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·25. September 2026

FC St. Pauli 1. Frauen trennt sich von Jan-Philipp Kalla

Artikelbild:FC St. Pauli 1. Frauen trennt sich von Jan-Philipp Kalla

Die 1. Frauen des FC St. Pauli ist überschaubar in die Regionalliga-Saison gestartet, die Abteilungsleitung entschied sich für eine Trennung vom Trainerteam. „Time to say goodbye“ und Zeit für Veränderungen.Titelbild: @eddy.photogr

Tschüss, Schnecke!

Ich tue mich immer schwer damit, Fußballspieler bei ihrem Spitznamen zu nennen, vor allem im direkten Gespräch. „Boller“, „Ralle“, „Schnecke“, Schulle“ – alles irgendwie eine Generation an Vereinslegenden und mit allen durfte ich häufig genug persönlich sprechen. Meist blieb ich dann aber doch bei Fabian, Ralph und Timo – nur eben bei Jan-Philipp Kalla nicht, da nutzte auch ich den Rufnamen Schnecke. Wer bin ich denn, dies nicht zu tun, wenn selbst die eigene Mutter ihn so nennt, wenn sie über ihn redet? Ganz liebe Grüße, Eva!


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Aber mit „Schnecke“ ist es jetzt vorbei. Seit gestern Mittag um 11.30h ist öffentlich und offiziell, was den Betroffenen nach unseren Informationen bereits am Montag mitgeteilt wurde. Sowohl Jan-Philipp Kalla als auch der zur Saison 25/26 vom SV Henstedt-Ulzburg zum FCSP gewechselte Dennis Dreke sind nicht mehr das Trainerteam der 1. Frauen des FC St. Pauli. Einzelne Statements auf Instagram legen zudem nahe, dass auch Torwarttrainer Daniel Ott nicht weitermacht, dies wurde aber noch nicht offiziell bestätigt.

Artikelbild:FC St. Pauli 1. Frauen trennt sich von Jan-Philipp Kalla

Jan-Philipp Kalla beim DFB-Pokalspiel gegen den SV Meppen an der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Links sitzend Daniel Ott und Dennis Dreke.

// (c) @eddy.photogr

In der offiziellen Veröffentlichung wie auch im Instagram-Post der Abteilung werden die Verdienste von Schnecke für das Team der 1. Frauen und die Entwicklung der Abteilung beim FCSP ebenso gewürdigt wie im persönlichen Text von Matthias von Schramm, der das Team lange sehr intensiv auch mit der Kamera begleitete. Kalla hatte mit seiner Partnerin Kim Koschmieder entscheidenden Anteil an großen Erfolgen der letzten Jahre. Die Siege im Hamburger Pokal zählen ebenso dazu wie die Durchführung des Derbys im DFB-Pokal am Millerntor.Auch erreichte man stets (wenn auch manchmal nur knapp) den Klassenerhalt in der Regionalliga. Dieser wäre diese Saison aber zu wenig, denn man möchte sich mit (mindestens) Platz 9 für die neue 3. Liga qualifizieren.

Und genau daran scheint nun die gemeinsame Fortsetzung des Weges gescheitert zu sein. Das Auftaktprogramm war happig, neben Zweitligaabsteiger Wolfsburg II spielte man bereits gegen vier der ersten fünf der Vorsaison, lediglich Aufsteiger SV TiMoNo passt nicht in diese Liste – und ausgerechnet dort wurde verloren, während vier der anderen fünf Spiele Unentschieden ausgingen.

„Letztlich sehen wir durch die jüngste Entwicklung das Ziel, uns für die kommende 3. Liga zu qualifizieren, gefährdet und erhoffen uns von einer Neuausrichtung frische Impulse für das Team“ wird Francis Wernecke zitiert, Abteilungsleitern Fußball Frauen & Mädchen. Diese Verantwortung für die Entlassung durch die Abteilung ist wichtig für das Verständnis im weiteren Verlauf dieses Textes, ich komme drauf zurück. Denn es waren ja nicht Oke Göttlich oder Andreas Bornemann, die diese Freistellung veranlasst haben. In der Mitteilung des Vereins heißt es weiter: „Bis zur Neubesetzung der Posten wird es interimistisch eine interne Lösung geben. Über die dauerhafte Besetzung soll möglichst zeitnah entschieden werden.“

