FC Bayern München
·6. Juli 2026
Dante: „Pep hat gesagt, ich habe das Profil für einen Trainer“

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·6. Juli 2026

Vom Triple-Sieger zum Nachwuchscoach: Dante ist zurück beim FC Bayern - diesmal an der Seitenlinie. Nach einer langen Profi-Karriere und intensiver Zeit in Nizza begibt sich der Brasilianer ohne Pause in seine neue Aufgabe als Cheftrainer der Amateure. Im Interview mit fcbayern.com spricht der 42-Jährige über seinen frühen Traum, Trainer zu werden, die Jahre, in denen er neben dem Profialltag akribisch Lizenzen und Weiterbildungen gesammelt hat, und warum für ihn Professionalität und Menschlichkeit untrennbar zusammengehören. Außerdem erklärt Dante, wie er jungen Spielern Verantwortung und Freiheit gibt, welche Rolle Einzelgespräche im Trainingslager für ihn spielen - und warum München sich für ihn immer noch wie Zuhause anfühlt.
Dante, du hast mit Nizza erst noch das Pokalfinale und die Relegation erlebt, dann ging es fast ohne Pause direkt nach München. Viele hätten sich nach einer so langen Karriere erst einmal eine Auszeit genommen. Warum war für dich klar, dass du sofort als Trainer weitermachen möchtest? „Ich habe mich einfach riesig über diese Chance gefreut. Bayern ist ein besonderer Verein für mich und München fühlt sich wie eine zweite Heimat an. Ich wollte immer wieder nach Deutschland zurückkommen. Die Bundesliga hat mir schon immer gefallen. Auch damals, als ich als Spieler nach Europa gekommen bin, war Deutschland für mich ein großes Ziel. Viele brasilianische Spieler wie Rafinha, Elber, Ailton oder Lincoln haben damals in der Bundesliga gespielt. Als dann die Möglichkeit kam, bei den Bayern-Amateuren einzusteigen, musste ich nicht lange überlegen. Natürlich hätte ich nach meiner Karriere auch eine Pause machen können. Aber diese Chance bei diesem Verein und die Möglichkeit, mit jungen Spielern zu arbeiten, war einfach zu besonders. Dafür bin ich sehr dankbar.“
Wann ist in dir erstmals der Wunsch entstanden, Trainer zu werden? „Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Das war im Februar 2011 unter Lucien Favre bei Borussia Mönchengladbach. Er hat mir den Fußball noch einmal auf eine ganz andere Art erklärt. Ich wollte plötzlich viel mehr verstehen – warum wir bestimmte Dinge machen, warum wir so trainieren und wie ich seine Ideen auf dem Platz an meine Mitspieler weitergeben kann. Damals habe ich sofort gedacht: Du musst irgendwann Trainer werden. Ich habe später bei Bayern auch mit Pep Guardiola darüber gesprochen. Er hat mich motiviert und gesagt, dass ich das Profil dafür habe. Natürlich wollte ich damals meine Karriere als Spieler noch genießen, aber dieser Gedanke an eine Trainerlaufbahn war immer da.“
Du hast neben deiner Spielerkarriere jahrelang deine Trainerlizenzen gemacht. Jetzt bist du Cheftrainer. Fühlt es sich so an, wie du es dir vorgestellt hast? „Ja, tatsächlich schon. Natürlich ist es eine andere Belastung. Als Spieler bist du vielleicht vier oder fünf Stunden am Trainingsgelände. Als Trainer können daraus sogar zwölf Stunden werden. Aber genau darauf habe ich mich vorbereitet. Seit sieben Jahren habe ich jede freie Minute genutzt, um meine Trainerlizenzen zu machen. In jedem Urlaub musste ich Entscheidungen treffen: Genieße ich die freie Zeit oder investiere ich sie in meine Ausbildung? Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich erst einige Tage Urlaub in Brasilien gemacht habe und anschließend für zehn Tage nach Wales geflogen bin, um meine Weiterbildung fortzusetzen. Danach wieder zurück. Das war nicht immer einfach, aber ich wusste immer, warum ich das mache. Ich habe während meiner aktiven Karriere nicht nur trainiert und gespielt. Ich habe auch ständig beobachtet. Warum macht der Trainer genau diese Übung? Warum diese Analyse? Warum trifft er diese Entscheidung? Ich habe viele Trainer angerufen, ihnen Fragen gestellt und versucht, möglichst viel mitzunehmen. Heute merke ich, dass sich dieser Aufwand gelohnt hat.“
Jetzt bist du wieder in Deutschland. Wie läuft die Eingewöhnung – auch sprachlich? „Ich habe in den vergangenen Wochen viele deutsche Fußball-Podcasts gehört, um wieder in die Sprache hineinzukommen. Das hat mir sehr geholfen. Und ich merke jetzt schon nach den ersten zwei Wochen, dass vieles zurückkommt. Jeden Tag wird es besser. Die Sprache wird natürlicher und ich fühle mich immer sicherer.“
Wie fühlt es sich an, wieder das Bayern-Wappen auf der Brust zu tragen? „Ganz ehrlich: Ich fühle mich zuhause. Als ich wieder hier angekommen bin, war ich zuerst ein bisschen nervös. Aber sobald ich auf dem Trainingsplatz stand, war sofort dieses Gefühl wieder da. Ich wusste: Das ist der richtige Ort. Ich bin sehr dankbar für diese Chance. Wieder hier zu sein, ist etwas Besonderes. Jetzt möchte ich alles dafür tun, den Spielern zu helfen, sie auf ihrem Weg zu begleiten und ihnen etwas von dem mitzugeben, was ich selbst in meiner Karriere gelernt habe.“
