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·16. Januar 2026

Der VAR bringt Gerechtigkeit, doch er raubt dem Fußball seine Seele

Artikelbild:Der VAR bringt Gerechtigkeit, doch er raubt dem Fußball seine Seele

Nach acht Jahren Videobeweis zeigt eine Umfrage unter Bundesliga-Profis: Kein Kapitän hält die Dauer der Checks für angemessen, die Mehrheit sieht keine Verbesserung.

Acht Jahre Videobeweis in der Bundesliga, und die Bilanz fällt ernüchternd aus. Eine Umfrage von RTL/ntv unter Trainern und Kapitänen der ersten beiden Ligen offenbart ein Bild, das die DFL nicht ignorieren kann: Kein einziger der befragten Spielführer hält die Dauer der VAR-Überprüfungen für angemessen. Nicht einer. Das ist kein Stimmungsbild, das ist ein Urteil.


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Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. 81,3 Prozent der Trainer bewerten die Videochecks als zu lang. Mehr als die Hälfte der Kapitäne sieht seit der Einführung zur Saison 2017/18 keine Verbesserung. Bei den Coaches sind es exakt 50 Prozent, die keinen Fortschritt erkennen können. Wohlgemerkt: Das sind Menschen, die jeden Spieltag am Spielfeldrand stehen, die den Rhythmus eines Spiels spüren, die wissen, was Unterbrechungen mit einer Mannschaft machen.

Die DFL kontert mit Statistiken. Die halbautomatische Abseitserkennung habe die Entscheidungszeit bei Abseitsfragen von über 35 auf 24 Sekunden reduziert. Auch die Gesamtdauer aller VAR-Interventionen sei im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Das klingt nach Fortschritt auf dem Papier. Doch die Wahrnehmung derjenigen, die das Spiel gestalten, erzählt eine andere Geschichte. Wenn das neu eingeführte Public Announcement – also die Erklärung der Entscheidung im Stadion – wieder Zeit kostet, frisst die Transparenz den Zeitgewinn auf.

Größere Gerechtigkeit durch VAR

Immerhin: Rund 62,5 Prozent der Befragten sehen grundsätzlich eine größere Gerechtigkeit durch den VAR. Das ist das Argument, das die Befürworter seit Jahren ins Feld führen. Und es stimmt ja auch: Grobe Fehlentscheidungen lassen sich korrigieren, Tore aus klarer Abseitsposition werden zurückgenommen, Handspiele im Strafraum werden erkannt. Der VAR hat seinen Nutzen.

Aber Gerechtigkeit allein reicht nicht. Fußball lebt von Emotionen, von Momenten, von der Unmittelbarkeit des Erlebens. Wenn Spieler nach einem Tor minutenlang warten müssen, ob der Jubel Bestand hat, geht etwas verloren. Wenn Trainer an der Seitenlinie stehen und nicht wissen, ob sie ihre Mannschaft pushen oder beruhigen sollen, leidet das Spiel.

Die Umfrage zeigt, dass die DFB-Schiedsrichter ein Kommunikationsproblem haben. Die technischen Verbesserungen kommen bei den Betroffenen nicht an. Oder sie reichen schlicht nicht aus. Acht Jahre sind eine lange Zeit, um ein System zu optimieren. Dass die Mehrheit der Profis keine Entwicklung wahrnimmt, ist ein Befund, der Konsequenzen haben muss. Nicht in Form von Abschaffungsforderungen, aber in Form von ehrlicher Selbstkritik. Der VAR braucht nicht nur bessere Technik. Er braucht ein besseres Verständnis dafür, was er dem Spiel nimmt, während er ihm Gerechtigkeit gibt.

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