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·13. Mai 2026

"Der alte Gauner" aus Freiburg: Julian Schuster

Artikelbild:"Der alte Gauner" aus Freiburg: Julian Schuster

„Ohhh Julian Schuster, du alter Gauner …“ – schon als Spieler hatte der jetzige Coach unseres Gegners am Samstag (15.30 Uhr) seinen eigenen Fansong im Breisgau. Und das, obwohl er nie bekannt war als Lautsprecher oder für die großen Schlagzeilen. Vielleicht passt genau das perfekt zu ihm.

Der Song erzählt vom „Capitano“, der sich „gern mal in den Dreck legt“, „morgens Müsli isst“ und „abends früh ins Bett geht“. Klingt unspektakulär und beschreibt den 41-Jährigen vermutlich deshalb besser als jede Statistik: bodenständig, diszipliniert, unangenehm zu bespielen und maximal glaubwürdig.


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Der Arbeiter mit dem Leipzig-Fluch

242 Pflichtspiele absolvierte der gebürtige Schwabe für den SC Freiburg. Als Schuster 2018 seine Karriere beendete, war er der Spieler mit den zweitmeisten Bundesliga-Einsätzen der Vereinsgeschichte. Sechseinhalb Jahre führte er die Breisgauer als Kapitän aufs Feld.

Schon damals galt Schuster als akribischer Arbeiter. Freiburg-Legende und TV-Experte Nils Petersen beschreibt ihn als Spieler, der „immer jedes Prozent rausgekitzelt“ habe, um auf Bundesliga-Niveau mitzuhalten und sich ständig weiterzuentwickeln. Genau diese Haltung prägt Schuster bis heute.

„Er ist unglaublich ehrgeizig, unglaublich hungrig, unglaublich reflektiert“, sagt Petersen über den heutigen Freiburg-Coach. Gleichzeitig verliere Schuster nie die Bodenhaftung: „Er nimmt sich selbst nicht zu wichtig.“

Schuster war nie der Spieler fürs große Rampenlicht. Dafür einer, den jeder Trainer in seiner Mannschaft haben wollte – einer, der sich passend zum Fansong „gern mal in den Dreck legt“.

Eine Leipzig-Serie zieht sich dabei durch seine gesamte Karriere: Wenn Julian Schuster auf dem Feld stand, gewann Freiburg nie gegen RB Leipzig. Und auch an der Seitenlinie als Trainer konnte er die Roten Bullen noch nicht bezwingen. In seiner Debütsaison verlor Freiburg in Leipzig mit 3:1, das Rückspiel im Breisgau endete 0:0. In dieser Saison gewann RBL im Januar mit 2:0 in der Red Bull Arena.

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Das schwere Streich-Erbe

Nach dem Karriereende blieb Schuster dem SC Freiburg erhalten – erst als Verbindungscoach, später auch als Co-Trainer. Als Freiburg-Ikone Christian Streich im Sommer 2024 aufhörte, blickte die Bundesliga gespannt Richtung Schwarzwald. Viele fragten sich damals, ob überhaupt jemand diese Fußstapfen füllen kann.

„Ich hätte gedacht, dass das vielleicht zwei mittelmäßige Saisons werden könnten“, erklärt Petersen heute. Stattdessen habe Freiburg „krass überperformt“. Schuster habe dabei vor allem eines richtig gemacht: nicht alles verändern zu wollen. „Viele Trainer machen den Fehler, dass sie alles auf den Prüfstand stellen“, sagt Petersen. Schuster dagegen habe verstanden, „dass es schon in eine gute Richtung ging“. Die Hierarchien in der Kabine mit Spielern wie Christian Günter, Nicolas Höfler oder Vincenzo Grifo blieben erhalten.

In seiner ersten Saison verpasste Freiburg haarscharf um zwei Punkte die Champions League – zog in die Europa League ein. Anschließend wurde er für seine Leistung zum Fußballtrainer des Jahres in Deutschland gewählt – und reiht sich in einen Kreis mit Jürgen Klopp, Joachim Löw und Julian Nagelsmann ein.

Sein Trainerdasein beschreibt Schuster jüngst in einem Vereinspodcast mit klaren Worten: „Wenn du als Trainer versuchst, es jedem recht zu machen, dann wirst du scheitern.“ Diese Klarheit zeigt sich auch in seiner Außendarstellung. Petersen sagt über Schuster: „Er weiß sehr intelligent, was er sagt – und noch besser, was er eher nicht sagt.“

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Finale im Kopf, Leipzig vor der Brust

Auch in seiner zweiten Saison hat Freiburg am letzten Bundesliga-Spieltag noch die Chance auf Europa. Der SCF geht als Tabellen-Siebter ins Saisonfinale und liegt im Rennen um die Conference League einen Zähler vor Frankfurt und Augsburg. Gleichzeitig sorgen die Breisgauer international für Schlagzeilen: Mit dem 3:1-Rückspielsieg gegen den SC Braga machte Freiburg den Einzug ins Europa League-Finale perfekt. Bereits am kommenden Mittwoch um 21.00 Uhr wartet in Istanbul nun Aston Villa.

Für Freiburg ist es das zweite große Endspiel der Vereinsgeschichte. Das erste liegt fast auf den Tag genau vier Jahre zurück – und hat aus Leipziger Sicht besonderen Glanz. Am 21.05.2022 gewann RB Leipzig das DFB-Pokalfinale gegen Freiburg mit 4:2 im Elfmeterschießen und holte damit den ersten Titel der Clubgeschichte.

Dass Freiburg weiter auf diesem Niveau spielt, bewertet Petersen als außergewöhnlich. „Man kann das gar nicht hoch genug einschätzen“, sagt er. Vor dem letzten Spieltag sieht der frühere Stürmer dennoch die Roten Bullen im Vorteil: „Das Finale ist natürlich präsent im Hinterkopf, auch wenn es kein Spieler zugeben wird“, sagt Petersen.

Und trotzdem passt genau das irgendwie wieder zu Julian Schuster: Keine große Show, sondern Fokus auf die Aufgabe. Selbst seinen legendären Fansong sieht der Freiburg-Coach bis heute mit einem Augenzwinkern. 

Über den „alten Gauner“ sagte Schuster einmal der Bild: „Den Gauner interpretiere ich als positiv. Man versucht sich ja auch während der Spiele immer mal, etwas zu ergaunern.“

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