Miasanrot
·28. April 2026
FC Bayern vs. Paris Saint-Germain: So geht es ins Finale

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·28. April 2026

Das Halbfinalduell zwischen PSG und dem FC Bayern ist für viele das vorgezogene Finale. Miasanrot blickt auf die Teams und die zu erwartende Herangehensweise.
Es mögen Menschen in Madrid und London anders sehen, aber die Fußballwelt blickt heute nach Paris, um das Duell der wahrscheinlich beiden besten Fußballmannschaften zu bewundern. Zwei der größten Namen, die dazu guten Fußball spielen und auch noch konstant gewinnen. Einen wirklichen Favoriten gibt es nicht.
Klar, der Titelverteidiger hat immer einen gewissen Nimbus, allerdings spricht der Track Record nach wie vor klar für die Münchner und nicht für die amtierenden Champions aus Paris. Seit in der französischen Hauptstadt der katarische Staat 2011 eingestiegen ist und deren Aufstieg begann, gab es neun Duelle in der Champions League zwischen den renommierten Klubs – und sieben davon konnte Bayern für sich entscheiden, darunter das Spiel in der Gruppenphase in diesem Jahr und das Finale 2020. Nur zwei gewann Paris.
Relevant ist das für den Dienstagabend allerdings alles nicht. Es geht darum, in zwei Partien die bessere Mannschaft zu ermitteln. Dazu blickt Miasanrot auf die beiden Teams: Wie werden sie es angehen, wo gibt es Ansatzpunkte für die Münchner und was sollten sie tunlichst vermeiden, damit es nach Budapest ins Finale geht?
Selten ist es so klar, welche Aufstellungen die Trainer wählen werden, wie in diesem Duell. Beide Teams sind eingespielt, funktionieren und die Coaches haben eine ganz klare erste Elf. Bei Bayern ist ebenfalls klar: Vorne beginnt das Triumvirat aus Olise, Kane und Díaz. Das Zentrum bilden Kimmich und Pavlović sowie – nach der Verletzung von Gnabry – ohne Zweifel Musiala.
Die Defensive vor dem gesetzten Neuer wirft die einzige leichte Frage auf: Wer sind die beiden Außenverteidiger, die Upamecano und Tah flankieren? Viel spricht für die eingespielten Stanišić und Laimer, aber mit Davies drängt nach seiner Verletzung eine starke Option ins Team.
Auf Pariser Seite sieht es ganz ähnlich aus. In der Offensive sind Kvaratskhelia, Dembélé und Doué gesetzt. Das zentrale Mittelfeld besteht in wichtigen Spielen in dieser Saison in der Regel aus Neves, Vitinha und Zaïre-Emery. Im Tor steht nach einem Wechsel Safonov, und vor ihm die erfolgreiche Viererkette der Vorsaison, bestehend aus Hakimi, Marquinhos, Pacho und Mendes.
Die ganz großen Ausfälle gibt es auf beiden Seiten nicht. Bei Paris plagen sich einige wichtige Spieler die Saison über mit Verletzungen, sind aber dabei. Den Münchnern fehlen mit Gnabry, Karl, Bischof und weiteren etwas die Optionen von der Bank, aber kein essenzieller Stammspieler. Kompany ist bislang ohnehin nicht dafür bekannt, in wichtigen Spielen viel zu wechseln. Gut möglich, dass Davies der einzige Spieler ist, der eingewechselt wird, bevor es in die Schlussphase geht.
Einer fehlt allerdings doch: Trainer Vincent Kompany ist für das Spiel in Paris gesperrt. Er darf während der Partie nicht auf sein Team einwirken und wird vermutlich auf der Tribüne Platz nehmen. Was wegen seines Einflusses als Motivator und in der Kabinenansprache wehtun dürfte, doch da er im Spiel selbst nur selten umstellt, sollte das nicht allzu sehr ins Gewicht fallen.
Die vielzitierte Geschichte der Vorsaison beim Titelverteidiger lautet: eine wacklige Hinrunde, dann fand sich das Team von Luis Enrique und fegte über Europa hinweg. Das perfekte Beispiel dafür, dass ein Kollektiv aus jungen Teamplayern besser funktioniert als die Star-Ensembles, mit denen es Paris zuvor versuchte.
So einfach ist es natürlich nicht. Die von Luis Campos zusammengestellte Mannschaft war auch im Vorjahr ein Haufen an Ausnahmespielern. Praktisch jeder wichtige Akteur kam als großer Transfer für viel Geld und brachte bereits zuvor ein beachtliches Renommee mit. Es ist ein mit mehr Verstand zusammengestelltes Starensemble, aber eben trotzdem genau das.
