Ex-Meister Leicester City abgestiegen: Das Märchen von 2016 war nie mehr als teure Fiktion | OneFootball

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·22. April 2026

Ex-Meister Leicester City abgestiegen: Das Märchen von 2016 war nie mehr als teure Fiktion

Artikelbild:Ex-Meister Leicester City abgestiegen: Das Märchen von 2016 war nie mehr als teure Fiktion

Zum zweiten Mal in zwei Jahren abgestiegen: Leicester City spielt künftig in der League One – nach Punktabzug und nur einem Ligasieg in der Championship-Saison.

Zehn Jahre. So lange ist es her, dass Leicester City die Premier League gewann und die halbe Fußballwelt daran glauben wollte, dass Geld nicht alles ist. Jetzt, 2026, steht derselbe Klub vor dem Gang in die League One – zum zweiten Mal in zwei Jahren durchgereicht, erst aus der Premier League, nun aus der Championship. Das Märchen von 2016 war nie die Ausnahme vom System. Es war die PR-Abteilung des Systems.


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Denn was als Triumph des Unmöglichen verkauft wurde, war in Wahrheit der teuer erkaufte Zufall eines thailändischen Milliardärsklans. King Power, Claudio Ranieris Pragmatismus, ein genialer Sommer – und dann: die Logik des modernen Fußballs, die keine Ausnahmen duldet. Wer oben bleiben will, muss investieren. Wer investiert, trifft irgendwann auf die Financial Fairplay-Regeln. Und wer die reißt, zahlt. In Leicesters Fall mit einem Sechs-Punkte-Abzug schon zum Saisonstart.

Eine von achtzehn Ligapartien gewonnen. Das ist keine Formkrise, das ist eine Bilanz, die man in keiner Tabelle der Welt mehr drehen kann. Das 2:2 gegen Hull City am drittletzten Spieltag war nur die Protokollnotiz zu einem Abstieg, der seit Monaten feststand. Der Punktabzug zu Saisonbeginn war die eigentliche Vorentscheidung – die sportliche Strafe für einen Klub, der jahrelang über seine Verhältnisse lebte, weil er glaubte, das Märchen verpflichte zur Fortsetzung.

2008 stieg Leicester schon einmal in die dritte Liga ab – und kam nach einem Jahr zurück. Was folgte, nannte der SID "goldene Jahre": FA Cup 2021 gegen Chelsea, Supercup gegen Manchester City, Meisterschaft. Alles echt, alles verdient. Und alles finanziert aus einer Kasse, die irgendwann geprüft wurde. Jetzt sind die Eigentümer noch da, der Sportdirektor ist seit 2014 im Amt – und die Fans sind die Einzigen, die nichts mehr zu verlieren haben.

Ihre Wut ist sortiert, aber zersplittert. Die einen protestieren gegen Klubboss Khun Aiyawatt "Top" Srivaddhanaprabha, den Sohn des 2018 verunglückten Vichai. Andere fordern den Rauswurf von Sportdirektor Jon Rudkin. Wieder andere richten ihren Zorn gegen die Mannschaft: "Ihr seid nicht geeignet, dieses Trikot zu tragen!" Drei Adressen für einen einzigen Absturz – das ist kein Zufall, das ist Arbeitsteilung der Enttäuschung. Jeder schiebt dem Nächsten den schwarzen Peter zu, weil niemand die gemeinsame Verantwortung tragen will.

Und genau hier liegt die eigentliche Lehre aus dem Fall Leicester: Das Märchen von 2016 hat nicht nur Fans, Reporter und Trainer verzaubert – es hat einen Klub in die Fiktion gelockt, er könne Großes leisten, ohne groß zu sein. Zwei Abstiege in zwei Jahren sind die Rechnung dafür. Der Milliardär bleibt Milliardär. Der Sportdirektor bleibt Sportdirektor. Die Spieler werden verkauft oder vergessen. Bezahlt haben die, die jeden Samstag das Trikot gekauft haben.

Leicester 2016 galt als Beweis, dass im Fußball noch alles möglich sei. Leicester 2026 ist der Beweis, dass nichts davon umsonst war – im doppelten Wortsinn. Wer Sensationen auf Pump finanziert, bekommt irgendwann die Inkasso-Post. Und die größte aller Fußball-Geschichten endet nicht mit einem Pokal, sondern mit einem Punktabzug.

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