MillernTon
·1. August 2026
FC St. Pauli – Deportivo A Coruña 2:2 (1:0)

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·1. August 2026

In der letzten Partie vorm Saisonstart testete der FC St. Pauli am Millerntor gegen den La Liga-Aufsteiger Deportivo A Coruña. Nach 120 Minuten trennte man sich 2:2 unentschieden.Titelfoto: Stefan Groenveld
Der Spieltag fand zeitgleich zum Hamburger CSD statt. Ob das nun terminlich besonders gut oder eher unglücklich ist, liegt wohl im Auge der Betrachtenden. Denn für einige dürfte die Teilnahme sowohl an der CSD-Demo als auch am Heimspiel logistische Herausforderungen mit sich gebracht haben, beziehungsweise wenn man sich auf eines hätte konzentrieren können, wären die Abläufe sicher andere gewesen als in einer eventuellen Kombination.Umgekehrt aber bringt ein Heimspiel des FC St. Pauli mit Regenbogenfarben-Fahnen auf den Sitzplätzen der Haupttribüne auch mehr Sichtbarkeit.Nach Ende der CSD-Demo hielt der Truck des FC St. Pauli auf dem Südkurven-Vorplatz, mit DJs wurde der Tag stimmungsvoll beendet.
17.139 Menschen waren offiziell anwesend, die Nordkurve war gar nicht erst geöffnet worden und auf der Haupttribüne blieben große Teile der Business-Seats ohne Zuschauende, stattdessen waren Regenbogen-Flaggen und zum CSD passende Banner ausgelegt worden.
Zum Sportlichen: Beginnen wir mit denen, die im Kader fehlten. Abdoulie Ceesay, Mathias Pereira Lage, Connor Metcalfe und Sam Klein fehlten verletzt beziehungsweise angeschlagen, Jackson Irvine und Eric Smith haben noch Trainingsrückstand. Neuzugang Rony Jansson fehlte ebenfalls noch.

