Das hochgerollte Trikot und ein Auswärtsspiel im Metropolitano: Was Mbappé und Vinícius am Sonntag erwartet | OneFootball

Das hochgerollte Trikot und ein Auswärtsspiel im Metropolitano: Was Mbappé und Vinícius am Sonntag erwartet | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: 90PLUS

90PLUS

·19. September 2026

Das hochgerollte Trikot und ein Auswärtsspiel im Metropolitano: Was Mbappé und Vinícius am Sonntag erwartet

Artikelbild:Das hochgerollte Trikot und ein Auswärtsspiel im Metropolitano: Was Mbappé und Vinícius am Sonntag erwartet

Madrid. Vor dem Anpfiff in Elche stellten sich beide Mannschaften nebeneinander auf, in weißen T-Shirts mit der Aufschrift „Todos somos ceutíes“ – wir sind alle Ceutaner. Eine Aktion, die ein örtlicher Unternehmerverband organisiert hatte, um auf die humanitäre Lage in der spanischen Exklave in Nordafrika aufmerksam zu machen, nach einem massiven Zustrom von Migranten aus Marokko im Juli. Drei Spieler von Real Madrid trugen das Shirt nicht so, wie es gedacht war: Kylian Mbappé, Vinícius Júnior und Ibrahima Konaté rollten es bis zur Brust hoch. Die Botschaft war nicht mehr zu lesen.

Am Sonntag spielt Real Madrid im Metropolitano bei Atlético. Es ist das erste große Duell unter José Mourinho – und für zwei der drei ist es ein Auswärtsspiel unter besonderen Vorzeichen.


OneFootball Videos


Was passiert ist

Die Bilder gingen sofort durch die spanischen Medien. Am Mittwoch meldete sich LaLiga-Präsident Javier Tebas zu Wort und kritisierte die drei Spieler dafür, das Shirt nicht ordnungsgemäß getragen zu haben. Real gewann das Spiel 3:2, spät, durch Carlos Espí – sportlich war der Abend damit erledigt. Die Diskussion war es nicht.

Mbappé erklärte sich zwei Tage später. Seine Geste sei als Unterstützung für Migranten gedacht gewesen, die beim Versuch, die Grenze zu überqueren, ums Leben gekommen sind – und zugleich als Unterstützung für die Menschen in Ceuta. „Letztlich bin ich ein Mensch, und ich möchte nicht eine Form des Leidens über eine andere stellen“, sagte der Franzose. „Es gibt Menschen, die leiden, und es macht mich zutiefst traurig, das in der Welt zu sehen. Ich bin jemand, der das Beste für unsere Welt will. Ich möchte eine Botschaft der Positivität und des Friedens senden, und ich hoffe, dass sich das schnell löst.“

Es ist eine Erklärung, die den Vorwurf annimmt und zugleich zurückweist: Mbappé bestreitet nicht, die Botschaft verdeckt zu haben. Er begründet es damit, dass ihm die Botschaft zu einseitig war. Ob das reicht, ist eine politische Frage, und sie wird in Spanien unterschiedlich beantwortet.

Warum es für Vinícius riskanter ist

Hier liegt der eigentliche Zündstoff für Sonntag. Vinícius Júnior wird im Metropolitano seit Jahren ausgepfiffen, und er ist dort wiederholt Ziel rassistischer Beleidigungen gewesen – dokumentiert, angezeigt, in Einzelfällen gerichtlich verfolgt. Die Ceuta-Episode gibt jenen, die ihn ohnehin anfeinden, einen zusätzlichen Vorwand. beIN Sports formuliert es nüchtern: Die Pfiffe könnten „verschärft“ ausfallen.

Dazu kommt seine Form. Vinícius hat in dieser Saison ein Tor erzielt. Gegen Elche vergab er drei gute Gelegenheiten und schrieb danach auf Instagram: „Die Tore werden zurückkommen, ich kann nicht so viele verpassen.“ Zuletzt wurde er auch im eigenen Stadion gepfiffen – von Real-Anhängern, wegen seiner Chancenverwertung. Ein Spieler, der zu Hause ausgepfiffen wird und auswärts angefeindet, geht anders in ein Derby als einer, der trifft.

Mbappé: acht Tore und eine Kampagne

Der Kontrast könnte kaum größer sein. Mbappé steht bei acht Pflichtspieltoren, Mourinho nannte ihn „nicht normal“, und der Franzose nutzt jedes Spiel als Argument in einem Rennen, das am 26. Oktober in London entschieden wird. Lamine Yamal hat ihn diese Woche als einzigen ernsthaften Konkurrenten benannt. Ein Tor im Metropolitano wäre für die Wählerstimmen mehr wert als drei gegen Elche.

Die Ceuta-Diskussion ist für ihn deshalb doppelt unangenehm: Sie kostet Aufmerksamkeit, die er gerade anders investieren wollte. Und sie trifft einen Spieler, der seit seiner Ankunft 2024 mit Real keinen großen Titel gewonnen hat.

Mourinhos eigentliches Problem

Der Trainer hat vor dem Derby über etwas ganz anderes gesprochen. Real hat fünf der ersten sechs Ligaspiele gewonnen, liegt aber drei Punkte hinter Barcelona – und braucht dafür regelmäßig späte Tore. Bei Espanyol und in Elche traf jeweils Ersatzstürmer Carlos Espí in der Schlussphase. „Das Problem scheint mir offensichtlich“, sagte Mourinho. „Schwerer ist zu wissen, warum. Aber es ist leicht zu verstehen, dass es Spiele gibt, die vorbei scheinen und es am Ende nicht sind. Spiele, in denen wir drei, vier, fünf Chancen haben, sie zu beenden, und es nicht tun.“

Seine Mannschaft nennt er „frenetisch“ im Angriff und unfähig, Partien zuzumachen. Gegen Diego Simeone, dessen Atlético als Dritter ins Derby geht, ist das die gefährlichste aller Eigenschaften. Die Niederlage in Sevilla vor zwei Wochen hat gezeigt, was passiert, wenn Real Chancen liegen lässt.

Was am Sonntag zu erwarten ist

Sportlich: ein Spiel, in dem Real Kontrolle beweisen muss und Atlético genau darauf wartet. Atmosphärisch: ein Stadion, das Vinícius seit Jahren feindselig empfängt und nun einen weiteren Anlass hat. Und öffentlich: die Frage, ob die drei Spieler vor dem Anpfiff erneut nach ihrer Haltung gefragt werden – und ob Real Madrid eine Position dazu bezieht. Der Klub hat sich bislang nicht öffentlich geäußert.

Mbappé hat gesagt, er wolle eine Botschaft des Friedens senden. Im Metropolitano wird er damit am Sonntag vermutlich nicht durchdringen. Dort zählt, ob der Ball ins Tor geht.

Impressum des Publishers ansehen