REAL TOTAL
·16. März 2026
Ein Stadion, in dem Spiele nie enden: Der nächste Etihad-Wahnsinn?

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Nicht nur im Bernabéu sind Spiele zwischen Manchester City und Real Madrid seit Jahren alles andere als gewöhnlich – Fotos: getty images
Unspektakulärer hätte das allererste Gastspiel Real Madrids bei Manchester City kaum verlaufen können: Am 21. November 2012 hieß es am vorletzten Spieltag der Gruppenphase der Champions League am Ende 1:1 im Etihad Stadium, nachdem Sergio Agüero die frühe Führung der Königlichen durch Karim Benzema per Elfmeter egalisierte, dem übrigens ein Platzverweis eines gewissen Álvaro Arbeloa vorausging. Zu groß waren damals noch die Unterschiede zwischen den beiden Klubs, denn Citys Aufstieg dank tätiger Unterstützung aus dem Mittleeren Osten hatte gerade erst begonnen. Dazu war das Spiel aus sportlicher Sicht beinahe irrelevant, denn Real war schon längst für die K.o.-Phase qualifiziert, während die Briten ihre Saison in der Königsklasse abgeschlagen als Tabellenletzter beendeten. Und auch das zweite Duell der beiden Vereine in Manchester war alles andere als berauschend, denn im Halbfinale 2015/16 reichte den Königlichen ein schnödes 0:0 in Manchester, um im Rückspiel im heimischen Estadio Santiago Bernabéu den Finaleinzug zu vollbringen (1:0).
Selbst der dritte Besuch des CL-Rekordsiegers bei den „Skyblues“ – der erste in der immer noch anhaltenden Ära des Pep Guardiola als City-Trainer – hatte nur aufgrund der außergewöhnlichen Umstände eine besondere Note: Zwischen dem CL-Achtenfinal-Hinspiel in Madrid, das City am 26. Februar 2020 mit 2:1 gewann, und dem Rückspiel in England lagen in Folge der Covid-Pandemie beinahe fünf Monate. Am 7. August war das ersatzgeschwächte Real, dessen zwischenzeitlich wieder aufgenommene Saison seit Wochen schon wieder vorbei war, letztendlich chancenlos und verlor auch danke zweier Patzer von Raphaël Varane erneut mit 1:2. Für Guardiola sollte das Weiterkommen jedoch noch lange nicht zum ersehnten Titel mit den „Citizens“ führen.
Wahrscheinlich begann die moderne Rivalität aber knapp zwei Jahre später – mit einem der wildesten Halbfinalspiele der Champions-League-Geschichte. Nach zehn Minuten führten die Hausherren im Etihad am 26. April 2022 mit 2:0 und schienen die Königlichen, die schon in den Seilen hingen, regelrecht zu überrollen. Doch irgendwie überstanden Carlo Ancelottis Überlebenskünstler den Anfangssturm und kamen durch Benzama kurz vor der Pause sogar zum Anschlusstreffer. Nach Wiederanpfiff wiederholte sich alles: City traf, drängte auf das vierte Tor, Real verkürzte durch Vinícius Júnior. Als die Engländer dann doch noch zum vierten Mal trafen, schien das nächste Gegentor aus Real-Sicht nur eine Frage der Zeit. Doch wieder kamen die Königlichen zurück – mit dem Panenka-Elfmeter zum 3:4 setzte Karim Benzema den Schlusspunkt auf eine Partie, die unlogisch, rational kaum erklärbar und irgendwie doch symb0lisch verlief.
Kaum ein Spiel steht stellvertretend für die Leidensfähigkeit, die Real Madrid unter Carlo Ancelotti in der Saison 2021/22 entwickelt und die es noch einige Jahre begleiten sollte, wie das Spektalen in Manchester mit sieben Toren, ständig wechselnder Dynamik und einem Gefühl, dass jederzeit noch etwas passieren könnte. Und dass Real Madrid niemals und unter keinen Umständen abzuschreiben ist. Das historische Rückspiel im Bernabéu mit den beiden Last-Minute-Toren von Rodrygo zur Verlängerung und dem anschließenden Finaleinzug der Blancos setzte dem Ganzen dann noch die Krone auf.
