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·16. März 2026

Die Bayern haben im Schiri-Streit recht – aber ihr Ton vergiftet die Debatte

Artikelbild:Die Bayern haben im Schiri-Streit recht – aber ihr Ton vergiftet die Debatte

Dingert räumte seinen Fehler bei der Díaz-Roten live ein – doch Hoeneß und Dreesen überzogen mit Superlativen und Opfererzählung. Auch die VAR-Regellücke bei Gelb-Rot bleibt ein Problem.

Christian Dingert steht nach dem Abpfiff vor der Sky-Kamera und sagt einen Satz, den man von Bundesliga-Schiedsrichtern fast nie hört: Er habe sich geirrt. Die Gelb-Rote Karte gegen Luis Díaz – zu hart, würde er so nicht mehr geben. Ein Schiedsrichter, der seinen Fehler einräumt. Live. Vor Millionenpublikum.


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Ich dachte: Das ist ein bemerkenswerter Moment. Ehrlich, mutig, richtig.

Und dann sprachen Hoeneß und Dreesen, die Bayern-Bosse.

Uli Hoeneß nannte es die „schlechteste Leistung eines Schiedsrichterteams", die er je erlebt habe. Vorstandschef Dreesen sprach von einer „Phase, in der wir immer wieder mit fragwürdigen Entscheidungen konfrontiert waren" – und forderte den DFB auf, das Niveau seiner Schiedsrichter zu verbessern. Bayern legte Einspruch gegen die Díaz-Sperre ein. Und das Ärgerliche daran ist: In der Sache haben sie recht.

Díaz ging im Strafraum nach einem Kontakt mit Torwart Blaswich zu Boden, stand sofort wieder auf, forderte nicht einmal einen Elfmeter. Dingert zeigte trotzdem die zweite Gelbe Karte – wegen einer Schwalbe, die keine war. Joshua Kimmich brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: „Das ist im Leben keine Schwalbe." Selbst Dingert sieht das inzwischen so.

Dazu kommen zwei aberkannte Tore von Tah und Kane, jeweils wegen Handspiel, ein weiteres wegen hauchdünnem Abseits. Drei Treffer, die nicht zählten, zwei Platzverweise, ein Schiedsrichter am Limit. Man muss kein Bayern-Fan sein, um zu sagen: Das war zu viel für 90 Minuten.

Und es gibt ein strukturelles Problem, das über diesen Spieltag hinausreicht: Der VAR darf bei Gelb-Rot-Entscheidungen bislang nicht eingreifen. Erst ab der kommenden Saison will das IFAB das ändern. Bis dahin bleibt eine Regellücke, die Sperren und Spiele beeinflussen kann – und die kein Klub der Welt selbst schließen kann. Die Díaz-Szene ist der beste Beweis dafür, dass diese Lücke dringend geschlossen werden muss.

So weit, so berechtigt. Doch dann kommt der Teil, an dem sich Bayern selbst schadet.

Wenn der Vorstandsvorsitzende Jan-Christian Dreesen von einer „Phase fragwürdiger Entscheidungen" spricht und Spiele beim HSV, in Dortmund und Leverkusen aufzählt, dann klingt das nicht mehr nach Sachkritik. Das klingt nach Opfererzählung. Und eine Opfererzählung vom FC Bayern – dem Klub, der die Liga seit über einem Jahrzehnt dominiert, der mit neun Punkten Vorsprung die Tabelle anführt – wirkt nicht mutig. Sie wirkt maßlos.

Wenn Hoeneß die „schlechteste Schiedsrichterleistung aller Zeiten" bemüht, entwertet er jede berechtigte Kritik durch Superlative, die der Sache nicht gerecht werden. Es war ein schwacher Schiedsrichtertag. Es war nicht die Apokalypse.

Und übrigens: Nur Stunden vor dem Anpfiff hatte Bayer-Boss Fernando Carro bei Sky seine Strafe für die Beleidigung von Schiedsrichter Stieler nach dem Mainz-Spiel öffentlich gemacht. Zwei Klubs, ein Wochenende, eine Eskalation – der Respekt gegenüber den Unparteiischen erodiert von allen Seiten.

Bayern hat das Recht, Fehler zu benennen. Jeder Klub hat dieses Recht. Und der DFB muss die VAR-Regellücke bei Gelb-Rot-Entscheidungen schneller schließen, als er es bisher vorhat.

Aber wer jede strittige Entscheidung zur Systemkrise erklärt und dabei den Ton einer Anklage wählt, der erreicht am Ende das Gegenteil: Man hört nicht mehr hin. Und genau das ist das Ergebnis, das sich der deutsche Fußball am allerwenigsten leisten kann.

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