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·13. September 2026
Dieselbe Schulter, dieselbe Diagnose, dasselbe Muster: Warum Leipzigs Verletzungsserie kein Pech mehr ist

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·13. September 2026

Das 5:0 gegen den HSV hatte Martín Demichelis Luft verschafft. Den Satz, der nach dem Spiel am längsten nachhallte, sagte er trotzdem über einen Spieler, der nur 35 Minuten dabei war: „Es sieht nicht gut aus.“ Assan Ouédraogo, 20, deutscher Nationalspieler, WM-Fahrer, hatte sich im Zweikampf mit Albert Grønbæk die rechte Schulter verletzt – dieselbe Schulter, die ihn im August den gesamten Vorbereitungsmonat gekostet hatte. „Ich glaube schon, dass es die gleiche Verletzung ist“, sagte Demichelis. Die Kapselverletzung ist offenbar wieder aufgebrochen. Sollte die konservative Behandlung nicht anschlagen, wird eine Operation zur Option. Dann fällt Ouédraogo nicht Wochen aus, sondern Monate.
Am Donnerstag gibt Jürgen Klopp seinen ersten Kader als Bundestrainer bekannt. Ouédraogo, der im November 2025 bei seinem Debüt gegen die Slowakei getroffen hatte und bei der WM dabei war, wird nach dpa-Einschätzung „mit ziemlicher Sicherheit“ fehlen – und wenn die Schulter nicht binnen Tagen ausheilt, auch im Oktober. Für einen 20-Jährigen, der in Klopps 4-3-3 als Achter eine natürliche Rolle hätte, ist das die zweite verpasste Chance in Folge: Im August hatte er bereits die Vorbereitung verpasst, in der Klopp ihn erstmals hätte sehen können.
Demichelis‘ Verteidigung des Einsatzes war deutlich: „Er war spielbereit. Wir haben gewartet, bis er gesund war.“ Am Donnerstag hatte Ouédraogo in Como eine halbe Stunde beschwerdefrei gespielt. Der Vorwurf, man habe ihn zu früh gebracht, greift also nicht. Der Befund, dass die Schulter nach vier Wochen Pause dem ersten harten Zweikampf nicht standhielt, greift dafür umso mehr.
Ouédraogo kam im Sommer 2024 aus der Schalker Knappenschmiede nach Leipzig. Seitdem, so t-online, hat er mehr als 63 Pflichtspiele verpasst. Die Verletzungshistorie liest sich wie ein Protokoll: Sprunggelenk von November 2023 bis März 2024, noch auf Schalke. Knie von August bis November 2024. Knie von November 2024 bis Mai 2025 – ein halbes Jahr. Eine kurze Verletzung im September 2025. Sehnenverletzung in der linken Kniekehle im November 2025, kurz nach dem DFB-Debüt. Dieselbe Verletzung erneut im Januar 2026, beim Comeback gegen Freiburg, weitere zwei Monate. Schulter im August 2026. Schulter im September 2026.
Dazwischen: 22 Pflichtspiele für Leipzig in zwei Jahren, vier Tore, ein Punkteschnitt, der laut Wikipedia in der Vorsaison höher lag als bei jedem anderen Stammspieler des Klubs. Wenn er spielt, ist er der Unterschied. Er spielt nur selten.
Ouédraogo ist kein Einzelfall, sondern der prominenteste Fall einer Serie. Rocco Reitz, für 20 Millionen Euro aus Gladbach geholt, verpasste nach einem schweren Infekt fast die gesamte Vorbereitung und fiel diese Woche mit einer Oberschenkelverletzung erneut aus – mehrere Wochen, zwei Pflichtspiele nach seinem Debüt. Yan Diomande hatte sich im November 2025 das Nasenbein gebrochen, bevor Leipzig ihn im Sommer für 125 Millionen Euro nach Madrid verkaufte. Marcel Schäfer hat die Verletzungen in seinem Statement vom Freitag ausdrücklich als Grund genannt, Demichelis Zeit zu geben: „Wir haben im Sommer viele Veränderungen vorgenommen, neue Spieler integriert und gleichzeitig immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen gehabt. Jetzt kommen wichtige Spieler zurück.“
Zwei Tage später ist einer der wichtigsten wieder weg. Das Mittelfeld, das Schäfer im Sommer mit Reitz verstärkte und mit Ouédraogo als Zukunft plante, besteht aus zwei Spielern, die beide fehlen. Was bleibt, ist der Kader, der gegen den HSV fünf Tore geschossen hat – ohne die beiden, die ihn tragen sollten.
Der Trainer hat nach dem 5:0 die Länderspielpause ohne Job-Diskussion erreicht. Aber die Pause verändert die Ausgangslage nicht: Die Mannschaft, die im Oktober gegen Bayern, in der Champions League und im Pokal antreten muss, ist im Zentrum dünner als vor der Saison. Schäfers Argument, ein neuer Kader brauche Zeit, ist richtig. Es setzt nur voraus, dass der Kader in dieser Zeit auf dem Platz steht.
„Wir brauchen ihn“, sagte Demichelis über Ouédraogo. „Er ist ein brutales Talent, für Deutschland und unseren Verein.“ Das ist die Diagnose, die alle teilen. Die andere kommt aus der medizinischen Abteilung, und sie entscheidet, ob Ouédraogo im Oktober für Klopp spielt – oder im Frühjahr wieder von vorn beginnt. Er hätte darin Übung.
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