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·17. September 2026

Die schöne Qual der Wahl

Artikelbild:Die schöne Qual der Wahl

Gegen den VfL Wolfsburg konnten Spieler überzeugen, die vorher keine Rolle spielten. Nun kehren Stammspieler zurück. Der Konkurrenzkampf beim FC St. Pauli ist extrem.(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Eric Smith? Füllte die Rolle des modernen Liberos so gut und zuverlässig aus, wie seit seiner Zeit unter Fabian Hürzeler nicht mehr.Abdoulie Ceesay? Gelang es fast im Alleingang die Wolfsburger Hintermannschaft nahezu das gesamte Spiel über voll zu beschäftigen.Joel Fujita? Zeigte, warum er im Zuge seiner Verpflichtung als einer der größten Transfers in der Geschichte des FC St. Pauli bezeichnet wurde.Connor Metcalfe? Ist in der Form von Samstag nicht weniger als DIE Neuentdeckung beim FC St. Pauli auf der Zehnerposition.


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Hrgota, Mathisen und Andō kehren zurück

Der Blick auf einige der Spieler, die gegen den VfL Wolfsburg in der Startelf standen, macht deutlich: Keiner dieser Spieler hat mit den in dieser Partie gezeigten Leistungen einen Grund dafür geliefert, beim nun anstehenden Spiel in Cottbus den Platz in der Startelf wieder abzugeben. Im Gegenteil, sie alle haben gewichtige Argumente dafür gesammelt, dass sie auch zukünftig in die Startelf des FC St. Pauli gehören. Eigentlich sollte also niemand von ihnen befürchten, nun wieder Platz machen zu müssen für jene Spieler, die am vergangenen Samstag von ihnen ersetzt wurden.

Damit kommen wir ziemlich direkt zu einem bemerkenswerten „Problem“, das der FC St. Pauli vor dem Spiel gegen Energie Cottbus hat. Denn mit Marcus Mathisen (nach überstandener Krankheit), Branimir Hrgota (nach überstandenen Problemen an der Ferse) und Tomoya Andō (nach privaten Dingen, die seine Aufmerksamkeit verlangten) stehen nun gleich drei Spieler wieder zur Verfügung, die in den fünf Pflichtspielen zuvor immer zu Beginn auf dem Platz standen. Doch gibt es nach dem erfolgreichen Spiel gegen Wolfsburg für diese drei Spieler nun überhaupt Platz in der Startelf?

Never Change A Winning Team?

Marcel Rapp hat also die auf der einen Seite sehr luxoriöse, auf der anderen aber durchaus knifflige Aufgabe, aus einem Kader mit mehr als elf Startelfspielern eine Startelf zu bilden. Das ist grundsätzlich hocherfreulich. Denn die Fragezeichen bei der Besetzung der Startelf kommen aufgrund von guten Leistungen einiger Spieler zustande. Es ist aber sicher durchaus kompliziert, diese Kadersituation zu moderieren. Denn hier geht es nicht um Spieler, die sich über jede einzelne Spielminute freuen. Mit Hrgota, Mathisen und Andō kehren drei Spieler zurück, die vor der Saison berechtigten Anspruch auf die Startelf hatten (und diesen noch haben?). Die beiden Erstgenannten sind sogar Vize-Kapitäne hinter David Nemeth und Teil des Mannschaftsrates. Aber bedeuten diese Positionen neben dem Platz automatisch, dass sie im fitten Zustand automatisch auch auf dem Platz stehen? Nicht unbedingt, vor allem, da in ihrer Abwesenheit andere überzeugen konnten.

Spielen wir also die Optionen für die Startelf des FC St. Pauli am Sonntag in Cottbus einmal durch:Sollte nach dem Sieg gegen Wolfsburg überhaupt etwas geändert werden? Der Leitsatz „Never Change A Winning Team“ ist tatsächlich einer der wenigen, der club- und wettbewerbsübergreifend angewendt wird, wie Nüesch und Haas (2012) in einer Studie aufzeigen konnten. Allerdings zeigte diese Studie auch, dass Teams dadurch nicht erfolgreicher sind, als wenn rotiert wird. Es ist aber auch schwer, das methodisch zu erfassen (wie in der Studie selbst angemerkt wird). Schließlich gibt es Teams wie den FC St. Pauli 23/24 oder das Meister-Team von Leicester City, in denen sich über die Saison nur ganz wenig an der Startelf veränderte. Auf der anderen Seite gibt es etliche Top-Clubs, die aufgrund hoher Belastung viel rotieren und nur für wichtige Spiele mit der bestmöglichen Startelf antreten. Teams, die viel rotieren sind also entweder Top-Clubs oder erfolglos – aber die Gründe für personelle Veränderungen zu erfassen, um die These „Never Change A Winning Team“ zu untersuchen, ist fast unmöglich. Eine Studie von Mehta et al. (2024) untersuchte den entgegengesetzten Fall („Sind Teams, die viel rotieren, erfolgreicher?“) – kam aber ebenfalls nicht zu einem eindeutigen Ergebnis.

