MillernTon
·6. Februar 2026
Vorbericht: FC St. Pauli – VfB Stuttgart (21. Spieltag, 25/26)

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Am Samstag steht für den FC St. Pauli eine riesengroße Aufgabe an – der VfB Stuttgart befindet sich nicht nur in Top-Form, sondern ist auch ein Angstgegner des FCSP.(Titelfoto: Christian Kaspar-Bartke/Getty Images/via OneFootball)
Puuh, das ist gerade echt ne raue See, durch die sich der FC St. Pauli durchzukämpfen versucht. Zum ziemlich bescheidenen Rang in der Tabelle gesellt sich nun am Ende einer sportlich sehr fordernden Zeit mit vielen Englischen Wochen auch noch eine immer angespanntere Personallage: Mit Ricky-Jade Jones fällt ein weiterer Spieler monatelang aus. Und mit dem VfB Stuttgart kommt ein Team ans Millerntor, gegen das der FCSP unter Leitung von Alexander Blessin zuletzt immer nicht gut aussah und das besonders in der aktuellen Form einen ganz schweren Brocken darstellt. Warum der VfB so gut drauf ist und auf welche Spieler es besonders zu achten gilt, könnt ihr auch im „Vor dem Spiel“-Gespräch von Michael mit Sebastian vom angesehenen „Vertikalpass“ nachhören.
Ricky-Jade Jones wird dem FC St. Pauli also gegen Stuttgart fehlen, Syndesmosebandriss lautet die Diagnose, die ziemlich sicher das Saisonende für ihn bedeutet. Was diese Verletzung für Auswirkungen hat, könnt ihr im Artikel „Jones wird fehlen“ nachlesen. Zusätzlich fallen mit Andréas Hountondji, David Nemeth und Connor Metcalfe drei weitere Spieler für das Wochenende sicher aus.
Es ist auch nicht damit zu rechnen, dass Hauke Wahl (Innenbandprobleme) zur Verfügung stehen wird. Alexander Blessin erklärte zwar, dass es noch „stille Hoffnung“ geben würde, aber meine Erfahrung sagt: Wenn Blessin nur von „Hoffnung“ spricht, dann wird das eigentlich nie was.Etwas optimistischer klang der FCSP-Cheftrainer, was eine mögliche Rückkehr von Eric Smith betrifft, der zuletzt aufgrund von Problemen an der Ferse aussetzen musste.Zusätzlich haben noch ein paar Spieler „Kleinigkeiten“ (Blessin) aus dem Leverkusen-Spiel mitgenommen, aber diese dürften nicht derart gravierend sein, dass sie für das Wochenende passen müssen.
Die Pressekonferenz des VfB Stuttgart vor dem Spiel beim FC St. Pauli hat bis zum Donnerstagabend noch nicht stattgefunden. Daher beinhaltet der Blick auf das Personal die Situation vor dem Pokalspiel in Kiel, welches die Stuttgarter mit 3:0 für sich entscheiden konnten.Demnach werden VfB-Trainer Sebastian Hoeneß mit Lazar Jovanovic (Rückenprobleme) und Tiago Tomás (Muskelverletzung) zwei offensive Außenbahnspieler fehlen. Auch der in dieser Saison überraschend starke und fitte Offensivspieler Nikolas Nartey fehlte in Kiel. Zudem ist Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou aufgrund einer Muskelverletzung bereits seit längerer Zeit nicht fit.

Eric Smith im Zweikampf mit Angelo Stiller, Hauke Wahl und Deniz Undav schauen gebannt zu. Wenn es für den FC St. Pauli schlecht läuft, dann werden von diesen vier Spielern am Samstag nur die beiden Stuttgarter auf dem Platz stehen. // (c) Stefan Groenveld
Der VfB Stuttgart hat diesem Jahr erst ein Spiel verloren: 0:2 gegen AS Rom in der Europa League. Ebenfalls nur einmal gab es nur einen Punkt: beim 1:1 gegen Union Berlin (1:1). Die anderen fünf Spiele in 2026 wurden allesamt gewonnen. Das zeigt: Der VfB Stuttgart ist in absoluter Topform. Zu Saisonbeginn war das nicht so. Nach Niederlagen gegen Freiburg und Union traf der FCSP am 4. Spieltag auf einen angeschlagenen VfB, der damals aber mit 2:0 gewann und seitdem in der Bundesliga ziemlich gut dabei ist. Einzig gegen den HSV setzte es eine unglückliche Niederlage, zudem verlor man gegen Leipzig und München, was mal passieren kann. In der Europa League gelang die Qualifikation für die Zwischenrunde und im DFB-Pokal steht man als Titelverteidiger im Halbfinale. Läuft also beim VfB.
