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Justus Pludra·20. Januar 2026
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Justus Pludra·20. Januar 2026
Niko Kovac will gar nicht erst hingucken. "Wir müssen das ignorieren", forderte der Dortmund-Trainer vor dem heutigen Aufeinandertreffen mit Tottenham Hotspur. Die Aussage überrascht zunächst. Schließlich ist das Duell in der Champions League richtungsweisend für beide Teams. Doch bei den Spurs läuft es aktuell so mies, dass der BVB sich zwingen muss, den Gegner nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

Das statistische Horrorkabinett der Londoner ist groß: 2026 wurde in fünf Versuchen noch kein Spiel gewonnen. In der Premier League stehen die Spurs auf Platz 14, obwohl der Verein finanziell oben mitspielt. Verteilt über die letzten fünf Saisons hat der amtierende Sieger der Europa League im Ligavergleich am fünftmeisten für neue Spieler ausgegeben und auch nur fünf Teams zahlen mehr Gehälter.
Doch Geld schießt keine Tore - zumindest nicht, wenn die Investitionen auf Eis liegen. Denn Tottenham wird aktuell von einer ausufernden Verletzungswelle heimgesucht. Bis zu 14 Spieler fallen aus. Trainer Thomas Frank sieht es pragmatisch: "Wir haben im Grunde genommen elf unserer Feldspieler aus der ersten Mannschaft für das Spiel zur Verfügung", ließ er einen ungewollt deutlichen Einblick auf seine voraussichtliche Startelf zu.
Es passt in das glücklose Bild, das Frank momentan abgibt. Erst im letzten Sommer wurde der Däne aus Brentford losgeeist, wo er sich einen Ruf als Übungsleiter erarbeitet hatte, der mit cleveren Entscheidungen aus wenig viel macht. In der Hauptstadt widerfährt ihm gerade eher das Gegenteil.
Inmitten der sportlichen Krise brachte ein simpler Becher Kaffee seinen Trainerstuhl endgültig ins Wanken. Vor dem Spiel gegen den AFC Bournemouth am 7. Januar, dass dann auch noch verloren ging, nahm Frank das koffeinhaltige Heißgetränk aus einem Gefäß zu sich, der mit Logo des Rivalen vom FC Arsenal bedruckt war.
Die Folge war ein Shitstorm in den sozialen Medien, der nicht nur Teile der Anhängerschaft in dem Glauben zurückließ, dass frischer Wind auf der Trainerbank notwendig ist. Paradoxerweise teilte auch der kritisierte Coach diese Sichtweise.
Mit John Heitinga stellten die Spurs am letzten Donnerstag einen neuen Co-Trainer ein. Der Ex-Verteidiger war zuletzt selber Cheftrainer bei Ajax Amsterdam. "Es war ein Prozess, den wir gemeinsam durchlaufen haben. Natürlich war ich maßgeblich daran beteiligt", versicherte der angezählte Frank bei der Verpflichtung seines Assistenten. Hat er seinen eigenen Nachfolger eingestellt?
Klubboss Vinai Venkatesham widersprach dieser Auffassung zuletzt zumindest nicht. Einen Tag nach der Heitinga-Verpflichtung veröffentlichte der erfahrene Geschäftsmann einen öffentlichen Brief mit einem "Update" für die Fans. Allein das klingt schon nicht nach "wir machen so weiter wie bisher". Venkatesham ließ in dem Zuge aber auch nicht unerwähnt, dass das Trainergepann mit Heitinga "verstärkt" worden sei, um die Performance zu maximieren.
Dazu passt die Berichterstattung von Insider David Ornstein, der erfahren haben will, dass Frank eigentlich nur noch Statthalter auf dem Trainerstuhl der Spurs ist und es nicht die Frage sei, ob er entlassen wird, sondern nur wann. Auch ein Sieg gegen Dortmund werde seinen Job nicht retten.
Auch Frank hat längst festgestellt, dass der Wind im Nordosten der englischen Hauptstadt gerade von vorne kommt. "Ich bin voller Energie, ich kämpfe", bemühte der 52-Jährige zuletzt Durchhalteparolen. Doch mit dem Kampfgeist steht er womöglich alleine da.
Denn Ornstein berichtet auch, dass "viele Spieler" unzufrieden seien mit der Arbeit ihres Vorgesetzten, die Fans taten nach der jüngsten Last-Minute-Pleite gegen West Ham ihren Unmut dagegen unmissverständlicher kund. Irgendwie das Ruder rumreißen soll heute Abend eine Rumpfelf, bei der Frank auch noch freiwillig auf einen Hoffnungsträger verzichtet.
📸 Luke Walker - 2026 Getty Images
Bei der Kadernominierung entschied er sich für Dominic Solanke an Stelle des Ex-Bayern-Spielers Mathys Tel. Wie schon in München hat der Franzose bereits in dieser Saison nachgewiesen, dass er wertvoll sein kann für sein Team. Mit bisher drei PL-Toren zählt er teamintern zu den zweittreffsichersten Torjägern. Solanke hat in der laufende Spielzeit noch gar nicht genetzt, auch weil er bis vor Kurzem mit einer Knöchelverletzung ausfiel.
Trotzdem ist sein Startelfeinsatz heute Abend quasi alternativlos. Vielleicht etwas Mut macht den Spurs und Frank die starke Heimbilanz im Europapokal. Seit 23 Spielen sind sie dort ungeschlagen, in den letzten drei dieser Partien blieben sie sogar ohne Gegentor. Reißt auch diese Serie, gehen Frank die Argumente aus - und für die Spurs könnte das Chaos dann richtig eskalieren.
Die Versetzung in der Champions League wäre akut gefährdet und die nächsten Gegner in der Premier League heißen Burnley, Manchester United, Manchester City, Newcastle und Arsenal. Äußerst fraglich, ob Thomas Frank dann noch aus nächster Nähe zugucken darf oder ob er das akut abstiegsgefährdete Geschehen bei den Spurs, genauso wie BVB-Coach Kovac, dann auch schon lieber ignorieren will.
📸 ADRIAN DENNIS - AFP or Licensors
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