Die Reaktionen auf Social Media zeigen, dass diese Entscheidung nicht nur auf Gegenliebe stößt. Kapitänin Annie Kingman-Brüning hat Fotos der drei Trainer in ihrer Story veröffentlicht und schreibt „Ich habe nicht gezweifelt. Danke reicht nicht“ mit dem Emoji eines gebrochenen Herzens. Dies dürfte nichts anderes bedeuten, als dass sie die Zweifel der Abteilungsleitung an der Qualifikation für die 3. Liga nicht teilt. Neuzugang Malena Watzlawik geht noch weiter und schreibt in ihrer Story von „Enttäuscht, traurig, wütend und übergangen“, führt dabei unter anderem neben dem Fußballgott auch den Spielplan an, der es nicht gut mit dem Team meinte. Wenn es andere Meinungen im Team gibt, so wurden diese zumindest bisher nicht öffentlich geäußert.

Quo vadis, 1. Frauen?

Kurzer Blick zurück: Der Wechsel von Rachel Rinast im Sommer 2023 sollte das Ausrufezeichen sein, welches den Weg der 1. Frauen in den mindestens semi-professionellen Bereich ebnen sollte. Rinast, ehemalige Schweizer Nationalspielerin und mit 100 Bundesligaspielen in der Vita, ist bis heute Teil des Teams und schafft es neben ihrer Karriere als Sportreporterin im TV immer noch erstaunlich oft, für die Spiele in der Regionalliga zur Verfügung zu stehen.Die Hoffnungen und Versprechungen, die ihr laut unseren Informationen auch von Vereinsseite gemacht worden sein sollen, wurden derweil nicht erfüllt. Drei Jahre später gibt es immerhin inzwischen eine bezahlte Stelle in der Abteilungsleitung, sportlich ist die 2. Liga für die 1. Frauen aber noch sehr weit weg.

Das Abendblatt (€) hat dazu mit der Influencerin und ehemaligen Fußballerin Nina Lange gesprochen, die vor ein paar Wochen den FC St. Pauli öffentlich kritisiert und ein Glaubwürdigkeitsproblem attestiert hatte. Das progressive Image passe nicht, wenn man das eigene Frauenteam so stiefmütterlich behandele, fasse ich mal sinngemäß zusammen.Vereinfacht ausgedrückt und mit ein paar Beispielen unterfüttert: Warum schafft es der FCSP nicht, seinen Spielerinnen zumindest etwas Geld zu zahlen und vernünftige Rahmenbedingungen zu stellen? Warum (und das Thema ist so alt wie der MillernTon) müssen die 1. Frauen immer noch mit sehr eingeschränkten Trainingsmöglichkeiten an der Feldstraße zurechtkommen? Warum gibt es keine für die Regionalliga angemessene Spielstätte, bei der die Schiedsrichter-Assistentinnen nicht ständig Angst haben müssen, von den Zuschauer*innen (und sei es auch nur unabsichtlich) ein Bein gestellt zu bekommen?Die Antworten sind leider dann doch vielschichtig und wir kommen zurück zur oben erwähnten Verantwortung der Abteilung. Denn die Abteilungsautonomie der Amateurabteilungen beim FC St. Pauli ist kein leeres Gerede und sie hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Und einer der Nachteile ist, dass die Lizenzabteilung des FCSP eben nicht mal eben so aus der Portokasse die Frauen in die 2. Liga schubsen kann. Behalten wir auch diesen Gedanken noch kurz im Hinterkopf.(Ob ein Aufstieg im anderen Fall so einfach wäre, ist dann nochmal eine andere Frage.)