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Du hast mit einigen der besten Trainer der Welt gearbeitet. Was nimmst du heute für deine eigene Arbeit mit? „Ich habe von jedem Trainer etwas gelernt. Pep Guardiola war taktisch außergewöhnlich. Er hat mir gezeigt, wie detailliert Fußball sein kann und wie wichtig jede Kleinigkeit ist. Von Jupp Heynckes habe ich vor allem den Umgang mit Menschen gelernt. Er hatte eine unglaubliche Empathie und wusste genau, wie er eine Mannschaft zusammenführt. Für mich ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse: Ein Trainer ist zuerst Mensch. Natürlich gehören Taktik und Training dazu, aber genauso wichtig ist es, Menschen zu verstehen, Vertrauen aufzubauen und eine Gruppe in dieselbe Richtung zu führen. Natürlich gab es auch Trainer, bei denen ich Dinge gesehen und gedacht habe: So möchte ich es später nicht machen. Auch daraus lernt man. Am Ende hat jeder Coach seinen Teil zu meiner Entwicklung beigetragen.“
Welche Art von Trainer möchtest du selbst sein? „Ich wünsche mir, dass die Spieler irgendwann sagen: Er hat immer alles für uns gegeben. Er hat uns geholfen, besser zu werden – nicht nur als Fußballer, sondern auch als Persönlichkeit. Natürlich wollen wir gewinnen. Dafür arbeiten wir jeden Tag. Aber mein Hauptziel ist es, die Spieler zu entwickeln. Wenn wir jeden Einzelnen besser machen, steigen automatisch auch die Chancen auf Erfolg. Entwicklung und Ergebnisse gehören zusammen. Ich möchte, dass meine Mannschaft mit Leidenschaft spielt, Verantwortung übernimmt und immer bereit ist, dazuzulernen.“
Jetzt arbeitest du mit einer sehr jungen Mannschaft. Manche Spieler haben dich gar nicht mehr als Bayern-Profi erlebt. Was macht dieser Gedanke mit dir? „Natürlich kennen mich einige aus meiner Spielerzeit in München, andere nicht. Aber das ist gar nicht entscheidend. Wichtig ist nicht, dass sie mich als ehemaligen Fußballer kennen. Wichtig ist, dass sie mich als Trainer kennenlernen und vertrauen. Dieses Vertrauen müssen wir uns gemeinsam erarbeiten. Ich kann gerade den Verteidigern durch meine eigene Erfahrung sicherlich helfen. Aber letztendlich zählt nur das, was wir heute gemeinsam aufbauen.“
Haben dich die Jungs trotzdem schon auf deine Karriere angesprochen? „Ein paar natürlich schon. Aber ehrlich gesagt möchte ich gar nicht so viel über Titel oder große Spiele sprechen. Viel wichtiger ist für mich die Frage, warum ich so lange auf diesem Niveau Fußball spielen konnte. Das ist die Erfahrung, die ich weitergeben möchte. Ich möchte den Jungs erklären, wie wichtig Professionalität ist. Ernährung, Schlaf, Regeneration, Konzentration – all das gehört zu diesem Beruf dazu. Als Fußballspieler auf diesem Niveau gibt es eigentlich nur diesen einen Lebensstil. Wenn du erfolgreich sein möchtest, musst du dich dem Fußball komplett widmen. Du darfst dich nicht ablenken lassen. Talent ist wichtig, aber Talent allein reicht nicht. Du musst jeden Tag bereit sein, hart zu arbeiten und an deine Grenzen zu gehen.“
Auch im Training gibst du den Jungs die Richtung vor, lässt ihnen aber bewusst bei vielen Übungen die Freiheit, selbst zu entscheiden. Warum ist dir das wichtig? „Weil Fußball keine Wissenschaft ist. Natürlich geben wir den Spielern Prinzipien und eine klare Idee mit. Aber sie müssen selbst Entscheidungen treffen und Lösungen finden. Gerade offensive Spieler brauchen Freiheit. Sie müssen mutig sein, Risiken eingehen, ins Dribbling gehen und kreativ sein. Vorne gehört Risiko einfach dazu. Eine Sache ist dabei aber Pflicht: Überzeugung. Wenn du etwas machst, musst du daran glauben. Ohne Überzeugung funktioniert im Fußball nichts. Mir ist wichtig, dass die Spieler Verantwortung übernehmen und nicht darauf warten, dass der Trainer jede Situation löst. Genau dadurch entwickeln sie sich.“
Das gibst du den Jungs auch in vielen Einzelgesprächen mit. Welche Rolle spielen diese Tage im Trainingslager für dich? „Eine sehr große. Im Trainingslager geht es nicht nur um Fußball. Natürlich trainieren wir viel, aber wir verbringen auch den ganzen Tag miteinander. Wir essen zusammen, sprechen über viele Themen und lernen uns als Menschen kennen – sowohl die Spieler als auch der Staff. Gerade am Anfang ist das unglaublich wichtig. Vertrauen entsteht nicht nur auf dem Platz. Es entsteht auch in den kleinen Gesprächen zwischendurch. Ich möchte wissen, wie die Spieler denken, wie sie ticken und was sie beschäftigt. Nur wenn wir dieses Vertrauen aufbauen, können wir später gemeinsam erfolgreich sein. Ich habe in diesen Tagen schon sehr viel über die Jungs gelernt. Sie arbeiten konzentriert, sie haben Energie und sie wollen sich verbessern. Das hat mir richtig gut gefallen und darauf können wir in den kommenden Wochen weiter aufbauen.“
Das Trainingslager der Amateure nochmal im Ticker nachlesen:







































