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·27. September 2026

DFB-Sportdirektor Rudi Völler im Interview: Wie bewertet er den Start unter Klopp?

Artikelbild:DFB-Sportdirektor Rudi Völler im Interview: Wie bewertet er den Start unter Klopp?

Rudi Völler hat in der Bild am Sonntag ausführlich über den Neustart unter Jürgen Klopp gesprochen. Der DFB-Sportdirektor äußert sich zur Premiere in Amsterdam, zu den Fehlern der WM, zu Florian Wirtz, zu Fifa-Präsident Gianni Infantino und auch zu seiner Sorge über den politischen Rechtsruck.

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DFB-Sportdirektor Rudi Völler bei einer Pressekonferenz der Nationalmannschaft am 27. Juni 2026 in Winston-Salem. (Alexander Hassenstein / Getty Images North America via Getty Images)


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Das Gespräch führten die Bild-Reporter Christian Falk und Yvonne Gabriel. Die Kader-Passage mit dem kleineren Aufgebot im November haben wir bereits in Völlers Aussagen zum XXL-Kader zusammengefasst. Hier die übrigen Themen im Überblick:

Was Völler über Klopp sagt

Für die Premiere beim 1:1 gegen die Niederlande vergibt Völler die Note „Gut“. „Wir haben einen wichtigen Punkt in den Niederlanden geholt. Das war ein guter Auftakt.“ Die Diskussion um die Szene vor dem deutschen Führungstor sieht er gelassen: Den Ball ins Aus zu spielen, hält er nur bei Kopfverletzungen für nötig.

Klopps erste Ansprache an die Mannschaft hat ihn beeindruckt. Völler lobt, dass der Bundestrainer völlig authentisch und voller Energie auftrete und es schaffe, die Menschen auf seine Seite zu ziehen. Gleichzeitig mahnt er Geduld an: Wenn ein Spiel mal nicht wie gewünscht laufe, müsse man dem eingeschlagenen Weg weiter vertrauen. Er erinnert daran, dass es auch unter Julian Nagelsmann bis zur WM elf Siege in Folge gab. Entscheidend sei am Ende das Turnier, und das nächste ist die EM in zwei Jahren.

Auch im Training spürt Völler Klopps Energie. Er fühlt sich an einen alten Weggefährten erinnert: Christoph Daum sei in diesem Punkt ähnlich gewesen. Dass Klopp auch die Hotellobby für Gespräche mit den Spielern nutzt, früher eher Völlers Revier, stört ihn nicht. „Wir kommen uns da nicht in die Quere. Klar, Jürgen ist gefühlt überall. Aber das war ja auch so gewollt und ist richtig so.“

Zu Klopps neuen Regeln unter Klopp sagt Völler, jeder Trainer habe eigene Vorstellungen, Disziplin sei die Basis. Am Ende zähle aber, was auf dem Platz passiert: „Es ist immer noch viel wichtiger, dass die Flanke vor das Tor fliegt und nicht dahinter.“

Alte Berührungspunkte zwischen Völler und Klopp

Die beiden kennen sich lange. Völler wollte Klopp 2008 als Trainer nach Leverkusen holen, als dieser von Mainz nach Dortmund wechselte. Später wollte Klopp Karim Bellarabi nach Liverpool lotsen, als Völler noch in Leverkusen war. Als Joachim Löw 2021 vorzeitig aufhörte, stand Klopp noch in Liverpool unter Vertrag. Völler geht davon aus, dass Klopp als Bundestrainer über die Jahre immer mal ein Thema war.

Nagelsmann, WM-Familienbesuch und Wirtz

Mit Julian Nagelsmann hat Völler seit dem WM-Aus mehrfach telefoniert. Er rechnet fest mit einem schnellen Comeback: „Und dann wird er schnell wieder eine absolute Top-Mannschaft übernehmen, da habe ich keine Zweifel. Er ist ein exzellenter Trainer.“ Die anfangs positive Stimmung unter Nagelsmann sei irgendwann leider etwas gekippt.