Und so schlecht lief es auch in der Hinserie 2024/25 nicht. In der Champions League wackelte man etwas und musste in die Zwischenrunde, allerdings ging es vielen Teams so. In der Liga verlor man auf dem Weg zum Titel nur zweimal, jeweils vor den beiden Champions-League-Halbfinal-Partien, als einmal kräftig rotiert wurde.
Viele erzählen in dieser Saison die gleiche Geschichte: Im Winter hat sich das Team gefunden, seitdem läuft es. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen: ein Team, das wahrscheinlich Meister wird und im Halbfinale der Champions League steht, funktioniert natürlich. Dennoch ist etwas mehr Sand im Getriebe als im Vorjahr.
In der Liga mussten die Serienmeister bereits fünf Niederlagen hinnehmen und befanden sich lange in einem echten Titelkampf mit Überraschungsteam Lens, dem zuletzt etwas die Luft ausging. Komplett in trockenen Tüchern ist der Titel – anders als bei Bayern – noch nicht. Im Vergleich zum Vorjahr steht man am 30. Spieltag mit neun Punkten und 15 Toren, als auch drei Gegentoren weniger da. Damals war man zu diesem Zeitpunkt noch ungeschlagen. Auch im Pokal scheiterte man als Titelverteidiger überraschend früh im Sechzehntelfinale an Paris FC.
In der Champions League verlief die Saison ähnlich wie im Vorjahr: eine durchwachsene Gruppenphase, dann der Weg über die Zwischenrunde. Dort tat man sich gegen Monaco mit einem knappen 5:4 über beide Spiele schwer. Danach zog man gegen Chelsea (8:2) und Liverpool (4:0) souverän ins Halbfinale ein, wobei beide englischen Topteams derzeit keine einfache Phase haben.
Personell gab es keinen großen Umbruch, aber ein Abgang sticht heraus: Mit Gianluigi Donnarumma verlor man einen der besten Torhüter der Welt. Als Ersatz kam der talentierte Lucas Chevalier aus Lille, doch nach einigen Wacklern verlor Enrique das Vertrauen. Aktuell setzt er auf Matvey Safonov, der 2024 aus Krasnodar kam. Er ist solide, aber ein klares Downgrade zu Donnarumma.
Ansonsten fehlt aus der Stammelf der Vorsaison Fabian Ruiz häufig. Der Spanier quält sich mit verschiedensten Verletzungen herum und ist deshalb hinter den dynamischen und sehr jungen Zaïre-Emery zurückgefallen. Damit ging etwas spielerische Qualität verloren.
Ousmane Dembélé als Goalgetter und Kapitän Marquinhos geht es wie Ruiz, nur haben sie ihre Plätze nicht verloren. Der brasilianische Abwehrchef konzentriert sich weitestgehend auf die Champions League. Er kommt bei gleich vielen Einsätzen (12) in der Königsklasse auf mehr Minuten als in der Liga. Dembélé kommt immerhin auf 19 Einsätze in der Ligue 1. Mit zehn Toren ist er trotzdem zusammen mit Barcola der gefährlichste Torjäger der Liga. Das liegt auch daran, dass Kvaratskhelia in der Champions League mit acht Treffern besser performt als im nationalen Wettbewerb (7).
Zuletzt bereitete Taktgeber Vitinha Sorgen. Er verpasste die letzten beiden Ligaspiele verletzt, soll aber rechtzeitig zurückkehren. Wie fit er wirklich ist, ist unklar. Er ist der Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld und enorm wichtig, um das hohe Pressing der Bayern zu knacken.
Bei der Frage, wie die Bayern wiederum PSG knacken können, ist sofort der Torwart Thema. Safonov verfügt über gute Reflexe und ist stark im Eins-gegen-eins, fällt im Vergleich zu seinen Teamkollegen vom Niveau her aber deutlich ab. Donnarumma war schon kein mitspielender Torhüter, doch Safonov ist unter Druck unsauber, spielt viele riskante Pässe und klebt zudem gerne auf der Linie.
Es fehlt ihm auch an Konstanz, gute und schwächere Spiele wechseln sich häufig ab. Der markanteste Schwachpunkt ist jedoch die Strafraumbeherrschung. Ein gutes Beispiel ist das Siegtor von Min-jae Kim im Ligaspiel der vergangenen Saison: Safonov verschätzt sich bei einer scharfen Ecke am ersten Pfosten und ermöglicht so das Tor. Es wäre also eine gute Idee, wenn Kimmich an seiner Herangehensweise aus dem Duell mit Real festhält, als er Ecken sehr nah ans Tor zog und so auch das 1:1 in München entstand.
