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·25. September 2026
„Ein-Mann-Theater“ und „Spurenelemente“: Wie Europas Presse Klopps ersten Auftritt bewertet

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·25. September 2026

Am Morgen nach dem Debüt liest sich das europäische Echo bemerkenswert einheitlich. Von England über Spanien bis in die Schweiz sehen viele Zeitungen Oranje als die bessere Mannschaft – und Jürgen Klopp als das eigentliche Ereignis des Abends. Nicht wegen seiner Taktik. Wegen seiner Präsenz an der Seitenlinie.
Der Guardian erinnert daran, dass Klopp selbst ein turbulentes Debüt vorhergesagt hatte, solange seine Mannschaft mit Schwung auftrete. Beides habe er bekommen: Das Spiel sei zerfahren und hektisch gewesen, der Ausgleich spät und dramatisch. Die Überschrift zielt auf den Torschützen: „Klopp’s return spoilt by familiar face“ – Cody Gakpo, den Klopp beim FC Liverpool trainiert hatte.
Der Telegraph greift noch weiter zurück, bis zu Klopps Liverpool-Abschied im Januar 2024, als er von schwindenden Kräften sprach. Man könne wohl sagen, dass seine Batterien wieder aufgeladen seien. Klopp habe in Amsterdam ein „Ein-Mann-Theater“ aufgeführt – leidenschaftlich, jubelnd, mit den Armen fuchtelnd.
Die NZZ liefert die interessanteste Gegenthese des Tages. „Es mag paradox klingen, aber es ist nicht immer von Vorteil, ein Spiel zu gewinnen“, schreibt sie – vor allem nicht, wenn man als Debütant vor einer Aufgabe stehe, wie sie schwerer kaum sein könne. Ein knapper Sieg hätte Probleme zugedeckt, die das 1:1 sichtbar lässt.
Auffällig findet die Zeitung noch etwas anderes: Vom „Pomp und Pathos der Vorwoche“, als Klopp bei der Kaderpräsentation an patriotische Gefühle appellierte und die Nationalfahne den Rechtsradikalen entreißen wollte, sei an diesem Abend nichts zu spüren gewesen. Auf die Frage, wie sich das Debüt für ihn angefühlt habe, antwortete Klopp bloß: „Ab der zweiten Minute wie in jedem anderen Spiel auch.“
Die dpa wählte den positiven Ton: „Was für eine Klopp-Show – auch ohne Happy End.“ Ein wilder Fußball-Ritt mit viel Gift und Leidenschaft, 87 Tage nach dem WM-Scheitern; nach einem Auftritt voller Energie und dem von Klopp prophezeiten „Chaos“ lebe die Hoffnung. Nüchterner fällt die Bilanz von ad-hoc-news aus: ein „ordentlicher, aber nicht durchgreifender Start“. Für die Bewertung der neuen Ära seien die nächsten Spiele wichtiger als der Auftakt.
Am genauesten hinschauen tut die Sportschau, deren Analyse mit „Spurenelemente vom Klopp-Fußball“ überschrieben ist. Ansätze seien erkennbar gewesen – mehr aber auch nicht, was bei zwei Trainingseinheiten niemanden überraschen dürfte. Die Frankenpost fand dafür das treffendste Bild: „Wie beim Vokabel-Test.“
Der Bundestrainer legte nach dem Spiel das Trikot von Virgil van Dijk als Souvenir hinter seinen Stuhl und zog dann eine Bilanz, die drei Monate nach dem WM-Debakel Hoffnung machen soll: „Die Intensität, die Bereitschaft, die Leidenschaft“ – all das habe ihm gefallen. Seine Mannschaft habe getan, was er erwartet habe, vor allem habe sie mit Leidenschaft gespielt und Zweikämpfe angenommen.
Zugleich dämpfte er die Erwartungen mit einem Satz, den er in den kommenden Monaten öfter sagen dürfte: „Wir konnten nur an der Oberfläche kratzen.“ Zwei Tage reichten nicht, um Klopp-Fußball zu lernen. „Ich habe vieles gesehen. Gegenpressing-Situationen, ich würde gerne viel mehr sehen, aber es waren trotzdem welche dabei.“
Und er verwies auf seine eigene Vita: Man solle ihm glauben, er sei schon sehr lange Trainer und wisse, wie eine Mannschaft entwickelt werde – das „dauert mehr als zwei Tage“. Mit einer Einschränkung, die er selbst benannte: So viel Zeit wie in Dortmund und Liverpool könne er sich nicht lassen, weil er seine Spieler nun viel seltener zusammen habe.
Philipp Treu, bester Deutscher nach der Einzelkritik, revanchierte sich für Klopps Lob mit einem Satz, der in Freiburg gut ankommen dürfte: „Das ist mal gut zu hören, dass mal jemand die Augen aufmacht und nach Freiburg geguckt hat.“ Klopp habe ihn „auf dem Schirm“ und „Bock auf mich“.
Auch Yannik Engelhardt, der dritte Debütant und zweite Freiburger, wurde vom Bundestrainer gelobt. Und Younes Ebnoutalib fand Klopp als Havertz-Ersatz so überzeugend, dass er laut dpa fast vergaß, dass auch der Frankfurter zum ersten Mal für Deutschland spielte.
Was bleibt, ist ein Befund, in dem sich die meisten Kommentare treffen: Der Auftritt war energischer als erwartet, das Ergebnis schlechter als möglich, und die Aussagekraft begrenzt. Klopp hat zwei Trainingseinheiten gehabt, zwei Verletzte verkraften müssen und drei Debütanten eingesetzt. Die Frage, ob daraus eine Mannschaft wird, beantwortet keine Pressestimme – sondern der Oktober.
Am Sonntag um 20.45 Uhr kommt Griechenland nach Augsburg, das erste Heimspiel der Ära. Die Stimmung dafür ist, so die dpa, „zumindest wieder hoffnungsvoll“.







