Einen Ratschlag aus der Wissenschaft können wir also nicht an Marcel Rapp liefern. Doch auch ohne die Wissenschaft dürfte es für ihn schwer sein, Erklärungen zu finden, warum jene Spieler nun auf die Bank müssen, die gegen Wolfsburg glänzen konnten und damit halfen, den ersten Saisonsieg einzufahren. Entsprechend sollte davon ausgegangen werden, dass das Quartett Smith/Metcalfe/Fujita/Ceesay in der Startelf bleibt. Bedeutet das aber nun automatisch, dass von den genannten Rückkehrern niemand am Wochenende in der Startelf zu sehen sein wird?

Kopfzerbrechen – auf angenehme Art und Weise

Zumindest ist es unwahrscheinlich, dass Mathisen, Hrgota und Andō allesamt am Sonntag von Beginn an spielen. Aber mindestens einer der drei Spieler wird aller Voraussicht nach in der Startelf stehen. Denn entweder Mathisen oder Andō könnten den Platz von Lars Ritzka in der Startelf einnehmen. Andō hat die Position bisher in dieser Saison gespielt, aber die Zweikampfstärke und Ballsicherheit von Mathisen ist natürlich auch von dieser Position wertvoll. Auch ein Startelfeinsatz von Hrgota ist möglich, ohne das Metcalfe seinen Platz räumen muss. Der 33-jährige hat schließlich viele Jahre lang nicht als Zehner, sondern als zweite Spitze agiert. Diese Rolle könnte er nun neben Ceesay einnehmen. Allerdings eben nur dann, wenn Niang seinen Platz in der Startelf räumt und diesen dann nicht an Taichi Hara abgibt. Ob das der Fall sein wird, dürfte auch stark davon abhängen, wie der FC St. Pauli gegen Cottbus auftreten möchte. Soll ähnlich zielstrebig und temporeich nach vorne gespielt werden wie gegen Wolfsburg, dann spricht das für einen erneuten Einsatz von Niang. Wenn Bedarf an einem klassischen Zielspieler besteht, dann dürfte Hara erste Wahl sein. Sind Kreativität und Lösungen auf engem Raum gefragt, führt an Hrgota kein Weg vorbei.

Möglich ist jedenfalls, dass gegen Cottbus kein einziger Sommer-Neuzugang zu Spielbeginn auf dem Rasen stehen wird. So oder so: Der FCSP und insbesondere Marcel Rapp haben aktuell ein Luxusproblem. Das muss moderiert werden, schließlich sind unzufriedene Spieler Gift für den Team-Erfolg. Rapp wirkt aber nicht so, als sehe er darin eine Gefahr. Der FCSP-Cheftrainer erklärte kürzlich erst, wie er mit Spielern umgeht, die nicht zum Einsatz kommen: „Ich glaube, das ist kein Problem. Wir gehen mit den Jungs gut um, erklären ihnen das, zeigen ihnen, wie es besser geht. Und dann liegt es an den Spielern.“ Es ist sowieso unwahrscheinlich, dass sich aus dem aktuellen Überangebot an Startelfspielern ein dauerhaftes Problem entwickeln könnte. Leider. Denn die Personalsituation beim FCSP ist aktuell extrem gut. Wie kurzfristig das dann auch mal kritisch werden kann, hat das letzte Wochenende gezeigt, Verletzungen gehören zu einer Saison dazu.Die Optionen sind also vielfältig, die der FC St. Pauli für die Partie bei Energie Cottbus hat. Das sorgt bei Marcel Rapp vermutlich für Kopfzerbrechen. Doch das dürfte sich für ihn sicher nicht wie ein Problem anfühlen.

// Tim

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