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·7. April 2026
Das db24-Interview mit 1860-Aufstiegsheld Horst Schmidbauer: "Was Wettberg bewegt hat, war Wahnsinn"

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·7. April 2026

Kult-Löwe Karsten Wettberg, der vor mehr als einer Woche im Alter von 84 Jahren verstorben ist, wird heute nach der Trauerfeier (14 Uhr) auf dem Friedhof in Mainburg beigesetzt. Zahlreiche Freunde und Wegbegleiter werden erwartet. Einer wird fehlen, der dem früheren Trainer viel zu verdanken hat: Aufstiegsheld Horst Schmidbauer. Das db24-Interview:
db24: Servus, Horst Schmidbauer. Wir erreichen Sie gerade in Marokko: Wann haben Sie vom Ableben Ihres Lieblingstrainers erfahren?
HORST SCHMIDBAUER: Ich habe es relativ schnell mitbekommen. Ich bin in einer WhatsApp-Gruppe „40 Jahre Meisterschaft SpVgg Landshut“ – und darin machte die Nachricht schnell die Runde. Karstens Tod stimmt mich traurig, zumal auch sein Co-Trainer Helmut Wirth ein paar Tage zuvor im Alter von 69 Jahren verstorben ist. Das ist alles so bitter. Ich wollte Karsten zu seinem 85. Geburtstag mein Buch, an dem ich gerade schreibe, überreichen – weil er darin natürlich auch vorkommt…
db24: Sie hatten zu ihm eine ganz besondere Beziehung…
Ja, das stimmt. Karsten hat mich aus Dingolfing nach Landshut geholt. Er war mein Entdecker. Es war meine erste Saison in der drittklassigen Bayernliga. Wir sind völlig überraschend Meister geworden – vor Sechzig. Damit hatte keiner gerechnet, zumal wir zur Winterpause noch deutlich hinter dem Tabellenführer lagen. Und dann kam die Geschichte mit den nicht abgegebenen Lizenzunterlagen. Dadurch durfte 1860 in die Aufstiegsrunde – und nicht wir. Das war ein Drama. Karsten hat das richtig getroffen.
db24: Wussten Sie etwas über den Gesundheitszustand von Wettberg?
Ich bin ja mehrere tausend Kilometer entfernt, aber ich wusste schon, dass Karsten im letzten Jahr stark abgebaut hat. Ich wollte ihn zu seinem Geburtstag im November erreichen – vergeblich. Ich konnte leider nicht mehr bei ihm vorbeischauen. Das tut mir weh. Ich habe daraus eine Erkenntnis gezogen: Erledige das, was dir wichtig ist. Es ist schon bitter, wie vergänglich alles ist. Was Karsten bewegt hat, war Wahnsinn. Landshut hat so etwas wie mit Wettberg nie wieder erlebt – und auch bei 1860 gab es später nie mehr diese familiäre Euphorie. Das war einzigartig.
db24: Wie war Wettberg als Trainer?
Er war unersättlich und unermüdlich. Seine Rekordserie von 54 Spielen ohne Niederlage spricht für sich. Karsten hat mich zu dem gemacht, was ich war. Unter Willi Bierofka lief es für mich zunächst nicht, aber ich habe nie aufgegeben, weil ich wusste: Irgendwann wird Karsten Trainer bei 1860. Wenn du rauf wolltest, führte der Weg über Wettberg. Er hatte eine eingebaute Aufstiegsgarantie. Ich bin ehrlich: Für Karsten bin ich auch die Extra-Meter gegangen. Er hat mir den Rücken freigehalten, wenn ich vormittags im Training gefehlt habe – und am Nachmittag mit 220 auf der Autobahn zu spät gekommen bin. Ich habe es mit Toren zurückgezahlt. Aber ich muss auch sagen: Menschlich war das bei 1860 großartig. Da hat keiner wegen des Geldes gespielt. Wir kamen alle aus der Region.
db24: Sind die Bilder vom Aufstieg 1991 noch präsent?
Ja, logisch! Die Fans haben Karsten halbnackt herumgetragen. Erst die Szene mit dem Regenschirm, dann das legendäre Interview in der Unterhose. Wenn du das heute siehst, denkst du dir: Tickt der noch ganz richtig? (lacht) Aber wir haben ihn immer ernst genommen. Er hat uns nie klein gemacht, sondern angepeitscht. Deshalb habe ich auch nie verstanden, warum man ihn entlassen hat. Er hat aus uns mehr herausgeholt, als eigentlich drin war. Seine Beurlaubung war politisches Kalkül der Präsidentin Knecht.
db24: Wann steigt 1860 wieder auf?
Ganz schwer zu sagen. Ein Aufstieg hat immer zwei Seiten: Willst du wirklich hoch – oder bist du damit zufrieden, in der Dritten Liga zu spielen? Ich weiß gar nicht, ob ein Aufstieg dem Verein aktuell guttun würde. Wir haben gesehen, was die Erste Liga angerichtet hat. Das hat extrem viel Geld gekostet. Einige sind damals komplett übergeschnappt – und der Verein wurde finanziell ruiniert. In die Erste Liga zu kommen, würde Jahrzehnte dauern. Als 1860 musst du dir bewusst sein, dass du finanziell mit vielen namhaften Drittliga-Klubs nicht mithalten kannst. Deshalb träume ich nicht vom Durchmarsch.
db24: Nach Wettbergs Aus begann unter Präsident Karl-Heinz Wildmoser und Trainer Werner Lorant eine große Erfolgszeit…
Ich war kein Freund von Lorant und Wildmoser – das will ich klar sagen. Menschlich war das für mich nicht tragbar. Ich brauche ein Umfeld, in dem ich mich wohlfühle – und das war unter ihnen nicht gegeben. Sie waren extrem erfolgsbesessen, aber vor allem für sich selbst. Das waren Egoisten. Unter ihnen kamen auch viele Pseudo-Profis zu 1860.
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