Bayern und PSG spielen sehr ähnlich, deshalb dürften die nächsten Punkte den Fans der Roten bekannt vorkommen – es sind gewissermaßen die Sollbruchstellen im eigenen Spiel. Die Außenverteidiger rücken im Aufbau sehr hoch auf, generell schiebt das gesamte Gebilde weit nach vorne. Im Fall eines Ballverlusts bietet man dadurch viel Angriffsfläche.
Das ist ein kalkuliertes Risiko, weshalb man auf den zentralen Positionen sehr ballsichere Spieler einsetzt. Trotzdem bleibt es eine Schwachstelle, vor allem, wenn es wie in dieser Saison nicht immer sauber funktioniert. Immer wieder verlieren auch sonst zuverlässige Spieler in brenzligen Situationen den Ball und laden den Gegner ein. Exemplarisch zu sehen in den Pariser Niederlagen: Beim 1:3 gegen Monaco fielen alle Gegentore nach haarsträubenden Ballverlusten im und um den eigenen Strafraum, und mit Zaïre-Emery und Vitinha traf es sogar zentrale Säulen.
Auch beim Bayern-Sieg in der Champions-League-Ligaphase erwischte der deutsche Rekordmeister die Pariser mehrfach im Aufbau. Damals waren es Mendes und Marquinhos, die durch Unaufmerksamkeiten die Gegentore beim 1:2 verursachten. Bayern hatte zuletzt gegen Real ähnliche Probleme, allerdings ziehen sie sich nicht so konstant durch die Saison wie beim kommenden Gegner. Ein hohes Pressing sollte Kompany daher beibehalten.
Die hoch aufrückenden Außenverteidiger gehören zu den besten und schnellsten der Welt. Hier hat Paris einen klaren Qualitätsvorsprung gegenüber Bayern, und zusammen mit Kvaratskhelia und Doué kann darüber enorme Wucht entstehen. Deshalb könnte es eine Option sein, nach überspieltem Pressing auch in einen tieferen Block zu fallen.
Paris lebt von schneller Progression und explosiven Angriffen über die Flügel, tut sich aber schwer gegen tief verteidigende Gegner und enge Mittelfeldstrukturen. Die Absicherung bleibt dabei ein Problem, da Mendes und Hakimi konsequent mit nach vorne schieben. Eine starke Zentrale mit einem tiefer agierenden Kane, der Olise und Díaz sucht, könnte hier gefährlich werden.
So konterten zuletzt Lyon und Rennes Paris bei ihren Siegen in der Liga erfolgreich mit langen Bällen hinter die Kette aus. Auch Chelsea kam trotz des klaren Ergebnisses immer wieder auf diese Weise zu Chancen. Das führt zum letzten Punkt. Hier kann Bayern nur bedingt Einfluss nehmen, es ist aber ein Hoffnungsschimmer: Das Team von Enrique agiert in dieser Saison sehr unkonstant, auch innerhalb von Spielen.
Beim 5:2 gegen Chelsea wurde teilweise begeisternder Offensivfußball gezeigt, gleichzeitig ließ man aber auch viel zu. Selbst für die schwächelnden Blues wären vier Auswärtstore in Paris möglich gewesen.
Dass sich die Teams in ihrer Herangehensweise ähneln, ist bei zwei Mannschaften, die aktuell den dominantesten Fußball in Europa spielen, nicht ungewöhnlich und verspricht bei der enormen Qualität auf dem Platz ein sehr unterhaltsames Spiel.
Die Münchner müssen auf ganz ähnliche Probleme achten. Der Torhüter wackelte zuletzt, auch wenn sein Grundniveau deutlich höher ist. Hinter den Außenverteidigern ist auch in München viel Platz, und nach Ballverlusten ist man ebenfalls anfällig. Auch die Halbräume, über die man selbst viel angreift, sind nicht immer gut abgesichert. Es wird viel auf Tah und Upamecano in direkten Duellen ankommen.
Wie schon Real ist auch Paris in der Lage aus wenigen Abschlüssen viel zu machen, weil sie ihre Chancen sehr konsequent nutzen. Auch mit den Räumen, die entstehen, wenn das Pressing überspielt wird, können sie viel anfangen. Dazu verfügt Paris über den breiteren Kader, sie haben deutlich mehr Optionen von der Bank.
Aber der Lauf spricht für die Münchner. Während Paris immer mal wieder etwas ins Schlingern gerät, scheinen die Bayern sich als Team richtig gefunden zu haben. Nichts scheint sie aktuell aus der Bahn werfen oder auf ihrem Weg stoppen zu können. Drei Rückstände gegen Real – kein Problem. 0:2 in Freiburg – gar kein Problem. 0:3 in Mainz – auch nicht. Es macht den Eindruck, als könnte es das Jahr der Münchner sein. Ein Jahr, nachdem es mit dem „Finale dahoam“ nicht geklappt hat. Es wäre nicht das erste Mal.
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