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·25. April 2026
"Extrem bitterer Moment für den Verein": Stille statt Pfiffe in Aue

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Über Wochen hatte sich der Abstieg des FC Erzgebirge Aue angebahnt, seit Samstagnachmittag um 15:54 Uhr ist dieser nun auch rechnerisch besiegelt. Dennoch blieben Unmutsbekundungen nach Spielende aus, stattdessen herrschte einfach Stille, ehe es sogar aufmunternden Applaus gab. Marcel Bär zollte Respekt.
Pfiffe oder lautstarke Unmutsäußerungen? Nein, als Schiedsrichterin Davina Lutz die Partie beendete, herrschte im Erzgebirgsstadion einfach nur Stille. Während die Spieler enttäuscht auf den Boden sanken, kämpften einige der 5.630 Fans (Minuskulisse in dieser Saison) mit den Tränen. Währenddessen wurde das Lied "Steh auf, wenn du am Boden bist" von den "Toten Hosen" eingespielt, und Stadionsprecher Mario Dörfler kündigte mit brüchiger Stimme an: "Wir werden niemals untergehen!"
Als sich die Mannschaft dann auf die obligatorische Runde durch das Stadion machte, gab es aufmunternden Applaus, am Fanblock klatschten die Fans mit den Spielern ab und skandierten: "Wir stehen zu dir, egal ob in Liga 2, 3 oder 4. Lila-Weiß unser Lebenselixier. Und ihr werdet‘s alle sehen: Wismut Aue wird niemals untergehen." Szenen, die unmittelbar nach einem Abstieg nicht unbedingt alltäglich sind. Doch weil der Abstieg bereits nach den vergangenen Spielen so gut wie besiegelt war, blieb der ganz große Frust aus.
"Wir haben es in den letzten Wochen schon kommen sehen, dass es eine Mammutaufgabe wird", hielt Marcel Bär bei "MagentaSport" fest und fand es daher auch "gar nicht so schwierig", die richtigen Worte zu finden. "Wir konnten uns darauf vorbereiten. Natürlich ist das ein extrem bitterer Moment für den Verein, die Region und die Spieler. Aber das ist nicht alles heute passiert, sondern im Laufe der Saison." Der Stürmer sprach von einem "schleichenden Prozess", der in der Tat schon seit Monaten anhält. "Jetzt haben wir Gewissheit, und es tut extrem weh." Den Fans sprach er dabei ein "Riesenkompliment" aus: "Es ist nicht selbstverständlich, dass man nach einem Abstieg beklatscht wird." In den letzten Wochen sei das "auch mal anders herum" gewesen, spielte Bär auf die hämischen Reaktionen nach der Klatsche gegen Hoffenheim an. "Da haben die Fans einen guten Schritt nach vorne gemacht."
Viele Anhänger wünschen sich einen Verbleib des Angreifers, was auch Bär bereits vernommen hat: "Das hat man sich auch ein Stück weit selbst erarbeitet." Ob er den Veilchen erhalten bleibt, ist aber noch offen. Erste Gespräche mit dem Verein hätten zwar bereits stattgefunden, eine Tendenz gebe es aber noch nicht, "weil ich erstmal die Saison zu Ende spielen will", so Bär. Er könne sich "vieles" und "in alle Richtungen" vorstellen, aber noch sei nichts spruchreif. "Ich will keine falschen Versprechungen machen." Zusammen mit seiner Familie will sich der 33-Jährige in den nächsten Tagen und Wochen zusammensetzen und dann eine Entscheidung treffen.
Offen ist auch noch die Zukunft von Trainer Khvicha Shubitidze. Wie der 51-Jährige sagte, soll in den nächsten zwei oder drei Wochen aber Klarheit herrschen. Grundsätzlich kann sich der Georgier einen Verbleib vorstellen. "Wenn ich helfen kann, helfe ich gerne – in welcher Funktion auch immer." Dass die Mannschaft sich gegen Wiesbaden trotz der beiden Gegentreffer nicht aufgab und jeweils zurückschlug, rechnete Shubitidze ihr hoch an. "Das stimmt mich mit Blick auf die Zukunft hoffnungsvoll." Es gehe nun darum, wieder aufzustehen. Drei Spiele stehen noch aus, dann geht es nach 23 Jahren im Profifußball erstmals in die Regionalliga – ein historischer Einschnitt. Am 23. Mai wartet aber noch das Landespokal-Finale gegen den FSV Zwickau. Mit einem Sieg und der damit verbundenen DFB-Pokal-Qualifikation könnten die Veilchen eine völlig missratene Saison noch mit einem kleinen Lichtblick abschließen.
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