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·26. Januar 2026

Der Typ hat ne Meise, aber Rückenwind

Artikelbild:Der Typ hat ne Meise, aber Rückenwind

Am Ende spielte der VfB das Stadion leer. Verständlich, dass die Gladbacher Fans flüchteten, ihre harmlose Trümmertruppe anschauen zu müssen, tat weh.

„Ein schlechtes Spiel“ bescheinigte sich Jamie Leweling dagegen selbst, wobei seine Bilanz ausgeglichen war: Elfmeter verschuldet, Führung erzielt. Schlecht spielte der VfB wirklich nicht, trat aber fast ein bisschen zu locker auf. Gerade am Anfang stimmte die Spannung nicht, auch das Spiel nach vorne wirkte häufig uninspiriert. Aber letztlich machte es Gladbach dem VfB einfach, quasi mit halber Kraft einen 3:0-Auswärtssieg einzufahren. Zwei von drei Toren schoss die Borussia mehr oder weniger selbst.


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Ein Spiel, über das man nicht lange reden wird. Zu unspektakulär, zu klar, zu groß der Klassenunterschied. Wenigstens sorgte Deniz Undav für ein bisschen Gesprächsstoff.

Der Stuttgarter Stürmer ist sensibel. Vor allem bei öffentlicher Kritik reagiert er manchmal eingeschnappt. Nachdem er unglaubliche 235 Minuten ohne Torbeteiligung blieb und einige hochkarätige Chancen vergab, nutzen dies einige Medien, um für Klicks sorgen. Sie stellten „Undav ins Zentrum der Kritik“ oder gaben dem “DFB-Star die Note 6“. Nichts Ungewöhnliches also, so sind die Mechanismen der Branche, dazu grummelten ein paar Fans in den sozialen Medien.

Undav störte sich daran, er will geliebt werden, denn viel zu lange fristete er ein Schattendasein in den Niederungen des Fußballs. Einerseits verständlich, andererseits sollte er sich dies nicht zu sehr zu Herzen nehmen. Das Gute ist: Er lässt sich Ungerechtigkeiten nicht bieten und spricht sie öffentlich an. Sowieso ist er ein ungewöhnlicher, wenn nicht einmaliger Spieler. Was seine Fähigkeiten anbelangt, aber auch wegen seines erfrischenden und ehrlichen Auftretens außerhalb des Platzes. Man muss ihn jedenfalls lieben, ich bin ein ausgewiesener Deniz-Fanboy.

Wer Angriffsfläche bietet – und sei es mit so lächerlichen und bunten Themen wie Döner oder einem Rolls-Royce SUV – wer sich auch sportlich in den Mittelpunkt stellt, muss damit rechnen, beim kleinsten Anlass kritisiert zu werden. Die alte Boulevard-Geschichte: „Wir fahren mit dir den Aufzug hoch. Aber du fährst ihn mit uns auch wieder runter“. Jetzt nutze Undav den Rückenwind seines Treffers und überhaupt seiner insgesamt sehr überzeugenden Performance seit seiner Verletzung, um Medien und Umfeld die Meinung zu geigen. Was wiederum für Klicks und die nächste Fallhöhe sorgt. Ein ewiger Kreislauf also …

Nachdem Undav nicht kritisiert werden konnte, wer ist jetzt dran? Ermedin Demirovic natürlich.

Eigentlich schon von Anfang an: zu teuer, zu langsam, technisch zu limitiert sei er. Und es stimmt schon, ein fluides Kombinationsspiel ist mit ihm (noch) nicht möglich. Er ist ein one-touch-Angreifer, ein Vollstrecker, der Strafraum ist sein Revier. Sebastian Hoeneß hat es noch nicht geschafft, ihn richtig zu integrieren und seine Stärken zu nutzen. Dass er weiß, wo das Tor steht und einen Riecher für gefährliche Situationen hat, sahen wir zuletzt gegen Frankfurt.

Drei Auswärtssiege mit 4:0, 4:1 und 3:0 hintereinander, zehn Punkte in vier Bundesligaspielen 2026: You can call it a Lauf.

Zur Wahrheit gehört auch, dass mit Ausnahme von Union Berlin und AS Rom die letzten Gegner nicht unbedingt ihr Prime Game auf den Platz brachten. Aber das so auszunutzen ist auch eine Qualität. Eine Qualität, die vor Hoeneß kaum vorhanden war. Stichwort Aufbaugegner, langjährige Fans kennen das. Wie lange diese Qualität anhalten wird entscheidet über das Abschneiden des VfB in der Saison 2025/2026.

Zum Weiterlesen: Unser VertikalGIF „Fohlen versohlen“ stellt fest: Wenn die Regel besagt, dass Jamie ein strafwürdiges Handspiel begangen hat, dann ist die Regel scheiße.

Rund um den Brustring sah ein Spiel, dass der VfB “fast wie von selbst” gewann.

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