VfL Osnabrück
·11. Mai 2026
Ein „unbeschreiblicher“ Brückentag

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·11. Mai 2026

Es sind Bilder und Momente, die allen Beteiligten noch lange in Erinnerung bleiben werden, als dem VfL Osnabrück am Samstagnachmittag der Meisterpokal der 3. Liga überreicht wurde und die Feierlichkeiten der Lila-Weißen nun mit einer Medaille um den Hals weitergehen konnten. Und auch in den 90 Minuten zuvor sorgte der VfL gegen den SSV Ulm für Jubel. Der Nachbrenner.
„Unbeschreiblich. Das hat schon das Spiel gezeigt, die Fans waren 90 Minuten da. Was für eine Stimmung, jetzt auf den Zaun, die Meisterehrung. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl“, fasste Robin Meißner nach dem Abpfiff im Interview bei VfL-TV seine Emotionen zusammen. Dabei fing der Tag bereits weit vor dem Beginn der Partie besonders an. So trafen sich zahlreiche VfL-Fans schon am Samstagvormittag in der Osnabrücker Innenstadt und liefen in einem beeindruckenden Fanmarsch gemeinsam in den Schinkel zur Bremer Brücke. Auch die Mannschaft war zu Beginn vor Ort, saugte die Atmosphäre auf und fuhr anschließend gemeinsam im Mannschaftsbus zum Stadion.
Der emotionale Tag für alle Lila-Weißen ging dann mit dem Blick auf die Startaufstellung der Osnabrücker weiter. Denn dort standen mit Bashkim Ajdini und Robert Tesche zwei Namen zum ersten Mal in dieser Spielzeit in der ersten Elf. Die beiden Routiniers hatten in den Tagen zuvor jeweils ihr Karriereende bekannt gegeben und durften so noch einmal gemeinsam mit ihren Kindern einlaufen. „Ich bin sehr stolz darauf, was die Mannschaft diese Saison geleistet hat. Wir haben wirklich Topcharaktere in dieser Mannschaft. Ich war die letzten Tage schon sehr gerührt, wie die Jungs mir gegenübergetreten sind. Robert hat auch eine Riesenkarriere hinter sich und auch eine dicke Verbindung zu diesem Verein. Ich natürlich auch. Ich bin sehr stolz, dass ich so gehen darf. Man sollte dann gehen, wenn es am schönsten ist. Und ich glaube, heute ist ein sehr, sehr guter Moment“, so Bashkim Ajdini nach der Partie.
Dabei zeigten sowohl Ajdini als auch Tesche in ihrem letzten Brückenspiel ihrer Karriere noch einmal ihre Qualitäten auf dem Platz. Mittelfeldakteur Tesche lieferte eine Passquote von 87 Prozent und gewann 71,4 Prozent seiner Zweikämpfe. Ajdini brachte 76,9 Prozent seiner Zuspiele an den Mitspieler. Dass beide sich gerne mit einem Treffer von den Fans verabschieden wollten, zeigt der Blick auf die Torschussstatistik. Mit vier Versuchen schoss Tesche so oft wie kein anderer VfL-Spieler auf das gegnerische Gehäuse. Gefolgt wurde er von Ajdini, der dreimal auf das Tor von Christian Ortag abzog.
Den ersten Gegentreffer der Partie musste jedoch VfL-Keeper Lukas Jonsson nach 26 Minuten hinnehmen. Beim Schuss von Dennis Chessa aus kurzer Distanz war der Schwede jedoch machtlos. Ansonsten bekam der 32-Jährige am Samstagnachmittag nicht viele weitere Schüsse auf seinen Kasten. Allgemein gab es in der Partie, die sportlich aufgrund der bereits feststehenden Meisterschaft des VfL und des feststehenden Abstiegs der Ulmer keine sportliche Relevanz mehr bot, nur wenige Strafraumszenen. Dennoch wollten sich die Lila-Weißen nicht mit einer Niederlage vom Heimpublikum aus der Saison verabschieden. Der bereits angesprochene Tesche hatte in der 36. Minute die Doppelchance, die jedoch zunächst geblockt wurde, ehe sein Nachschuss nur das Außennetz traf. Der 38-Jährige hatte sich bereits seit mehreren Wochen auf das letzte Heimspiel seiner Karriere gefreut, wie er am Mikrofon bei VfL-TV erläuterte. „Man realisiert es glaube ich erst in ein, zwei Wochen oder erst, wenn die Vorbereitung losgeht und man nicht mehr dabei ist. Aktuell genieße ich es noch. Ich habe schon die letzten vier, fünf Wochen auf diesen Tag hingefiebert. Und ich war froh, dass ich heute von Anfang an vor den ganzen Fans und der Familie spielen konnte.“
Seine Angehörigen durften dann genau wie die 14.752 anderen Fans kurz vor dem Pausenpfiff dennoch jubeln. So erzielte Lars Kehl, der nach Vorlage von Kai Pröger plötzlich völlig frei im Strafraum zum Abschluss kam, seinen siebten Saisontreffer. „Wir haben uns alle extrem darauf gefreut, einfach mal ohne Druck loszuspielen. Auch mit ein paar Jungs, die sonst nicht so oft in der Startelf waren. Gerade mit Robby und Bashi. […] Schade, dass es nicht geklappt hat mit einem Tor für die Beiden. Waren ja beide knapp dran. Aber es war ein wunderschöner Tag. Mit unseren Fans, mit dem Pokal und allem, es ist wirklich traumhaft“, so der Torschütze bei VfL-TV.
