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·11. Mai 2026

Das wahre Problem mit dem FC Arsenal

Artikelbild:Das wahre Problem mit dem FC Arsenal

Nach dem 1:0 gegen West Ham entbrennt eine VAR-Debatte. Dahinter steckt ein größeres Phänomen: Antipathie, Neid und Doppelmoral gegenüber Artetas Team.

Eigentlich sollte es an diesem Montag in der englischen Presse darum gehen, was für eine beeindruckende Reaktion der FC Arsenal auf die Niederlage gegen Manchester City zeigte. Vier Zu-Null-Siege in fünf Spielen, ein Unentschieden bei Atlético und der Einzug ins Champions-League-Finale. Die Flasche des ausgelutschten „Bottler"-Narrativs liegt zerbrochen in der Ecke.


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Doch stattdessen wird auf der Insel wieder über den VAR diskutiert. Nicht etwa über eine Fehlentscheidung. Nein, über eine korrekte Entscheidung.

Beim 1:0-Arbeitssieg gegen West Ham United kassierte Arsenal in der Nachspielzeit den vermeintlichen Ausgleich. Allerdings wurde Keeper David Raya beim Versuch, die Hereingabe zu fangen, deutlich am Arm gehalten und damit entscheidend behindert. Eine klare Sache. Daran ändert auch nichts, dass der VAR und Schiedsrichter Chris Kavanagh insgesamt 4:11 Minuten brauchten, um zu diesem Entschluss zu kommen. Zu bedeutsam war dieser Moment für Meisterschaft und Abstieg. Zu unübersichtlich das Geschehen im Strafraum. Die richtige Entscheidung hatte Vorrang, ganz egal, wie lange es dauerte.

Auf X, Instagram und Co. dagegen regiert der Whataboutism. Den gegnerischen Torhüter bei Standards behindern, “das macht Arsenal doch schon die ganze Saison!", heißt es da. Ein Irrglaube.

Erstens: Torhüter aktiv am Arm festzuhalten, gehört ganz sicher nicht zum Standardrepertoire der Gunners. Das einzige Beispiel, das hier krampfhaft herausgeholt wird, ist vom ersten Spieltag, als William Saliba den Arm von Manchester Uniteds Keeper Altay Bayindir kurz wegschob, ehe er überhaupt zum Absprung setzte. Unglücklich. Eine klares Foul? Wohl kaum.

Zweitens: Selbst wenn man bei diesem Beispiel anderer Meinung ist: Seit wann rechtfertigt ein vermeintlicher Fehler der Vergangenheit eine Fehlentscheidung in der Gegenwart? Keine Gleichheit im Unrecht.

Einen Punkt haben die Kritiker jedoch. Wenn es um Standards geht, nutzen die Gunners gerne die hässlichen Grauzonen des englischen Fußballs für sich aus: Sie überladen den Fünfer, blockieren Gegner und stellen den Keeper zu. Die Regeln wurden dahingehend gelockert, seitdem herrscht in den Strafräumen mehr Chaos als in der Downing Street. In allen Strafräumen wohlgemerkt. Der Unterschied ist nur: Die Mannschaft von Mikel Arteta schlägt daraus am effizientesten Kapital, weshalb das Problem häufiger mit ihr assoziiert wird und sie die Kritik erntet.

Und damit nähern wir uns dem eigentlichen, übergeordneten Phänomen: Seit vielen Monaten ist auf der Insel und mittlerweile auch in ganz Europa eine gewisse Antipathie gegenüber den Gunners zu beobachten. Sei es wegen Standard-Toren, pragmatischem Fußball oder Zeitspiel bei engen Führungen.

Mittel, die vielleicht nicht die ästhetischsten sind. Aber auch Mittel, die so alt sind wie der Fußball selbst und bei denen sich so ziemlich alle erfolgreichen Mannschaften bedienen. Verwerflich ist das nicht, erst recht, wenn man dreimal in Folge Vizemeister wurde und andauernde Verletzungsprobleme in der Offensive zu beklagen hat. Doch bei Arsenal ist es plötzlich ein Verbrechen am Fußball.

Dahinter steckt eine historische Erwartungshaltung. Fast zwei Jahrzehnte lang, nach dem Ende der Invincibles-Ära, war Arsenal eine verlässliche Lachnummer der Liga: ein Klub der Minderleistungen, Blamagen und Slapstick-Einlagen. Wenn es beim Verein gerade schlecht lief konnte man sich zumindest über Arsenal lustig machen.

Doch plötzlich ist aus dem schmächtigen Außenseiter auf dem Schulhof, dem man jahrelang das Pausenbrot klaute, ein ernsthafter Rivale geworden. Genau diese neue Rolle wollen viele nicht wahrhaben. Das Resultat ist Neid, Missgunst und unverhältnismäßige Kritik.

Die Empörungsökonomie lebt davon: Arsenal wird für Dinge kritisiert, die bei anderen Klubs kaum jemanden interessieren. Die große Fanbase reagiert darauf, wehrt sich gegen die offensichtliche Doppelmoral – und treibt damit genau den Mechanismus weiter an. Ein Teufelskreis aus Empörung, Interaktion, Reichweite und Algorithmusfutter für die Medien. Arsenal wird nicht kritisiert, weil der Klub anders ist, sondern weil sein Name Klicks garantiert.

Und genau daraus entstehen Narrative, die sich irgendwann verselbstständigen – vor allem bei denen, die Arsenal kaum tatsächlich spielen sehen. Die beste Abwehr der Premier League zu stellen, ist plötzlich ein Grund zum Schämen. „Eklig“ zu verwalten, statt in Schönheit zu sterben, gilt als verachtenswert. Korrekte VAR-Entscheidungen werden zum Skandal — und alles für den Sieg zu tun zur Sünde.

Doch vielleicht ist genau das Arsenals größtes Kompliment: Sie werden nicht mehr belächelt - sie werden bekämpft. Denn wer keine Feinde hat, hat keinen Erfolg.

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