Einer der Gründe, warum der VfB Stuttgart aktuell so erfolgreich auf gleich drei Hochzeiten tanzt, ist der extrem breite Kader. Die Schwaben können ihr Team fast ohne Qualitätsverlust durchtauschen und das wird auch regelmäßig gemacht. So sind zum Beispiel im zentralen Mittelfeld mit Angelo Stiller, Atakan Karazor, Chema Andrés, sowie den offensiveren Nikolas Nartey und Bilal El Khannouss fünf in etwa gleichstarke Spieler für drei Positionen zu finden. Ähnlich sieht es auf den laufintensiven Außenverteidiger-Positionen aus. Ganz gelegentlich wird Deniz Undav durch Ermedin Demirovic auch immer wieder eine Verschnaufpause gegönnt. Einzig auf den offensiven Außenbahnen ist die personelle Situation aufgrund von Verletzungen etwas angespannter (was aber durch die Fülle an zentralen Mittelfeldspielern aufgefangen werden kann).
Ein Spieler ragt aktuell dann aber doch etwas mehr heraus aus diesem eigentlich aus kollektiver Stärke bestehenden Team: Angreifer Deniz Undav fiel kurz nach Saisonbeginn aufgrund eines Innenbandanrisses wochenlang aus. Seit seiner Rückkehr hat er in 23 Spielen in der Bundesliga, der Europa League und im DFB-Pokal 15 Treffer selbst erzielt und neun Vorlagen beigesteuert. Seine Stärke ist dabei das, was Alexander Blessin auf der Pressekonferenz als „Näschen“ bezeichnete. Undav ist extrem gut darin, sich zwischen den Linien zu bewegen, er erkennt Räume und weiß diese für sich zu nutzen. Und sollte es doch mal etwas enger werden, dann weiß er seinen Körper einzusetzen. Keine Frage, Undav ist in absoluter Topform.
Der VfB Stuttgart ist zwar auch dank des enorm starken Deniz Undav aktuell sehr erfolgreich. Aber auch, weil sich an der Seitenlinie ein sehr, sehr guter Trainer befindet. Sebastian Hoeneß hat den VfB vor fast drei Jahren in akuter Abstiegsnot übernommen und lässt seitdem ein sehr klares und intensives Ballbesitzspiel praktizieren. Dabei fallen die zentralen Spieler allesamt durch viele vertikale Bewegungen auf. Das tun sie, um Räume zu öffnen, indem die gegnerischen Ketten auseinander gezogen werden. Zudem löst auch Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt oft seine Position auf und rückt in den Sechser-, manchmal auch in den Zehnerraum (das kennen wir beim FCSP noch aus den Vorjahren von Philipp Treu). Dadurch gelingt es Stuttgart entweder, die Halbräume zu öffnen, die dann gerne von „Quarterback“ Angelo Stiller per Pass gesucht werden. Oder aber der Gegner fokussiert sich derart auf das Zentrum, dass es auf der Außenbahn die Möglichkeit für direkte Duelle gibt. Diese werden aktuell in hoher Qualität von Chris Führich und Jamie Leweling geführt – und das oft: Der VfB Stuttgart geht ligaweit am dritthäufigsten ins Dribbling.
Dass der VfB Stuttgart unter Sebastian Hoeneß auch sehr wandlungsfähig ist, zeigt sich in der Arbeit gegen den Ball. Denn die Defensive war in der Vorsaison eine Problemzone beim VfB. Satte 53 Gegentore, die sechstmeisten der Liga, waren zu viele, um in der Bundesliga unter die Top5 zu kommen. In dieser Spielzeit sind es bisher erst 26 Gegentreffer, nur drei Clubs haben weniger kassiert. Und zwei davon (München, Hoffenheim) haben die gleiche Herangehensweise in der Arbeit gegen den Ball: ManndeckungDer VfB Stuttgart spielt nämlich seit dieser Saison mit einer äußerst aggressiven, mannorientierten Verteidigungsweise. Nur wenn die Gegner auf dem Spielfeld schon ein gutes Stück in Richtung des VfB-Tores gekommen sind, schaltet das Team auf ein tiefes und sehr kompaktes 4-4-2 um.
Um diese Art der Verteidigung zu knacken, ist es wichtig, dass direkte Duelle gewonnen werden. Der VfB Stuttgart forciert Zweikämpfe gegen den Ball, dann muss er sie auch gewinnen. Gelingt das nicht, dann hat der Gegner Chancen. Blessin: „Wenn wir dann mal einen Zweikampf gewinnen, dann gibt es Möglichkeiten für Überzahlsituationen“. Der FCSP-Cheftrainer betonte zudem, dass es gegen so eine mannorientierte Spielweise „auch andere Möglichkeiten“ gibt und hofft, dass man die „am Samstag dann sehen werde“. Wenn mich nicht alles täuscht, dann dürfte er damit „Steil-Klatsch“-Momente gemeint haben und ich hoffe auch sehr, dass man davon am Samstag ein paar erfolgreiche sieht.
