MillernTon
·5. August 2026
Die einzige Möglichkeit

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·5. August 2026

Die Wege des FC St. Pauli und Jackson Irvine trennen sich. Es ist der einzige Ausweg aus einem Konflikt, der schon zu lange schwelt.
Ein Kommentar von Tim
Spätsommer 2024, Jackson Irvine hatte seinen Vertrag beim FCSP verlängert und es war eine Art Peak rund um seine Person erreicht. „Wie kann man ihn nicht lieben als Fan des FC St. Pauli?“, fragte ich im entsprechenden Artikel und das klingt zwar fürchterlich kitschig, aber war deswegen nicht weniger ernst gemeint. Damals war nicht vorstellbar, dass diese Beziehung derart in Schwierigkeiten geraten könnte. Aber sie ist es. So sehr, dass der nun verkündete Wechsel nach Japan einer Erlösung gleichkommt. Aus „für immer“ ist „endlich vorbei“ geworden. Weil an dieser Personalie seit einiger Zeit ein Konflikt offen zu Tage tritt, der Spaltungspotenzial besitzt.
Denn Jackson Irvine hat bei seinen Worten und Aktionen zum Thema Nahost-Konflikt darauf verzichtet, Wogen zu glätten. Vielmehr betonte er, dass er sich mit der Kritik an seinem Aktionen alleingelassen fühlt. Dieser Konflikt sorgte dafür, dass mehr und mehr ein Keil in die Fanszene des FCSP getrieben wurde. Fernab davon, ob man sich nun eher auf der Seite von Irvine oder nicht befunden haben mag, dürfte man sich einig sein: Seiner Rolle als Kapitän eines Fußballclubs, also als jemand, der für Zusammenhalt sorgen soll, ist er damit nicht gerecht geworden. Er hat damit eine Spaltung zugelassen. In dem Verein, zwischen den Fans, von dem/denen er vorgab, dass sie ihm so wichtig sind.
Weil mindestens eine Seite keinen Bock darauf hatte, auf die andere zuzugehen, ist dieser Konflikt nun ungelöst geblieben. Er wird durch den jetzt vollzogenen Wechsel einfach begraben. Man mag sagen, dass damit nun eine gute Lösung gefunden wurde. Es war aber auch die einzige, um diesen Konflikt mit Beteiligung Irvines zu beenden.
So bleiben nun zwei Lesarten des Endes von Jackson Irvine beim FC St. Pauli übrig. Die einen werden von nun an die Geschichte erzählen: „Jacko wurde aus dem Verein gemobbt und geekelt.“ Die anderen erzählen: „Jacko hat sich willentlich zum Posterboy von Antisemit*innen machen lassen. Und da er auf diese Abgrenzung bis zuletzt verzichtet, bleibt nur eine Schlussfolgerung: Weil er es nicht wollte. Deshalb musste er gehen.“
Zwischen diesen beiden Lesarten und Meinungen gibt es noch etliche weitere, in allen Formen, Farben und Abstufungen. Die skizzierten sind aber die lautesten, sie stehen sich unvereinbar gegenüber und deren Geschichten gehen auch jeweils auf. So haben die Hardliner gewissermaßen gewonnen, Schritte aufeinander zu sind rund um die Causa Irvine nun nicht mehr möglich. Ich finde es total traurig, dass es so endet.
Dieser Konflikt steht konträr zu den Äußerungen, in denen der FC St. Pauli an vielen Ecken und Enden den Zusammenhalt der Gesellschaft beschwört, auch immer wieder betont, wie wichtig es ist, auf andere Meinungen zuzugehen, sie auszuhalten. In diesem Fall scheint dem Verein das nicht geholfen zu haben/gelungen zu sein. Spätestens ab letztem Herbst war es nur noch ein „Aushalten“, weder Verein noch Irvine äußerten sich zu der Thematik, die Situation war insgesamt schwer zu ertragen. Und je länger sie andauerte, umso deutlicher wurde: Eine Annäherung wird es nicht mehr geben.
Was bei diesem Transfer nun viel zu kurz kommt, ist die sportliche Sichtweise. Sie ist zwischen lauten Meinungsäußerungen einfach zu leise. Daher ist es wichtig, sie einmal runterzuschreiben: Jackson Irvine war einer der Topverdiener beim FC St. Pauli, hat aber zuletzt sportlich nicht mehr an die Leistungen zwischen 2022 und 2024 anknüpfen können, auch weil er chronische Fußprobleme hat und seine Rolle als Führungsspieler (und Kapitän) nur noch bedingt wahrnahm und wahrnehmen konnte. Wenn man davon ausgeht, dass Irvine mit 33 Jahren nun auch in der 2. Liga nicht an das Niveau von damals herankommen kann, dann ist es für den FC St. Pauli die Optimallösung, ihn für eine Ablöse aus dem Vertrag zu bekommen. Es ist das deutlichste Zeichen, dass man beim FCSP nun den kompletten Neuanfang möchte. Sportchef Andreas Bornemann war sowieso nie bekannt dafür, dass er sonderlich viel Rücksicht auf emotionale Verflechtungen nimmt. Die Abgänge von Himmelmann, Makienok, Lawrence und Schultz unterstreichen das. Nun wurde die Zusammenarbeit mit Irvine ähnlich unemotional beendet – und auch aus sportlicher Sicht ist diese Entscheidung absolut nachvollziehbar.
So löst der Abgang von Jackson Irvine bei mir vor allem Erleichterung aus. Erleichterung darüber, dass diese Geschichte nun ein Ende hat. Aber er macht mich auch traurig. Denn aus sportlicher Sicht ist das Ende unter diesen Umständen für den FC St. Pauli zwar eine gute Sache. Dass es aber nicht gelungen ist den Konflikt zu lösen, ist beschissen. Es lässt verhärtete Fronten zurück und wann und ob sich dieser Keil, der in der letzten Zeit in die Fanszene getrieben wurde, lösen lässt, erscheint fraglich.
Das Ende der Zeit von Jackson Irvine beim FC St. Pauli war zwingend notwendig. Und mit dem jetzt vollzogenen Wechsel wurde die beste Möglichkeit gewählt. Weil sie die einzige war.
// Tim
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