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·30. April 2026
Die böse Stiefmutter Riera - Ein Frankfurter Schauermärchen ohne Happy End

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·30. April 2026

Holla, die Waldfee, was ist da bitte am Main los? Bei Eintracht Frankfurt hatte man in den letzten Jahren eigentlich immer den Eindruck, dass sich der Klub in seinem Umfeld und vor allem auch sportlich auf dem richtigen Weg befindet und sich Stück für Stück weiterentwickelt. Die Frankfurter konnten sich festigen, etablieren, für teure Transfers und sportliche Erfolge sorgen und setzten sich im oberen Tabellendrittel der Bundesliga fest. Ganz nebenbei wurde der Vereinsname auch international wieder wahrgenommen.
Die Grundstimmung rund um die SGE war in Fußballdeutschland eigentlich eher so, dass man sich an vielen mitreißenden und packenden Spielen, auch auf internationaler Bühne, erfreuen konnte. Doch nach den Fußballfesten der jüngeren Vergangenheit ist die Gegenwart mittlerweile eher trist und von angespannten Beziehungen bestimmt.
Nachdem man zunächst einen ordentlichen Saisonstart 2025/26 hingelegt und große Hoffnungen auf eine erneut erfolgreiche Saison geschürt hatte, kam der harte Fall der Adler vom Main, hin zum schwankenden Mittelmaß. Dieser gipfelte letztlich in der Trainerentlassung von Dino Toppmöller, nachdem die Leistungen wöchentlich wechselten und die Entwicklung zu stagnieren schien. Nach dem 3:3-Unentschieden gegen Werder Bremen am 18. Spieltag wurde der damalige Cheftrainer entlassen und durch den hierzulande noch unbekannten spanischen Trainer Albert Riera ersetzt.

Wurde nach 18 Spieltagen von seinen SGE-Aufgaben entbunden: Dino Toppmöller | picture alliance/GettyImages
Die anfänglich großen Hoffnungen rund um den neuen Mann wurden eigentlich nur noch von dessen großspurigen Ankündigungen übertroffen - doch den großen Worten folgten keine großen Taten. Nach elf Bundesligaspielen unter der Leitung von Riera bleibt festzuhalten, dass sich die sportliche Lage in Frankfurt keineswegs verbessert hat. Mit einem Punkteschnitt von 1,45 Zählern pro Partie steht Riera aktuell sogar schlechter da als Vorgänger Dino Toppmöller, der in den ersten 18 Saisonspielen immerhin einen Punkteschnitt von 1,50 Zählern pro Partie erreichen konnte - und auch spielerisch bleibt der Riera-Fußball vieles schuldig.
Noch viel mehr als die sportlichen Ergebnisse stehen mittlerweile aber die nicht abreißenden Störgeräusche um den Trainer im Rampenlicht der Eintracht. Nicht nur, dass Riera mit seinen fragwürdigen Aussagen und Analysen weiterhin aneckt, spannt sich offenbar auch das Verhältnis zwischen ihm und seiner Mannschaft weiter an.

Gestörtes Verhältnis zwischen Riera und seinen Spielern? | picture alliance/GettyImages
Nachdem bereits massive Frustgeschichten um die beiden Offensivstars Can Uzun und Ritsu Doan aufgetaucht waren, folgte nun die nächste Meldung über einen heftigen Zoff zwischen Albert Riera und Stürmer Jonathan Burkardt, bei dem wohl sogar Sportvorstand Markus Krösche einschreiten musste.
Das Bild bei Eintracht Frankfurt zeichnet sich für mich mittlerweile wie in einem Märchen der Gebrüder Grimm ab, in dem Albert Riera die Rolle der bösen Stiefmutter einnimmt. In Grimms Märchen wird diese Rolle etwa bei Schneewittchen oder Aschenputtel eingesetzt und verkörpert Machtgier, Eifersucht und Grausamkeit. Mit etwas Fantasie fällt es mir nicht sonderlich schwer, die Frankfurter Stars Uzun, Doan und Burkardt als die eingesperrten, verstoßenen oder im Wald ausgesetzten Kinder zu sehen, die nicht wissen, woran sie beim bösen Stiefmütterlein sind und welche schmerzliche Strafe sie ihnen als nächstes zufügt.