Aufgrund der Englischen Woche der Stuttgarter und der sowieso häufigen Rotationen ist überhaupt keine belastbare Aussage zu treffen, in welcher personellen Aufstellung der VfB am Millerntor antritt. Sicher ist, dass das Team im angestammten 4-2-3-1 auflaufen wird. Ob die Außenverteidiger dann Assignon und Mittelstädt oder Vagnoman und Hendricks heißen, ist genauso unklar, wie die Frage, ob Chema oder Karazor zentral spielt. So oder so ist aber sicher, dass der VfB Stuttgart ein richtig schlagkräftiges Team am Millerntor auf den Rasen bringen wird.

Erwartete Aufstellung FC St. Pauli vs. VfB Stuttgart
FCSP: Vasilj – Andō, Sands, Mets – Saliakas, Rasmussen, Fujita, Pyrka – Sinani, Pereira Lage – Kaars
VfB: Nübel – Assignon, Jeltsch, Chabot, Mittelstädt – Karazor, Stiller – Leweling, El Kahnnouss, Führich – Undav
Beim FC St. Pauli hängt vieles davon ab, ob Eric Smith zurückkehren kann oder nicht. Und wenn er zurückkehrt, dann stellt sich die Frage, ob er dann im defensiven Mittelfeld oder in der Innenverteidigung zum Einsatz kommt. In Leverkusen hat James Sands die Rolle als zentraler Innenverteidiger übernommen. Blessin betonte auf der PK noch einmal, dass „Jimmy“ ihm in dieser Rolle gefallen habe: „Ich habe Kettenverhalten gesehen, das sehr, sehr gut von den Abständen her war, ein klares Verschieben, klares Erkennen von Pressingsituationen, gutes Absichern – von daher war es wirklich gut.“ Allerdings betonte er auch, dass Adam Dźwigała nach seiner Erkrankung wieder eine Woche lang trainiert habe und es dadurch „eine Möglichkeit gibt, Jimmy auf seine angestammte Position zu setzen.“
Sollten Eric Smith oder James Sands wieder auf der Sechs zum Einsatz kommen, so dürfte Joel Fujita wieder eine Position nach vorne rücken und im Spiel mit dem Ball im Zehnerraum „schwimmen“. Allerdings hat Fujita in Leverkusen auf der Sechs ein richtig gutes Spiel gemacht, glänzte mit vielen Ballgewinnen und war so Initiator einiger Umschaltmomente, was seinen Wert für das Team auf zentraler Position in Pressingsituationen untermauerte. Ich halte es daher für möglich, dass es im Vergleich zum Leverkusen-Spiel nur eine einzige Veränderung in der Startaufstellung gibt: Arek Pyrka verdrängt Louis Oppie und rückt wieder nach links und damit Manos Saliakas ins Team. Das ergibt vor allem deshalb Sinn, da der VfB Stuttgart mit sehr viel Tempo über die Außenbahnen kommt, ganz ähnlich wie Leipzig also, gegen die es ja mit den Außenbahnspielern Saliakas und Pyrka gut geklappt hat.
Der VfB Stuttgart ist für den FC St. Pauli unter Alexander Blessin ein Problem. Zwar wurde von den drei Aufeinandertreffen eines gewonnen, das allerdings sehr glücklich. Der VfB erspielte sich nämlich in allen drei Partien extrem viele Chancen. Bevor der FCSP Ende November knapp in München verlor, waren die drei Spiele gegen Stuttgart jene mit dem höchsten gegnerischen xG-Wert. Was neben der individuellen Qualität der Stuttgarter dafür gesorgt hat, dass der VfB eine Art „Angstgegner“ von Blessin und dem FCSP ist, erklärte der FCSP-Cheftrainer beispielhaft am letzten Aufeinandertreffen: „Wir haben uns beim letzten Spiel absolut den Schneid abkaufen lassen. Was sie uns da gezeigt haben: Dass sie läuferisch und gegen den Ball galliger waren. Das war der wichtigste Aspekt, warum wir dieses Spiel verloren und eigentlich auch keine Chance gehabt haben.“
Die Situation ist völlig eindeutig: Das Spiel gegen den VfB Stuttgart ist kein Bonus, kein Spiel mehr, in dem eine Niederlage zu verschmerzen wäre. Das war vielleicht im Hinspiel der Fall, aber die Tabelle erlaubt dem FC St. Pauli nun keine Niederlagen mehr, egal gegen wen es geht. „Es sind jetzt 14 Endspiele“, erklärte Alexander Blessin und Endspiele sind nur dann schön für Teams, wenn sie man sie gewinnt, egal, ob man nun klarer Außenseiter oder Favorit ist. Sowieso muss der FC St. Pauli inzwischen auch einfach in Spielen Punkte holen, in denen am allerwenigsten damit gerechnet wird. Denn es wurden zu viele Möglichkeiten in Begegnungen ausgelassen, in denen die Wahrscheinlichkeit höher war. Also: Angstgegner hin oder her – für den FC St. Pauli geht es ins erste von 14 Endspielen.Forza!// Tim
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