Miasanrot
·26. August 2026
FC Bayern verlängert mit Max Eberl und Jan-Christian Dreesen – ist das die dauerhafte Wachablösung?

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·26. August 2026

Max Eberl und Jan-Christian Dreesen verlängern bis 2029 beim FC Bayern. Warum es bei Eberl dafür mehr als sportlichen Erfolg brauchte. Und was das für die Wachablösung nach Hoeneß und Rummenigge bedeutet.
Der Aufsichtsrat des FC Bayern hat in seiner Sitzung am 25. August beschlossen, die Verträge des Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen und Sportvorstand Max Eberl jeweils bis zum 30. Juni 2029 zu verlängern. Der Aufsichtsratsvorsitzende Herbert Hainer erklärte: „Kontinuität sorgt für Orientierung, Stabilität verschafft Stärke.“
Bei beiden Personalien hatte sich die Entscheidung zuletzt abgezeichnet. Trotzdem sind die Vertragsverlängerungen eine wichtige strategische Entscheidung für den FC Bayern. Mit Dreesen und Eberl bindet der Club zwei Vorstände langfristig. Zum ersten Mal seit Jahren scheint jene Wachablösung, an der man sich über Jahre schwergetan hatte, Form anzunehmen.
Miasanrot blick auf die beiden Verlängerungen.
Jan-Christian Dreesen gehört bereits seit 2013 dem Vorstand an, zunächst als Finanzchef. Eigentlich sollte seine Zeit beim FC Bayern 2023 enden. Dann wurde Oliver Kahn entlassen, und Dreesen wurde kurzfristig zum Vorstandsvorsitzenden bestellt.
Die Konstellation 2023 war nicht optimal. Bereits zwei Jahre vorher war der langjährige Vorstand für Internationalisierung und Strategie Jörg Wacker gegangen, ein Jahr später sollte Andreas Jung, Vorstand für Marketing folgen. Ebenfalls war noch kein Nachfolger für Hasan Salihamidžić als Sportvorstand gefunden.
Übrig blieben Dreesen und Michael Diederich, zwei Ex-Banker an der Spitze des FC Bayern. Das konnte keine Dauerlösung sein. Kurz nachdem Dreesens Vertrag als CEO im November 2024 bis 2027 verlängert wurde, verließ Diederich den FC Bayern.
Mit Max Eberl für den Sport und Rouven Kasper für Marketing und Vertrieb steht neben Dreesen heute wieder ein Vorstand, dessen Aufteilung nach Kompetenzen und in die verschiedenen Ressorts stimmig wirkt.
Dreesen selbst tritt immer stärker in die Fußstapfen seines Vor-Vorgängers Karl-Heinz Rummenigge. Er sitzt im Vorstand der European Club Association und im Präsidium der Bundesliga. Wirtschaftlich ist das Feld beim FC Bayern ohnehin bestens bestellt. Der Verein wächst und ist finanziell gesund. Selbst während der Corona-Krise blieben die Zahlen schwarz.
Auch bei Max Eberl hatte sich die Verlängerung zuletzt abgezeichnet.
Auf den ersten Blick ist auch seine Vertragsverlängerung vor dem Hintergrund der sportlichen Bilanz eine klare Entscheidung. Vincent Kompany ist eine Ideallösung als Trainer. Michael Olise begeistert mit seiner sportlichen Klasse ebenso wie Luis Díaz. Dazu kommen Schnäppchen wie Tom Bischof und Jonathan Tah, die ebenfalls den Kader verstärken.
Zwei Meisterschaften und zuletzt das Double zementierten Bayerns nationalen Anspruch, während das Team sich in der letzten Saison auch in der Champions League eindrucksvoll im Kreis Europas Elite zurückgemeldete. Das schaffte Eberl zwar mit viel Geld, aber mit weniger als die direkten Konkurrenten um Europas Krone. Eberls Transferminus seit Sommer 2024 steht bei 120 Millionen Euro. Paris kommt im gleichen Zeitraum auf ein Minus von 156, Real Madrid auf 260 und der FC Arsenal auf 500 Millionen Euro.
Kritik gab es dennoch, weil Ergebnisse allein zur Bewertung eines Sportvorstands nicht ausreichen. Sportlicher Erfolg ist zu einem großen Teil abhängig von Zufall, viel mehr als Beobachter es wahrhaben wollen.
Weil Zufall so eine große Rolle spielt, ist es wichtig, für die Bewertung eines Sportvorstandes auch auf die Prozesse zu schauen.
Und dort bot Eberls Vorgehen Ansatzpunkte für Kritik. Seine Trainersuche war ein Zickzackkurs, der auch Fragen zu seiner sportlichen Strategie aufwarf: Ballbesitz? Offensive? Stabilität? Pressing? Wofür sollte sein FC Bayern sportlich stehen? In dieser Phase winkte er auch trotz Pavlovićs interner Entwicklung den ein Jahr vorher geplanten Palhinha-Transfer durch – seinen bis heute teuersten Fehlgriff –, obwohl dieser so gar nicht zum Fußball seines neuen Trainers Kompany passen würde.
Selbst wenn es vorher Absprachen gab, wäre das Timing optimal gewesen, um klare Kante zu zeigen. Womöglich hätte das sogar Eindruck bei Hoeneß und Rummenigge hinterlassen. Möglichkeiten, um sich aus der Nummer noch herauszuwinden, hätte es ausreichend gegeben. Eberl mied die Konfrontation – menschlich nachvollziehbar, sportlich und finanziell aber die falsche Entscheidung.
