Ein Titel, drei Geschichten: FCB-Frauen senden Ausrufezeichen | OneFootball

Ein Titel, drei Geschichten: FCB-Frauen senden Ausrufezeichen | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: FC Bayern München

FC Bayern München

·15. August 2026

Ein Titel, drei Geschichten: FCB-Frauen senden Ausrufezeichen

Artikelbild:Ein Titel, drei Geschichten: FCB-Frauen senden Ausrufezeichen

Es gibt Titel, die sich anfühlen wie Selbstverständlichkeiten. Und es gibt Titel, die man sich erst nach dem Abpfiff richtig anschaut, um zu erkennen, wie viel in ihnen steckt. Der Gewinn des Google Pixel Supercup 2026/27 der FC Bayern Frauen gehört definitiv in die zweite Kategorie.

Mit dem 3:0-Erfolg am Samstagabend im Audi-Sportpark in Ingolstadt über den VfL Wolfsburg, den ewigen Rivalen, den siebenmaligen Meister, den Vizemeister der vergangenen Saison, hat die Mannschaft von Trainer José Barcala eine starke Frühform bewiesen. Drei Tore, drei Geschichten, ein Ausrufezeichen, das lauter ist, als es die Zahlen zunächst vermuten lassen.


OneFootball Videos


Barcala: „Wissen wie es geht“

Der Supercup ist ein besonderes Spiel im Kalender. Er zählt, aber er zählt eben auch noch nicht ganz. Er ist Startschuss und Standortbestimmung zugleich, ein Titel, den man mitnimmt, ohne dass er den Rest einer Saison entscheidet. Und trotzdem: Wer diese Bayern-Frauen an diesem Samstagabend gesehen hat, weiß, dass hier mehr passiert ist als eine hübsche Beigabe zur Vitrine. Denn dass die Münchnerinnen nun mit drei Titeln alleinige Rekordsiegerinnen des Wettbewerbs sind, ist die eine Schlagzeile.

Die andere, wichtigere: Die Mannschaft hat genau dort angeknüpft, wo sie im Mai aufgehört hat. Kein zaghaftes Herantasten, sondern ein Statement gegen den Gegner, der in den vergangenen Jahren stets der Gradmesser war. „Gewinnen ist eine Gewohnheit und wir wissen, wie es geht“, zeigte sich der Cheftrainer nach der Partie stolz auf die Mentalität seiner Spielerinnen und er machte deutlich, worauf er besonderen Wert legt: „Ich bin sehr glücklich, dass wir den Titel gewonnen haben. Aber noch glücklicher machen mich unsere Performance und die individuellen Leistungen der Spielerinnen.“

Damnjanović und Wolfsburg

Es gibt Spielerinnen, die haben zu bestimmten Gegnern eine Beziehung, die sich nicht ganz rational erklären lässt. Jovana Damnjanović und der VfL Wolfsburg sind so eine Beziehung. Ihr ehemaliger Verein, die Bühne, auf der sie schon im vergangenen Supercup traf, das Team, gegen das sie in den letzten Duellen immer wieder zur richtigen Zeit da war und nun, in der 32. Minute fungierte sie einmal mehr als Dosenöffner.

Die Szene selbst hatte etwas von einer Fügung. Ein Freistoß von Klara Bühl aus halbrechter Position, ein Kopfball von Damnjanović in hohem Bogen, ein Ball, der auf das Tor zuflog und in den Händen von Stina Johannes die Linie überquerte. Man kann das ein Tor mit Glück nennen und ehrlicherweise war es das auch. Aber es ist eben auch symptomatisch. Damnjanović wusste, wo sie stehen musste. Bei manchen Spielerinnen wäre das ein Zufallstor. Bei Damnjanović gegen Wolfsburg ist es Programm.

Bühl im Doppelpack

Wenn Damnjanović für die Schicksalsdramaturgie zuständig war, dann war Bühl an diesem Abend die Autorin der Vorentscheidung. Zwei Tore in vier Minuten Nettospielzeit, gerechnet zwischen der Nachspielzeit der ersten und der ersten Minute der zweiten Halbzeit. Das ist die Sorte Doppelschlag, die ein Spiel zerbricht, bevor der Gegner überhaupt begreift, was passiert ist.