In den zweiten 45 Minuten kamen beide Mannschaften nur noch zu wenigen Abschlussgelegenheiten. Emotional wurde es dann noch einmal in der 52. Spielminute, als sich im Zuge der Auswechslungen von Robert Tesche und Bashkim Ajdini die wieder einmal im Heimbereich ausverkaufte Bremer Brücke erhob und die beiden mit diversen Sprechchören ein letztes Mal feierte.
Sein vorerst letztes Brückenspiel absolvierte am Samstag auch Kevin Wiethaup. Der 20-Jährige hatte bereits vor mehreren Wochen seinen Wechsel zum Karlsruher SC bekannt gegeben und stand nach mehreren Spieltagen ohne Kadernominierung gegen Ulm wieder in der Anfangsformation. Das VfL-Eigengewächs zeigte dabei, warum ihn die VfL-Fans in der kommenden Saison vermissen werden. Mit 67 Ballaktionen war der Mittelfeldspieler der Dreh- und Angelpunkt des Osnabrücker Spiels und legte eine Passquote von 84,6 Prozent an den Tag. Einen noch besseren Wert wies Kapitän Jannik Müller auf. Mit 89,5 Prozent konnte ihn wieder einmal kein anderer VfL-Startelfspieler an diesem Spieltag überbieten. Für den 32-Jährigen war es nach Abpfiff bereits das zweite Mal in seiner Karriere, dass er den 3.-Liga-Pokal in den Händen halten durfte. Dabei bekam er als Kapitän als Allererstes die achteinhalb Kilogramm schwere und 63 Zentimeter hohe versilberte Trophäe überreicht.
Mit dem Silberstück in den Händen ging es für die Mannschaft dann auf den Zaun der Ostkurve, wo gemeinsam mit den Fans hautnah der dritte Meistertitel der 3. Liga in der Vereinsgeschichte gefeiert wurde. An solche Feierlichkeiten könnte sich auch Stürmer Robin Meißner gewöhnen. Schließlich wurde kurz vor der Partie bekannt gegeben, dass der 26-Jährige auch über den Sommer hinaus in der Hasestadt bleibt. „Ich habe von Anfang an betont, wie wohl ich mich hier fühle. Im Verein, in der Stadt und in der Mannschaft. Deswegen freue ich mich auf die kommenden Jahre. Und wir haben dann glaube ich in der nächsten Saison ein bisschen was zu tun. Aber wir freuen uns drauf und wollen dann auch die zweite Liga rocken!“ Zuvor hat der Toptorschütze der Lila-Weißen aber gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen noch andere Pläne, wie er bei VfL-TV verriet: „Heute nur Party, morgen nur Party, Montag nur Party und dann schauen wir mal, dass wir Samstag irgendwie in Stuttgart wieder spielen können.“ Dabei war er nach der Partie keineswegs der Einzige, der mit großer Vorfreude auf die kommenden Tage blickte. „Das wird vogelwild. Die Mannschaft ist komplett heiß. Ich glaube, die nächsten drei Tage kann uns keiner bremsen“, gestand Lars Kehl im Interview bei MagentaSport.
Cheftrainer Timo Schultz lenkte im Interview bei MagentaSport dagegen den Fokus noch einmal auf die Akteure, die ein letztes Mal im Dress des VfL an der Bremer Brücke aufliefen. „Es freut mich vor allem für Spieler wie Ajdini und Tesche, die das Jahr wirklich Vollgas gegeben haben und einen großen Teil dazu beigetragen haben, dass wir als Gruppe so funktioniert haben.“ Neben Tesche und Ajdini wurden mit Mats Remberg, Yigit Karademir, Frederik Christensen, Kevin Wiethaup, Lars Kehl, Julian Kania und Luc Ihorst noch sieben weitere Spieler vor dem Spiel verabschiedet. Dabei lobte Timo Schultz auch die Fans für den würdigen Abschied der lila-weißen Jungs: „Es ist echt toll, dass wir ihnen heute so einen Rahmen bieten konnten. Das macht dann auch die Bremer Brücke aus, dass sie ein solches Gespür für solche Situationen und Spieler hat.“
Allgemein zeigte sich die Bremer Brücke in dieser Saison stimmungsvoll. Die VfL-Fans stellten sogar einen neuen Zuschauer-Bestwert in der 3. Liga auf und hatten damit einen entscheidenden Anteil daran, dass die Osnabrücker in diesem Jahr zu Hause weiterhin ungeschlagen sind und man am Ende vor allem dank einer herausragenden Rückrunde zum insgesamt achten Mal in die 2. Bundesliga aufsteigen konnte. Vor dem ersten Zweitligaspiel reist der VfL zum letzten Saisonspiel am kommenden Samstag noch zur Zweitvertretung des VfB Stuttgart (Anpfiff: 13:30 Uhr). Mit den Schwaben haben die Lila-Weißen noch eine Rechnung offen. Schließlich musste man im Hinspiel eine 1:2-Niederlage hinnehmen. Der VfL hat in dieser Saison bislang gegen keine Mannschaft sowohl im Hin- als auch im Rückspiel verloren. Und das soll auch zum Abschluss einer unvergesslichen Spielzeit so bleiben.
Text: Jendrik Greiwe Bilder: Jonas Jürgens







