Jetzt legt Lange nach und sagt dem Abendblatt: „Grundsätzlich gilt immer noch der bewährte Spruch: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Die Frage stellt sich hier nach dem Willen. Als weitgehend autonome Sportabteilung des Vereins wird sich der Frauenfußball nicht professionalisieren können. Belässt der Verein es dabei, hat er die Antwort gegeben: Er will es dann auch nicht.“

Ja, genau. Und nein, irgendwie doch auch nicht. Denn nicht „der Verein“ belässt es dabei, sondern die Abteilung hat dies bisher nicht geändert. Wortklauberei? Nicht nur.Klar, aus meiner Sicht versteckt sich der Verein in einigen Dingen sehr gerne hinter der Abteilungsautonomie und nimmt sich damit aus der Verantwortung. Wenn man Sponsoren-Deals wie mit LEVI’S vermittelt, ist das gut und hilft dem Team sicher sehr. Wenn aber dann bei der gesponserten Fahrt ins Trainingslager nach Spanien beim auf YouTube gestreamten Testspiel in sengender Hitze und knallender Sonne Jeansjacken des Sponsors beim Einlaufen getragen werden müssen, sieht man mal wieder, dass da doch ein großer Unterschied zu den Profifußballern gemacht wird – denen hätte man sowas sicher nicht vorgeschrieben. Das Theater um die Trikots für den DFB-Pokal 2023, die das Team selber zahlen musste, ist sicher auch vielen noch im Kopf.Auch das ein oder andere Spiel mehr am Millerntor wäre sicher mal möglich gewesen. Sichtbarkeit schaffen und so.

Derlei Beispiele gibt es viele, die meisten sind sehr kleinteilig und würden hier zu weit führen. Doch es gibt auch Beispiele, wo die Abteilung Gelegenheiten verstreichen ließ. Der Spielort an der Feldstraße hat nur eine Ausnahmegenehmigung für die Regionalliga Nord, er ist nämlich eigentlich zu kurz. Ob diese Ausnahmegenehmigung auch für die 3. Liga erteilt werden würde?

So wurde als Ausweichplatz die Anlage an der Sternschanze vorgeschlagen, wo vor vielen Jahren die U23 ihre Heimspiele austrug. Dort fand letzte Saison bereits das Heimspiel gegen Hastenbeck statt, als die Profis parallel am Millerntor spielten und die FeldArena somit nicht verfügbar war. Auch das kommende Heimspiel gegen den HSV II am 10. Oktober soll dort ausgetragen werden. Es gibt dort deutlich mehr Platz, auch für die Zuschauer*innen. Wenn man perspektivisch eine neue Spielstätte sucht, um dort vielleicht auch mal die Anzahl an Zuschauenden zu erhöhen, die an der Feldstraße allein räumlich stark begrenzt ist, so wäre die Sternschanze sicher ein guter, erster Zwischenschritt. Doch der Test wurde nicht konsequent weiter verfolgt, man spielt vorerst weiter in der FeldArena.Und „der Verein“ kann dies auch nicht einfach ändern, denn für all diese Änderungen bräuchte es jeweils die Zustimmung der Abteilung. Oder anders: Einige (finanzielle) Änderungen lassen sich aufgrund der Gleichbehandlung mit anderen Abteilungen auch aufgrund der Satzung gar nicht umsetzen. Ein Antrag auf der Mitgliederversammlung, wie beispielsweise von Lange im Abendblatt vorgeschlagen, würde daher wenig helfen.Und doch ist jenes „Wo ein Wille ist…“ natürlich richtig.

Und jetzt? Ausgliedern?

Immerhin: Es dürfte sich vielleicht schon zeitnah etwas an dieser verfahrenen Situation ändern. Am 8. Oktober steht die Abteilungsversammlung der Abteilung Fußball Frauen und Mädchen an. Dies wäre der Ort, wo Veränderungen herbeigeführt werden müssten. Wo man die 1. Frauen (Achtung, böses Buzzword) „ausgliedern“ oder eben zumindest in den wirtschaftlichen Bereich des Vereins überführen müsste. Raus aus der Abteilung Fußball Frauen und Mädchen.Planungen hierfür gibt es, anschließend wäre dann auch die Unterstützung durch den Profisport in jenem Rahmen möglich, wie ihn Lange sich vorstellt und ihn sich sicherlich viele Fans (und das Team ohnehin) erhoffen.Schade, dass dies dann nach all diesen Jahren ohne Jan-Philipp Kalla stattfinden würde.

Forza St. Pauli!// Maik

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