Nur ein Jahr später hieß es erneut im Halbfinale der Königsklasse – Manchester City gegen Real Madrid. Diesmal stieg das Rückspiel in England, nachdem man sich zuvor in Madrid 1:1 trennte. Und zumindest der Anfang erinnerte stark an die Begegnung aus dem Vorjahr an der selben Stelle. Wieder führte City sehr schnell mit 2:0, doch diesmal blieb die Antwort der Madrilenen aus. Guardiolas Team war in der Saison 2022/23 auf einer Mission und durch nichts und niemanden auf dem Weg zum ersten CL-Titel aufzuhalten. Erst recht nicht von einem müden und abgekämpften Real Madrid, dass dem schnellen Kombinationsspiel und dem aggressiven Pressing der Briten zu keinem Zeitpunktstandhalten konnte. City gewann am Ende 4:0 und zog souverän ins Finale ein. Es war der Abend, an dem die Mannschaft von Pep Guardiola Madrid über weite Strecken schlicht überrollte.
Und wieder sollte es nur ein knappes Jahr dauern, bis man sich wieder traf. Diesmal im Viertelfinale der Champions League. Dem spektakulären 3:3 im Hinspiel im Bernabéu folgte eine frühe frühe Real-Führung im Etihad, woraufhin sich die Königlichen, die spielerisch mit ManCity nicht mithalten konnten, komplett aufs Verteidigen verlegten – und überlebten. Nach 120 Minuten Leiden, in denen City Reals Strafraum belagerte und über 30 Schüsse abgab, und in denen Ancelottis Truppe eine bis dahin nie dagewesene Lust am Verteidigen entdeckte, schafften es die Madrilenen bis ins Elfmeterschießen – dank einer mannschaftlichen Defensiv-Meisterleistung und des Spiels des Lebens von Ersatzkeeper Andriy Lunin, Mit zwei gehaltenen Schüssen stieg Lunin dann auch endgültig zum Helden auf und Antonio Rüdiger besorgte mit dem entscheidenden Elfmeter den umjubelten Halbfinal-Einzug. Die Revanche für das 0:4 aus dem Vorjahr war perfekt und wurde später vom 15. CL-Titel mehr als gekrönt.
Und wieder – wie sollte es auch anders sein – verging nur ein knappes Jahr, bis diesmal City die Chance bekam, sich zu revanchieren. Im Gegensatz zu den Vorjahren waren im Februar 2025 jedoch beide Teams vom alten Niveau ein ganzes Stück entfernt, denn man traf nach der neu erschaffenen Ligaphase bereits in den Playoffs zum Achtelfinale aufeinander. Wie schon 2022 fand das Hinspiel im Etihad statt und verlief so ganz anders als in den Jahren zuvor – in jeder Hinsicht. Diesmal war Real Madrid die tonangebende Mannschaft, erspielte sich eine Vielzahl an guten Chancen und geriet durch Erling Haalands ersten Treffer gegen die Merengues plötzlich in Rückstand. Nach dem verdienten Ausgleich und kurz vor Schluss traf Haaland per Elfmeter zur erneuten Führung für die Hausherren und es schien alles spiegelverkehrt zu den Vorjahren zu laufen – die spielerisch bessere Mannschaft lag zurück respektive war mit dem Ergebnis unzufrieden. Am Ende wurde dann aber doch alles ganz anders als je zuvor: Durch zwei späte Treffer von Brahim Díaz und Jude Bellingham drehte Real das Spiel doch noch und gewann zum ersten Mal überhaupt im Etihad. Dem verdienten 3:2 folgte ein souveränes 3:1 in Madrid, womit Real auch endgültig zum City-Schreck geworden war.
Real bei City: Alle Spiele
Was sich in der aktuellen Saison zu wiederholen scheint. Zwar gewann das Guardiola-Team noch das Spiel in der Ligaphase im Bernabéu mit 2:1, ging dafür bekanntlich im Achtelfinal-Hinspiel in der spanischen Hauptstadt mit 0:3 baden und steht nun vor einer schier unmöglichen Aufgabe. Vor nicht einmal einer Woche drohte Pep Guardiola die noch sehr junge und kurze Ära von Álvaro Arbeloa als Real-Trainer zu beenden, doch die Vorzeichen haben sich vor dem Rückspiel (Dienstag, 21 Uhr) komplett geändert. Nun könnte Reals Coach das Ende der Ära des Katalanen in Manchester endgültig besiegeln, zumal City auch in der Premier League das Titelrennen an Arsenal beinahe schon verloren hat.
Doch nicht nur im Bernabéu, sondern auch im Etihad hat diese Paarung in den letzten Jahren fast alles gesehen – Tore in letzter Minute, taktische Schlachten, spektakuläre Einbrüche und unerwartete Helden. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Lehre dieser Rivalität: Wenn Manchester City und Real Madrid in Manchester spielen, ist selbst ein scheinbar klarer Spielstand selten das Ende der Geschichte. In dieser Duellserie beginnt das Drama oft erst dann.









































