Fan-Skandal von Mannheim: Tut endlich was dagegen! | OneFootball

Fan-Skandal von Mannheim: Tut endlich was dagegen! | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: feverpitch.de

feverpitch.de

·22. August 2026

Fan-Skandal von Mannheim: Tut endlich was dagegen!

Artikelbild:Fan-Skandal von Mannheim: Tut endlich was dagegen!

35 verletzte Beamte, 85 medizinisch Betreute, ein Spiel dicht vor dem Abbruch: Die Ausschreitungen zum Pokal-Auftakt zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern erschüttern den deutschen Fußball erneut. Aber die wichtigsten Fragen versanden im Nichts

Die Fan-Ausschreitungen zum Pokal-Auftakt zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern (0:1 n.V.) haben den deutschen Fußball zum wiederholten Mal in seinen Grundfesten erschüttert. Pyrotechnik, Gewaltlust, Selbstherrlichkeit: Die Saison 2026/27 beginnt mit einer veheerenden Bilanz.


OneFootball Videos


35 verletzte Beamte, 85 medizinisch Betreute, ein Spiel dicht vor dem Abbruch: Am Ende zahlt ein Verein — und die wichtigsten Fragen versanden im Nichts.

Der Konflikt hat drei Parteien, die alle recht zu haben glauben: Baden-Württembergs Innenminister Manuel Hagel nennt die Randalierer in der Bild „kein Fan, sondern ein Krimineller“, Polizeidirektor Michael Reichert sagt nach 35 verletzten Beamten „unser taktisches Konzept ging voll auf“, und Schiedsrichter Robert Schröder erklärt, er sei „sehr nah am Abbruch“ gewesen. Das ist die eine Seite.

Auf der anderen Seite steht eine Fanszene, die im Dezember mit Zehntausenden in Leipzig gegen personalisierte Tickets und Gesichtserkennung demonstriert hat — und gewonnen hat: Die Innenministerkonferenz nahm am 5. Dezember von genau diesen Maßnahmen Abstand.

Acht Monate später stürmt in Mannheim ein Block den Platz, und der DFB kündigt eine „umfassende Aufarbeitung“ an, an deren Ende erfahrungsgemäß eine Geldstrafe für zwei Vereine steht. Wir kennen diesen rituellen Unsinn schon. Er wird in Ohnmacht enden und die Symptome in Form einer Symbolstrafe zu überdecken versuchen. Die Ultras machen unseren Fußball kaputt. Und keiner tut was Wirkungsvolles dagegen. Keiner.

Gehen wir in die Details. Die Strafe trifft selten den, der eine Rakete gezündet hat. Schröder kündigt einen Sonderbericht an, dann entscheiden Spielausschuss oder Sportgericht — und die bestrafen den Verein, nicht den Täter. Waldhof Mannheim ist ein Drittligist, dem eine sechsstellige Summe wehtut, und der genau nichts dafür kann, dass 3.500 Gästefans im Haus waren. Wen genau soll dieses Verfahren abschrecken?

Das Strafrecht läuft längst parallel, nur redet niemand darüber. Die Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. Das sind die Delikte, um die es geht — und trotzdem dreht sich die Debatte am Tag danach um Geisterspiele und Blocksperren. Warum misst der Fußball seine Antworten nicht daran, wie viele Verfahren am Ende zu einer Verurteilung führen?

Der Rückzug vom 5. Dezember steht seit gestern Abend zur Debatte. Die Innenminister ließen personalisierte Eintrittskarten, KI-Gesichtserkennung und automatische Stadionverbote fallen; geblieben ist eine Kommission beim DFB für „einheitliche Standards“ und den Ausbau der Stadionallianzen, die es bislang in acht Bundesländern gibt. War das eine kluge Deeskalation — oder die Einladung, die in Mannheim angenommen wurde?

Die Gegenstimme ist stärker, als der Tag nach dem Spiel es zulässt. In der Saison 2024/25 wurden bei über 25 Millionen Stadionbesuchern 1.107 Menschen verletzt, 17 Prozent weniger als im Jahr davor. Das sind 0,004 Prozent. Wer aus einem Abend in Mannheim ein bundesweites Sicherheitsproblem macht, argumentiert gegen die eigene Statistik — und liefert die Vorlage für Maßnahmen, die 25 Millionen treffen, um ein paar hundert zu erreichen.

„Hochrisikospiel mit Ansage“ ist ein Satz, der sich gegen den Spieß, der ihn sagt, spitzt. Hagel benutzt ihn zum Lob der Polizei. Man kann ihn auch anders lesen: Wenn alle wussten, was kommt, warum wurde dann am Freitagabend angepfiffen, ausverkauft, mit 3.500 Gästefans und 1.400 Beamten? Die Ansetzung ist eine Entscheidung, keine Naturgewalt.

Der Schiedsrichter hat die Machtfrage beantwortet, und niemand mag das Ergebnis. Schröder unterbrach rund 30 Minuten und ließ dann weiterspielen; der FCK gewann durch Ibrahim Kanaté in der 120. Minute. Ein Abbruch hätte die Bilder verhindert, aber auch die Botschaft gesendet, dass ein Block über den Ausgang eines Pokalspiels entscheidet. Welche der beiden Botschaften ist die teurere?

Die Kosten stehen bis heute nirgends. 1.400 Beamte, darunter Kräfte aus Rheinland-Pfalz und Bayern, für ein Erstrundenspiel zwischen einem Dritt- und einem Zweitligisten. Die Debatte über eine Beteiligung der Klubs an Polizeikosten läuft seit Jahren an Bremen entlang — dieser Abend liefert die Rechnung, die sie bisher vermisst haben.

Was die Klubs selbst können, und was sie nicht tun. Thomas Hengen, Sportgeschäftsführer des FCK, sagt: „Das schadet uns, das schadet allen, das schadet dem Fußball.“ Richtig — nur folgt daraus, dass ein Verein die eigenen Leute kennt, benennt und aussperrt, und nicht, dass er auf den DFB wartet. Wie viele Stadionverbote sprechen Waldhof und Lautern in den nächsten vier Wochen selbst aus?

Die Pyro-Frage kommt zurück, und zwar mit dem falschen Vorzeichen. Eine kontrollierte Freigabe hat immer damit geworben, das Abbrennen aus der Illegalität zu holen. In Mannheim flogen Raketen auf die Haupttribüne, also auf Menschen. Ist damit die Freigabe-Debatte erledigt — oder ist genau das das Argument dafür, zwischen Bengalo und Waffe endlich zu unterscheiden?

Woran misst man in einem Jahr, ob etwas passiert ist? Nicht an der Höhe der Geldstrafe und nicht an der Zahl der Pressemitteilungen. Sondern daran, ob es Verurteilungen gegeben hat, ob Waldhof und Lautern oder irgendwelche Erzrivalen sonst wieder aufeinandertreffen — und ob dafür wieder 1.400 Beamte gebraucht werden.

Impressum des Publishers ansehen