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·13. März 2026

FC Bayern: Hoeneß und Rummenigge versprechen den Rückzug – und bleiben

Artikelbild:FC Bayern: Hoeneß und Rummenigge versprechen den Rückzug – und bleiben

Oliver Kahn bemängelt, dass die Machtübergabe beim FC Bayern im Schneckentempo vorangeht. Hoeneß und Rummenigge sitzen weiter im Aufsichtsrat.

Es gibt Versprechen, die man so lange wiederholt, bis sie niemand mehr hört. Beim FC Bayern nennt man das Nachfolgeregelung. Torwartlegende und Ex-CEO Oliver Kahn hat es jetzt ausgesprochen, was viele schon lange denken, aber nur wenige laut sagen: Die Machtübergabe an der Säbener Straße geht "immer noch im Schneckentempo" voran. Das sitzt. Nicht weil es eine Neuigkeit wäre, sondern weil es ausgerechnet der Mann sagt, der diesen Konflikt aus nächster Nähe kennt und dabei selbst nicht unbescholten ist. Aber Kahn hat recht. Und das ist das Unbequeme an dieser Geschichte.


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Der Vorwurf ist konkret: Hoeneß und Rummenigge haben nach eigener Aussage angekündigt, sich zurückzuziehen – sobald die richtigen Nachfolger gefunden seien. Das ist, als würde man die eigene Rente davon abhängig machen, ob der Wetterdienst eine perfekte Prognose liefert. Kahn kommentierte diese Haltung mit einem Satz, der nur noch süffisant klingen kann: "Gefunden hat man ja jetzt scheinbar immer noch niemanden." Jahre sind vergangen. Der Rückzug bleibt Ankündigung.

Dabei sind beide, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, weiterhin im Aufsichtsrat des Klubs. Beide haben wiederholt erklärt, sich erst dann zu verabschieden, wenn Bayern strukturell, finanziell und sportlich optimal aufgestellt sei. Das klingt verantwortungsvoll. Es könnte aber auch bedeuten: niemals. Denn wann genau ist ein Klub wie Bayern München jemals vollständig optimal aufgestellt? Den Zielzustand, der den Abgang rechtfertigen würde, können die Patriarchen selbst definieren. Das ist kein Übergabeplan. Das ist eine Hintertür.

Das eigentliche Problem liegt tiefer. Hinter Kahns Sticheleien steckt eine strukturelle Frage, die Bayern sich seit Jahren nicht ehrlich beantwortet: Wie führt man diesen Klub ohne die beiden Männer, die ihn jahrzehntelang geprägt haben? Einen klaren Nachfolgeplan hat der Verein offenbar nicht – oder jedenfalls keinen, den man öffentlich vertreten könnte. Hoeneß wies Vorwürfe einer zu starken Einmischung zwar mehrfach zurück. Aber der Widerspruch zwischen dem erklärten Rückzugswillen und dem tatsächlichen Verbleib im Aufsichtsrat spricht für sich.

Das Traurige daran: Sportlich hat Kahn, ausgerechnet, nichts zu bemängeln. Er lobt seine Münchner in den höchsten Tönen, sieht sie als aktuell beste Mannschaft Europas, attestiert dem Kader eine Tiefe, bei der Qualität "kaum oder teilweise gar nicht" abfalle. Das ist kein kleines Lob. Es zeigt aber auch: Hier läuft eine Mannschaft, die trotz ungeklärter Machtfragen an der Spitze funktioniert – vielleicht sogar wegen der Abwesenheit klarer Zuständigkeiten, weil der Druck auf dem Platz kanalisiert wird, was in den Sitzungssälen staut.

Der FC Bayern ist in dieser Saison womöglich der stärkste Klub Europas. Er hat dennoch ein Führungsproblem. Beides gleichzeitig ist möglich – und genau das macht es so schwierig, ehrlich darüber zu reden. Denn wer gegen die Patriarchen argumentiert, muss erklären, was danach kommt. Kahn hat die Frage gestellt. Eine Antwort hat auch er nicht gegeben.

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