Uli Hoeneß hatte die vielen Familienbesuche bei der WM als „Betriebsausflug“ bezeichnet. Völler kann die Kritik von außen nachvollziehen, widerspricht aber im Kern: „Deswegen haben wir die Elfmeter gegen Paraguay nicht verschossen.“ Andere Verbände hätten es ähnlich gehandhabt, manche hätten ihre Spieler sogar zwischendurch nach New York gelassen. Das eigentliche Problem sei die Macht der Bilder gewesen, etwa als Familien am Flughafen aus der Mannschaftsmaschine stiegen. Schon nach dem ersten oder zweiten Spiel habe er geahnt, dass das bei Misserfolg zurückkommen könnte. Bei der EM 2028 werde es wegen der kürzeren Wege ohnehin anders laufen.

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Rudi Völler am 27. Juni 2026 auf einer Pressekonferenz der Nationalmannschaft während der WM in Winston-Salem. (Alexander Hassenstein / Getty Images North America via Getty Images)

Deutlich wird Völler bei Florian Wirtz, der in England unter Dauerkritik steht: „Ich sehe einen Spieler, der alles tut, um seine außergewöhnlichen Qualitäten auch in England auf den Platz zu bringen. Flo ist immer noch jung, und er ist einfach Weltklasse!“ Wirtz und Jamal Musiala nennt er die Zukunft der Nationalmannschaft. Frankreich und Spanien hätten starke Kader, „aber ich weiß: Wir sind besser, als wir es zuletzt gezeigt haben“.

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Bernd Neuendorf, Rudi Völler, Jürgen Klopp und Hans-Joachim Watzke (von links) am 24. Juli 2026 am DFB-Campus in Frankfurt am Main. (Copyright AFP/John MacDougall)

Völlers Kritik an Infantino

Fifa-Präsident Gianni Infantino strebt trotz massiver Kritik eine weitere Amtszeit an. Über die Verleihung des „Friedenspreises“ an Donald Trump musste Völler nach eigener Aussage eher schmunzeln. Die Idee, Anteile an der WM zu verkaufen, nennt er grenzwertig. Am meisten gestört hat ihn aber die zurückgenommene Rote Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun während der WM: „Ich an seiner Stelle hätte gesagt: Donald Trump hat mich angerufen, aber ich bin der Fifa-Präsident und sage jetzt, Balogun bleibt gesperrt, weil alles andere ja Betrug am Fußball ist.“ Mehr zur Debatte: Vier Top-Ligen üben heftige Kritik an Infantino.

Sorge über den Rechtsruck

Nach einer Enttäuschung wie bei der WM brauche es eine Aufbruchstimmung, sagt Völler, und die entstehe bei einem Wechsel auf dem Posten des Bundestrainers. In Deutschland wirke vieles gerade bedrückt, auch die jüngsten Wahlen hätten Spuren hinterlassen. Nach den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, bei denen die AfD jeweils stärkste Kraft wurde, beschreibt Völler das Phänomen als europäisches Problem. Er ist mit einer Italienerin verheiratet, die den Rechtsruck in ihrer Heimat ebenfalls ablehnt. „Ich sehe die Entwicklung mit Sorge, die Empfänglichkeit für extreme Positionen und Parteien verschiedener Ausprägung nimmt auch in Deutschland zu.“

Häufige Fragen zum Völler-Interview

Welche Note gibt Völler der Klopp-Premiere?

Er bewertet den Auftakt mit „Gut“, das 1:1 in den Niederlanden sei ein wichtiger Punkt gewesen.

Was sagt Völler zu Florian Wirtz?

Er hält Wirtz für Weltklasse und einen zentralen Spieler der Nationalmannschaft für die kommenden Turniere.

Warum kritisiert Völler Gianni Infantino?

Vor allem wegen der zurückgenommenen Roten Karte gegen den US-Stürmer Balogun bei der WM. Für Völler war das ein Eingriff in den Sport.

Hat Völler noch Kontakt zu Julian Nagelsmann?

Ja, die beiden haben seit der WM einige Male telefoniert.

Wann ist das nächste Heimspiel der Nationalmannschaft?

Am 27. September 2026 um 20.45 Uhr in Augsburg gegen Griechenland, live in der ARD. Alles zum Länderspiel gegen Griechenland.

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