MillernTon
·11. Februar 2026
Das Heiligengeistfeld, Paul Kalkbrenner & der FC St. Pauli

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·11. Februar 2026

Im Sommer soll ein Konzert auf dem Heiligengeistfeld stattfinden. Der FC St. Pauli bemüht sich, dass solche Konzerte auch bald im Millerntor-Stadion stattfinden können.(Titelfoto: Stefan Groenveld)
Es ist eine Nachricht, deren Zusammenhang mit dem FC St. Pauli nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennbar ist: Am 27. Juni 2026 soll DJ Paul Kalkbrenner auf dem Heiligengeistfeld ein Konzert geben. Der Knackpunkt: Das Bezirksamt Hamburg-Mitte erklärte gegenüber dem NDR, dass gar nicht klar sei, ob das Konzert am geplanten Ort stattfinden könne: „Ob eine Genehmigung erteilt werden kann, erscheint uns derzeit offen.“ Sicher ist aber, dass durch dieses angekündigte Konzert erneut die Frage aufkommt: Wenn solche Konzerte auf dem Heiligengeistfeld möglich sind, warum dann nicht auch im Millerntor-Stadion?
Externe Veranstaltungen im „eigenen“ (gehört ja mehrheitlich der Genossenschaft) Stadion könnten für den FC St. Pauli eine äußerst relevante Einnahme-Quelle darstellen. Dabei ginge es um jährliche Einnahmen im einstelligen Millionenbereich, die zum Beispiel der HSV (alleine durch die beiden Konzerte von Taylor Swift verdiente man fast eine Million Euro) oder der FC Schalke 04 (die Miete für Konzerte beträgt dort eine sechsstellige Summe, Catering-Einnahmen kommen oben drauf) bereits seit Jahren haben. Ob solche Summen auch für den FCSP drin wären, hängt von vielen Faktoren ab. Zum Beispiel würde im Vergleich zum Volksparkstadion die Kapazität im Millerntor-Stadion nicht so hoch sein. Aber dafür ist der Standort sicher umso attraktiver.
Aktuell sind Konzerte im Millerntor-Stadion aber nicht möglich. Das Problem dabei ist nicht der Rasen. Der ist seit dieser Saison ja bekanntlich hybrid und dadurch sogar noch etwas belastbarer, würde einen Konzertsommer mit entsprechenden Maßnahmen besser überstehen als ein Naturrasen. Vielmehr ist der Lärmschutz das Problem. Anders als 1988 zum Beispiel, als niemand geringeres als Prince am Millerntor auftrat und „halb Hamburg in den Ohren lag“ (das Konzert soll damals mit, wow!, 160.000 Watt über die Bühne gegangen sein, Abendblatt (€)) Beim Thema Lärmschutz kommt nun aber wieder Paul Kalkbrenner ins Spiel…
Denn der Veranstalter des geplanten Kalkbrenner-Konzerts auf dem Heiligengeistfeld erklärte gegenüber der MOPO, dass bei der Veranstaltung ein dezentrales Beschallungssystem mit vielen einzelnen Lautsprechern genutzt werden soll. So würden die Lärm-Emissionen unter der Grenze von 70 Dezibel gehalten werden können. 70 Dezibel entspricht ungefähr der Lautstärke einer befahrenen Straße, einem Föhn oder Staubsauger. Bemerkenswert ist, dass der Veranstalter des Kalkbrenner-Konzerts (AC2B) aus Würzburg kommt. Die etablierten Hamburger Konzertveranstalter (z.B. FKP Scorpio und Karsten Jahnke) dürften sicher nicht schlecht geguckt haben, als sie von dem Vorhaben auf dem Heiligengeistfeld hörten.
Zurück zum Thema: Könnte der FC St. Pauli also unter Einhaltung des Lärmschutzes Konzerte am Millerntor stattfinden lassen? Die Gelegenheit könnte gar nicht mal so ungünstig sein, arbeitet der Verein aktuell doch sowieso daran, dass es bald eine neue Lautsprecheranlage am Millerntor gibt. Solche Stadion-Lautsprecheranlagen werden bei Konzerten zwar nicht alleine eingesetzt, dienen aber unterstützend. Sollte der FCSP die Aussicht haben, dass solche Veranstaltungen im Stadion in absehbarer Zeit möglich sind, so könnte das nun direkt mitgedacht werden.
„Der FC St. Pauli ist interessiert daran, Kulturveranstaltungen im Millerntor-Stadion durchzuführen und befindet sich dazu, natürlich in Abstimmung mit der Genossenschaft, im Austausch“, heißt es auf unsere Anfrage hinsichtlich der möglicherweise veränderten Rahmenbedingungen für solche Veranstaltungen. Dabei wird betont, dass es dem Verein nicht nur um die Durchführung großer Konzerte gehe (die im Fall der Fälle mit Hamburger Konzertveranstaltern auf die Beine gestellt werden sollen), sondern die komplette Palette an Kulturveranstaltungen denkbar und gewünscht ist. Das beinhalte sowohl große Konzerte, die das gesamte Stadion in Anspruch nehmen würden, aber auch Veranstaltungen auf einzelnen Tribünen.
Möglich erscheinen solche Veranstaltungen aber nur dann, wenn die Rahmenbedingungen identisch sind. Die aktuelle Regelung sorgt aber nicht für identische Rahmenbedingungen: Für Konzerte im Stadion gilt aktuell eine niedrigere Lärm-Emissions-Grenze als für das Heiligengeistfeld, derart niedrig, dass es nahezu unmöglich ist, sie bei Konzerten zu gewährleisten. Gibt es hier keine Anpassung, dann sind und bleiben Konzerte im Millerntor-Stadion unrealistisch, entsprechend ist der FC St. Pauli aktiv: „Wir besprechen mit dem Bezirksamt-Mitte, dass für uns die Grenze gilt, die auch auf dem Heiligengeistfeld gilt.“
Es ist also Bewegung drin beim Thema Konzerte im Millerntor-Stadion. Etwas, was seit Jahren unmöglich erscheint, obwohl Musik und der FC St. Pauli eigentlich wahnsinnig gut zusammenpassen. Denn das Viertel ist das kulturelle und vor allem musikalische Epizentrum der Stadt Hamburg. Konzerte und Veranstaltungen fast aller Skalen finden hier statt, abgesehen von ganz großen Konzerten. Was sich aber vielleicht irgendwann ändern könnte. Der FC St. Pauli arbeitet jedenfalls dran.// Tim
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