feverpitch.de
·10. Januar 2026
Elf Stunden für eine neue Führung: Saarbrücken zeigt, wie Vereinsdemokratie funktioniert

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·10. Januar 2026

Der 1. FC Saarbrücken hat nach elfstündiger Jahreshauptversammlung eine neue Vereinsstruktur beschlossen. Barbara Haupenthal ist erste Präsidentin der Klubgeschichte.
Der 1. FC Saarbrücken hat in der Nacht von Donnerstag auf Freitag bewiesen, dass Vereinsdemokratie kein Sprint ist, sondern ein Marathonlauf. Elf Stunden dauerte die Jahreshauptversammlung, die erst um kurz nach fünf Uhr morgens endete. Von ursprünglich 1700 Mitgliedern harrten noch rund 150 bis zum Schluss aus. Das ist keine Posse, das ist gelebte Basisarbeit.
Was in Saarbrücken passiert ist, verdient Respekt. Der Traditionsklub, einst Gründungsmitglied der Bundesliga und längst in der Drittklassigkeit angekommen, hat sich eine neue Führungsstruktur gegeben. Das klingt nach trockener Vereinsbürokratie, ist aber in Wahrheit ein mutiger Schritt. Denn wer seine Satzung ändert, wer Macht neu verteilt, der stellt sich den unbequemen Fragen. Und davon gab es in dieser Nacht offensichtlich reichlich.
Barbara Haupenthal ist nun Präsidentin des 1. FC Saarbrücken. Die erste Frau in diesem Amt in der Vereinsgeschichte. Das allein wäre eine Meldung wert. Doch die eigentliche Nachricht liegt tiefer: Das Präsidium hat künftig vor allem repräsentative Aufgaben. Die operative Macht wandert in einen siebenköpfigen Aufsichtsrat, der drei hauptamtliche Vorstände für Sport, Finanzen sowie Marketing und Vertrieb berufen soll. Das ist eine professionelle Struktur, wie sie bei ambitionierten Klubs längst Standard sein sollte.
Dass Hartmut Ostermann, der bisherige Präsident, nun im Aufsichtsrat sitzt, ist kein Zufall. Seine Hotelkette Victor's ist seit Jahrzehnten Hauptsponsor des Vereins. Ostermann bleibt also an Bord, nur eben in anderer Funktion. Man kann das als geschickte Kontinuität lesen oder als Machterhalt durch die Hintertür. Vermutlich ist es beides. Entscheidend wird sein, ob der neue Aufsichtsrat tatsächlich unabhängig agiert oder ob die alten Seilschaften unter neuem Etikett weiterwirken.
Die Saarbrücker haben sich für einen Weg entschieden, der Transparenz verspricht. Ob dieses Versprechen eingelöst wird, muss sich zeigen. Aber allein die Tatsache, dass über zwanzig Kandidaten für den Aufsichtsrat antraten und mehrere Wahlgänge nötig waren, zeigt: Hier wurde nicht durchgewunken, hier wurde gerungen.
Elf Stunden für eine Vereinsversammlung sind absurd lang. Aber sie sind auch ein Zeichen dafür, dass den Menschen dieser Klub nicht egal ist. In Zeiten, in denen Investoren Vereine kaufen und Mitglieder zu Statisten degradiert werden, ist das keine Selbstverständlichkeit. Der 1. FC Saarbrücken hat sich in dieser Nacht nicht nur eine neue Führung gegeben. Er hat gezeigt, dass Vereinsdemokratie anstrengend ist, aber lebendig.









