Der Freistoß in der 45.+4 war ein Kunststück für sich: von der Strafraumgrenze, mit Effet, ins lange Eck. Ein Tor, das man sich anschauen und dann noch einmal anschauen möchte. Bühl hat solche Bälle in ihrem Repertoire, und wenn sie sie in einem Finale hinlegt, dann ist das die Signatur einer Spielerin, die sich für große Momente aufhebt. Sie selbst kann das gar nicht recht erklären: „Mir fällt es einfach, auch in großen Spielen meine Leistung zu bringen. Ich weiß gar nicht, woher das kommt, aber bin extrem dankbar dafür und froh, dass ich der Mannschaft heute wieder helfen konnte.“

Das dritte Tor, keine Minute nach Wiederanpfiff, war dann die andere Bühl. Die Bühl der Einzelaktion, der linken Bahn, des Antritts. Nach Vorarbeit von Alara setzte sie sich durch, legte sich den Ball auf den linken Fuß und schob ein. Vorentscheidung nach 46 Minuten. Wolfsburgs Hoffnung, in der Halbzeit noch einmal neu zu justieren, war damit im Keim erstickt.

Mahmutovic als Fels in der Brandung

Bei einem 3:0 spricht man selten über die Torhüterin. Zu Unrecht, in diesem Fall. Denn dieses Spiel hatte Phasen, in denen Wolfsburg näher am Anschlusstor war, als es das Ergebnis andeutet. Die ersten zehn Minuten gehörten dem VfL. Cora Zicai kam alleine in der Anfangsphase zu drei richtig guten Möglichkeiten, dazu ein Distanzschuss in der 39. Minute, der nur am Aluminium landete. Nach der Pause dann Ella Peddemors (56.), später Svenja Huth (76.), dann Sophia Kleinherne mit einem Schuss an die Latte in der 84. Minute.

Es waren die Momente, in denen ein Supercup kippen kann. Und in denen Ena Mahmutovic zur Stelle war. Der Reflex gegen Zicai in der neunten Minute mit dem Fuß zur Ecke. Die Konzentration, als Huth über rechts durchsteckte. Das ruhig Bleiben, als Wolfsburg nach dem 0:3 nicht aufsteckte, sondern noch einmal drückte. „In der ersten Hälfte hat uns Wolfsburg ganz schön gefordert. Wir müssen noch schneller ins Spiel finden, als wir das aktuell machen, aber wir stehen noch ganz am Anfang der Saison“, resümierte Linda Dallmann. Genau in diesen ersten dreißig Minuten, in denen die Bayern erst reinfinden mussten, war Mahmutovic die Versicherung.

Frühform? Ausrufezeichen!

Der VfL Wolfsburg hat an diesem Abend nicht schlecht gespielt. Er war zu Beginn sogar das mutigere Team, hatte mit Zicai die Spielerin mit den meisten Torabschlüssen auf dem Platz, kam auch nach dem 0:3 noch zu Chancen. Aber die Bayern-Frauen haben gezeigt, warum sie in der vergangenen Saison das Double geholt haben und warum sie diese Saison mit dem Anspruch beginnen, dort weiterzumachen: Sie waren in den Momenten kaltschnäuzig, in denen es zählte. Sie hatten mit Bühl die beste Einzelspielerin auf dem Platz. Sie hatten mit Damnjanović die Spielerin, die auch das schwierige Tor macht. Und sie hatten mit Mahmutovic die Versicherung dahinter.

Was Bühl nach dem Spiel sagte, klingt dabei fast wie eine Drohung: „Man hat heute bereits gesehen, dass wir sehr viel Qualität im Kader haben. Trotzdem werden wir in den kommenden Wochen noch stärker, wenn die ein oder andere Verletzte zurückkommt.“

Frühform? Das ist beinahe zu wenig gesagt. Das war ein Ausrufezeichen.

🗞️ Der Spielbericht zum Supercup gegen den VfL Wolfsburg: 

Impressum des Publishers ansehen