Fürchten die Eintracht-Stars die Launen des bösen Stiefmütterleins aus Spanien? | picture alliance/GettyImages
Um aber gleich wieder den Bogen zum Fußball zu spannen, kann ich aus eigener Trainersicht und noch unter Vorbehalt nicht nachvollziehen, wie Albert Riera mit seinen Spielern umzugehen scheint, wenn all die Meldungen um ihn und seine teils unverständlichen Handlungen in diesem Zusammenhang tatsächlich auch der Wahrheit entsprechen.
Dass der Spanier vor Selbstvertrauen strotzt, ist schön und gut, aber ich habe das Gefühl, dass Riera sich selbst größer sieht, als er tatsächlich ist. Er kommt als unbeschriebenes Blatt in die Bundesliga und somit in eine der großen fünf Topligen Europas. Als Trainer hat er bisher nichts Bedeutendes in der Elite dieser Branche geleistet und war bis zu seiner Ankunft bei der SGE quasi ein unbedeutender Schatten, den hierzulande niemand wirklich kannte. Nun den großen Zampano zu markieren und sich wöchentlich mit eigenen Spielern anzulegen, die für den Verein und die sportliche Leistungsfähigkeit sowie die Identifikation wichtig sind, kann nicht der richtige Weg sein und müsste Riera am langen Ende gewaltig in den Allerwertesten beißen.
Ich wiederhole: Unter dem Vorbehalt, dass all diese (Schreckens-)Meldungen über Riera und sein angebliches Verhalten tatsächlich zutreffen, komme ich zu dem einzigen Schluss, dass der Spanier offenbar stark narzisstisch veranlagt ist und in Frankfurt über kurz oder lang möglicherweise an einem übersteigerten Selbstwertgefühl, seinem Bedürfnis nach Bewunderung, seinem Ego und seiner scheinbar mangelnden Empathie scheitern wird. Egal, wie gut du als Fußballfachmann bist: Wenn du keine Menschen führen kannst und immer nur andere Schuld für dein Versagen tragen, bist du zum Scheitern verurteilt.

Ist das Riera-Experiment gescheitert? | KIRILL KUDRYAVTSEV/GettyImages
Auf dem Weg, den Eintracht Frankfurt vor Jahren erfolgreich eingeschlagen hat, kann man es sich aber nicht erlauben, das gesamte Haus von einer bösen Stiefmutter aufmischen zu lassen.Deshalb sehe ich aus persönlicher Sicht nur darin einen Ausweg, die Zusammenarbeit mit Riera spätestens zum Saisonende zu beenden, um klare Fakten zu schaffen und zu verhindern, dass die vergraulten Kinderlein endgültig vor der zankenden Stiefmutter flüchten.
Die Adler müssen sich auf der Trainerposition neu erfinden und sollten die Planungen dafür am besten schon am Laufen haben. Dass die Zusammenarbeit mit Albert Riera noch zum großen Erfolg wird, daran glaube ich persönlich nicht mehr. Wenn es dir als Trainer – vor allem als neuem Trainer ohne große Errungenschaften – nicht gelingt, deine Mannschaft hinter dich zu bringen, dann bist du früher oder später verloren.

Eintracht Frankfurt benötigt einen zeitigen Neuanfang | picture alliance/GettyImages
Zieht die SGE diese Geschichte mit in die neue Saison, ist abzusehen, dass das ein ganz böses Ende nehmen wird. Bevor man sich also möglicherweise innerhalb der ersten zehn Spieltage der kommenden Saison vom Trainer trennen muss, dann unter Druck gerät und bis dahin auch noch jede Menge gutes Personal vergrault, macht nun eine nicht mehr lange auf sich wartende Trennung Sinn, die dem Team und dem Verein eine echte Chance gibt, die Segel neu auszurichten und das gescheiterte Experiment zu vergessen.
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