vorbereitung scheint also tatsächlich etwas wirklich Nützliches hervorgebracht zu haben.
Bitte beachtet die vorsichtige Formulierung. „Etwas wirklich Nützliches.“ Rund um die Weser sollte jetzt niemand irrational werden. Bremen hat genug Sommer damit verbracht, festzustellen, dass der verdächtig günstige Gegenstand vom Flohmarkt der Transferbörse entweder mehrere wichtige Teile vermissen lässt oder ab Mitte September Öl verliert. Reis ist allerdings vor ungefähr fünf Minuten angekommen und sieht schon jetzt so aus, als könne er mehrere Mittelfeldrollen ausfüllen. Chuki kann sich mit gewisser kreativer Freiheit bewegen. Erevbenagie hat offenbar beschlossen, dass die Tiefenstaffelung nur als grober Vorschlag zu verstehen ist. Füllkrug ist zurückgekehrt, hat sofort getroffen und scheint in Ordnung damit zu sein, ein „Minijobber“-Gehalt zu kassieren.
Im Moment jedenfalls scheint der trockene Brunnen Wasser zu führen.
Andererseits war das Lüneburger SK Hansa. Bundesliga-Gegner werden deutlich weniger kooperativ dabei sein, Reis nach vorne spazieren zu lassen, Deman in ferne Postleitzahlen entschwinden zu lassen und Bremens Gegenpressing jeden Fehlpass wieder einsammeln zu lassen, bevor etwas Unangenehmes passiert. Freiburg sollte ein deutlich aussagekräftigerer Test dafür werden, ob Thiounes neue Struktur wirklich funktioniert, wenn jemand dagegenhält. Bis dahin rät der Autor davon ab, schon jetzt zu verkünden, Werder habe uns endlich Grund gegeben zu glauben, dass man im Abstiegskampf keine Rolle spielen wird.
Marco Friedls Notfallwarnsystem sollte eingeschaltet bleiben.
Dieser Artikel wurde mithilfe künstlicher Intelligenz ins Deutsche übersetzt. Die Originalversion auf 🏴 kannst du hier lesen.












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