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·17. September 2026

Ebnoutalib im DFB-Kader: Klopp holt den Frankfurter, Marokko schaut zu

Artikelbild:Ebnoutalib im DFB-Kader: Klopp holt den Frankfurter, Marokko schaut zu

Man musste auf der Pressekonferenz die Augen zusammenkneifen, um auf den Bildschirmen die unteren Zeilen der beiden Kader zu lesen. Da stand er dann: Younes Ebnoutalib, Eintracht Frankfurt, erstes Aufgebot. Vor 20 Monaten spielte er beim FC Gießen in der Regionalliga. Am 24. September könnte er in Amsterdam für Deutschland auflaufen.

Jürgen Klopp hat am Donnerstag in der DFB-Zentrale seinen ersten Kader als Bundestrainer präsentiert – genauer: zwei Kader mit zusammen 44 Spielern, die sich nach jeweils zwei der vier Nations-League-Spiele ablösen. Ebnoutalib gehört zum 24-köpfigen ersten Block für die Partien in den Niederlanden und daheim gegen Griechenland. Sein Frankfurter Sturmkollege Jonathan Burkardt kommt im zweiten Block gegen Serbien und in Griechenland dazu, ebenso Eintracht-Keeper Noah Atubolu.


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„Keine Diskussion“ – Klopp erklärt die Wahl

Der Bundestrainer machte aus seiner Begeisterung kein Geheimnis. Im Trainerteam habe es bei dem 1,91 Meter großen Mittelstürmer keine Diskussion gegeben, alle hätten sofort zugestimmt. Klopp lobte Spielweise, Bereitschaft und Cleverness eines Talents, das mit 23 Jahren schon viel gesehen habe. Als er Ebnoutalib zum ersten Mal im Eintracht-Trikot gesehen habe, sei ihm nur eine Frage durch den Kopf gegangen: „Wo haben die den denn her?“

Die Antwort: aus der Nordweststadt, wie Emre Can. Mutter Deutsche, Vater Marokkaner, mit 15 einmal für Marokkos Nachwuchs nominiert, dann jahrelang im Frankfurter Unterbau. Im Januar 2025 wechselte er für 100.000 Euro von Gießen nach Elversberg, ein halbes Jahr später zur Eintracht. Vier Tore und zwei Vorlagen in vier Bundesliga-Spielen dieser Saison, darunter der Dreierpack beim 3:3 gegen Union Berlin, haben den Rest erledigt.

Der Leak im Supermarkt – und Klopps Reaktion

Dass die Nominierung schon Dienstag bekannt war, lag an Ebnoutalib selbst. Ein Fan gratulierte ihm beim Einkaufen zur Berufung, der Stürmer bedankte sich strahlend, das Video landete auf TikTok. Ebnoutalib entschuldigte sich per WhatsApp beim Bundestrainer. Klopp trug es ihm nicht nach – diese Begeisterung sollten sich alle bewahren, sagte er. Wer Klopp kennt, weiß: Das ist keine Nachsicht, das ist Kalkül. Ein Spieler, der sich über die Nominierung so freut, dass er es nicht für sich behalten kann, ist genau der Spieler, den er sucht.

Marokko hat noch eine Karte – aber nur eine

Der marokkanische Verband hat den Poker nicht aufgegeben. Nationaltrainer Mohamed Ouahbi hatte Ebnoutalib in der Alten Försterei beobachtet und persönlich gesprochen, laut Fussballtransfers.com wollte der Verband ihn ebenfalls für die anstehenden Afrika-Cup-Qualifikationsspiele berufen. Offiziell ist das noch nicht. Ebnoutalib hatte im Sommer nach der Nichtberücksichtigung für Marokkos WM-Kader gesagt, er sei für beide Verbände offen.

Seit Donnerstag ist das Gewicht klar verteilt. Klopp hat nach eigener Aussage mit jedem nominierten Spieler einzeln gesprochen – und Ebnoutalib hat zugesagt. Die Regularien setzen den Rest: Die Nachwuchseinsätze für Marokko binden ihn nicht. Ein Pflichtspiel-Einsatz in der A-Nationalmannschaft mit 23 Jahren dagegen ist endgültig. Steht er am 24. September in Amsterdam auf dem Platz, ist die Frage für immer beantwortet. Steht er nicht, bleibt sie theoretisch offen. Ouahbi weiß das. Klopp auch.

Was der Kader über Klopps Deutschland verrät

Deniz Undav, neun Tore in 13 Länderspielen, fehlt. Leroy Sané fehlt, Oliver Baumann fehlt, im Tor kehrt Marc-André ter Stegen nach 15 Monaten als Nummer eins zurück. 16 der 44 Spieler haben noch kein A-Länderspiel. Klopp sortiert nach Profil und Laufbereitschaft, nicht nach Verdiensten – und im ersten Block ist Ebnoutalib neben Kai Havertz die einzige echte Neun.

Das ist keine Nebenrolle. Das ist ein Auftrag. Wer vor zwei Jahren Regionalliga spielte und jetzt in Amsterdam als Klopps erste Sturmoption auflaufen soll, hat den steilsten Weg genommen, den der deutsche Fußball seit Jahren gesehen hat. Ob er am Ende auch der richtige war, entscheidet nicht Marokko. Das entscheidet Ebnoutalib – in 90 Minuten in der Johan-Cruyff-Arena.

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