Auch in Sachen Kaderzusammenstellung und Abstimmung mit dem Aufsichtsrat lief nicht alles am Schnürchen. Dass Lennart Karl so einschlagen konnte, verdankte er auch dem schlanken Kader. Der wiederum war weniger die Folge von Eberls Planung, sondern eines Vetos des Aufsichtsrats, als Eberl nach dem Coman-Verkauf noch nachlegen wollte, aber nicht durfte.
In diese Reihe würden noch weitere Kritikpunkte passen. Doch es ist müßig, diese aufzulisten. Kein Sportvorstand ist fehlerlos. Kein Transfergenie trifft immer ins Schwarze. Auch die einst hochgelobten Krösches, Mislintats und Liverpools dieser Welt machen Fehler.
Was hingegen für Eberl spricht: Er arbeitet an Schwächen in der Strategie. Die Zusammenarbeit mit dem Aufsichtsrat hat sich verbessert. Vorstand und Aufsichtsrat gründeten eine Art schnelle Eingreiftruppe für Transfers. In dieser laufen die Abstimmungen geräuschloser. Das ist eine kleine, aber wichtige Anpassung für die interne Kommunikation.
Ohnehin sind es viele solcher Kleinigkeiten mit großer Wirkung, mit denen Eberl überzeugt. Auch darin zeigt sich seine Erfahrung und Qualität. Seine Kommunikation ist on point.
Beispielhaft gab es zu Beginn von Kompanys Amtszeit im Kreis der FC-Bayern-Journalisten ein leichtes Murren über dessen Kommunikation. Kompany versteht es meisterhaft, vielsagend nichts zu sagen, insbesondere nicht über einzelne Spieler. Im Vergleich zu seinen Vorgängern Thomas Tuchel und Julian Nagelsmann liefert er damit viel weniger Material für die Presse.
Eberl reagierte so dezent wie richtig: Er setzte sich in Pressekonferenzen neben Kompany, ging auch ansonsten oft selbst ans Mikro und liefert seither die perfekte Dosis: vielsagend wenig zu sagen. Eberl gibt keine kritischen internen Wasserstandsmeldungen ab, aber immer genug, um die Medien zu beschäftigen und zu besänftigen und Kompany dadurch den Rücken frei zu halten.
Es sind solche cleveren Maßnahmen, mit denen er für das derzeit positive und erfolgreiche Arbeitsumfeld an der Säbener Straße sorgt. Und das wiederum ist die entscheidende Basis für seine verdiente Vertragsverlängerung.
Offen bleibt, wie es für ihn weitergeht. Kritik gab es unter anderem auch an seinen Entscheidungen in Bezug auf den Campus und das Scouting. Markus Weinzierl kam ohne nachweisbare Kompetenz und bekam direkt einen hohen Posten am NLZ. Er musste schnell wieder gehen. Niels Schmadtke soll als Chefscout nicht überzeugen – ebenfalls ein Eberl-Mann. Zuletzt gab es einen kleinen personellen Umbruch, bei dem die eine oder andere Eberl-Entscheidung wieder rückgängig gemacht wurde.
Seit 2009, als Uli Hoeneß aus dem Management ins Präsidentenamt und den Aufsichtsrat wechselte, steht das Thema Nachfolgeregelung auf seiner Agenda. Spätestens mit seiner Übergabe von Präsidium und Aufsichtsrat an Herbert Hainer im Herbst 2019 ist das Thema akut.
Bisher hatten Hoeneß und Rummenigge es nicht geschafft, die tatsächliche Führung des Vereins in neue Hände zu übergeben und komplett loszulassen. Von Christian Nerlinger über Matthias Sammer, Hasan Salihamidžić, Oliver Kahn bis hin zu Michael Diederich verschliss die Neuaufstellung viele Direktoren und Vorstände.
Die Liste der Namen zeigt ein Muster: Hoeneß und Rummenigge setzten zu lange auf Ex-Spieler ohne große Management-Erfahrung als Nachfolger. Mit diesem Ansatz ist der FC Bayern mehrfach gescheitert.
Als Bonus ist Stallgeruch wie bei Eberl sinnvoll, als Qualifikation nicht. Für die Führung einer Organisation mit rund 1.000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von knapp einer Milliarde Euro braucht es Management-Erfahrung. Dreesen, Eberl und den dritten Vorstand Kasper eint, dass sie umfangreiche Erfahrung auf anderen Stationen sammelten und sich ihre Sporen verdienten.
Dreesen ist 58, Eberl 52. Beide sind nun bis 2029 gebunden. Sie könnten damit tatsächlich zu den prägenden Gesichtern des FC Bayern werden und Uli Hoeneß (74) und Karl-Heinz Rummenigge (70) diesmal dauerhaft als zentrale Entscheider des FC Bayern ablösen.
Klar ist aber auch: Eberl ist nur eine sportliche Krise davon entfernt, wieder in ein anderes Licht zu rücken. Die letzten akuten und glaubwürdigen Gerüchte, dass man im Aufsichtsrat nicht zufrieden mit ihm sei, sind nicht lange her. Womöglich half ihm auch, dass es keine echten Alternativen zu Eberl in diesem Sommer gab. So konnte er sich beweisen und hat seine Chance genutzt. Er muss die zuletzt guten Entscheidungen und schnellen Handlungen auf dem Transfermarkt aber erst noch in den kommenden Monaten und Jahren bestätigen.







