Bei den Gästen fehlte deren wertvollster Spieler, Yeremay Hernández, der unter anderem mit einem Wechsel zu Juventus in Verbindung gebracht wird. A Coruña spielte gegen den Ball mit Fünferkette, insbesondere wenn Louis Oppie beim FCSP mit vorzog. Mit Ball schob Luismi Cruz nach vorne und man bildete eher eine Viererkette. Bei St. Pauli war Hrgota auf der Zehnerposition zu finden, welche er sehr frei zu interpretieren scheint, da er gerne den Weg in die äußeren Tiefenzonen sucht, um die Abwehr in die Breite zu ziehen und gegen den Ball gerne zu den Stürmern aufrückt zum pressen. Er tauschte diese Position aber auch mal mit Kaars, der sich dann etwas fallen ließ. Im Ballbesitz waren Oppie und Pyrka teils auf einer Höhe mit den Stürmern und eröffneten dadurch einige Räume für Andō und Nemeth, die so oft die freien Räume im Spielaufbau suchten.
Schon nach einer Minute zeigte Hrgota, was er dem FCSP als Mehrwert geben kann. Nach gutem Laufweg auf Linksaußen wurde er (leicht) an der Schulter gezogen und es gab einen Freistoß aus guter Position, den Pyrka von links auf das Tor zog. Leo Román im Tor der Gäste konnte den Ball aber über die Latte lenken.Generell war Hrgota in der Anfangsphase sehr auffällig. Stark im Anlaufverhalten, ließ er sich auch immer mal wieder auf außen fallen.
St. Pauli war die aktivere Mannschaft, der Führungstreffer aber war ein Slapstick-Treffer. Román fing in der 17. Minute eine Flanke ab, ließ sich anschließend viel Zeit, legte den Ball vor seinen Füßen ab und wollte diesen dann lang schlagen. Ohne Gegnerdruck, Hara stand ein paar Meter außerhalb des Strafraums. Seine 1,91m Körpergröße aber waren ausreichend, um von Román angeschossen zu werden – und von seiner Schulter prallte der Ball ins verlassene Tor, 1:0.Aber hey, da muss man dann auch erst mal stehen.
Man merkte A Coruña (nicht nur) in dieser Phase an, dass der Stand der Vorbereitung auf den Saisonstart eine Woche später ausgerichtet ist. Spielerische Ideen gab es jedenfalls kaum, oft wurde der Ball nur lang auf die Flügel geschlagen, welcher dann aber auch oft über ein paar Kopfbälle bei St. Pauli landeten.St. Pauli hingegen zeigte offensiv einige Ansätze. Auch die Abstöße waren beispielsweise „offensiver“ als in der Vorsaison, sowohl Oppie als auch Pyrka standen hierbei nicht kurz, sondern eher auf der Position der Flügelstürmer.
Im Spielaufbau wurde oft die Option über Fujita und Rasmussen gewählt, die dann sich im Optimalfall aufdrehen konnten um die Stürmer direkt in ein Laufduell zu schicken. Optional probierte man über die auf dem Flügel positionierten Pyrka und Oppie hinter die Kette zu kommen. Bei diesem Vorhaben war die Flexibilität von Hrgota essenziell. Die umtriebige Nr. 10 verschaffte den Spaniern immer wieder Probleme und war nur schwer zu greifen, da er seine stetigen Tiefenläufe mit Ausflügen auf die Flügelpositionen abwechselte. Dadurch war er für den spanischen Erstligisten nie einem Verteidiger zuzuordnen. Seine gelegentlichen Ausflüge zurück in den 6er Raum wurden konstant mit einem hochschieben von Rasmussen verbunden, da Hrgota durch diese Aktionen oft große Räume zwischen den Innenverteidigern schaffte.
Es ging auf beiden Seiten ohne Wechsel in die zweite Hälfte. Nach dem Seitenwechsel merkte man, dass sich A Coruña auf die Flexibilität von Hrgota eingestellt hatte und verteidigte diese nun deutlich besser. Daraufhin zog sich Hrgota noch öfter im Aufbauspiel zurück in den 6er Raum, oder schob auf die Außen, die Tiefenläufe wurden fast komplett eingestellt. Aus diesen sich ihm ergebenen Räumen glänzte Hrgota mit präzisen Steckbällen hinter die Kette.
Das Anlaufverhalten, welches man in der ersten Hälfte nur erahnen konnte, da A Coruña nur selten den Ball kontrolliert durch die eigenen Reihen laufen ließ, konnte man nun besser erkennen. Hrgota schob zu Kaars und Hara auf die 4er Kette und wurden von Pyrka unterstützt. Fujita und Rasmussen kümmerten sich um die beiden Achter und die IVs kümmerten sich um die Stürmer. Wie oben beschrieben, war Oppie stets durch den sehr flexiblen Cruz gebunden. Mal wurde dies in einem sehr aggressiven Pressing umgesetzt, mal auch eher defensiv.
Die Spielrichtung blieb zudem erstmal die gleiche. Der FC St. Pauli hatte weiter mehr Ballbesitz, A Coruña allerdings jetzt auch längere kontrollierte Ballbesitzphasen. Die ersten Chancen der zweiten Hälfte gehörten jedoch immer noch den Gastgebern. Erst setzte Nemeth in der 51. Minute den Ball nach einer Ecke per Kopf Zentimeter neben dem Pfosten vorbei, zwei Minuten später scheiterte Kaars nach Vorlage von Pyrka an Román.
Dies war zugleich der Weckruf für die Gäste, die nun offenbar auch zeigen wollten, warum sie in La Liga aufgestiegen waren. Eine Flanke auf Aubameyang in der 56. Minute war der Startschuss, dieser vergab allerdings von rechts aus spitzem Winkel. Es folgten weitere Gelegenheiten durch Cruz und Villares, ehe nach einer Stunde dann Innenverteidiger Ede per Kopf dem FCSP ein Gegentor nach Ecke zufügte.
Fünf Minuten später gab es einen Achtfach-Wechsel bei den Gästen und St. Pauli übernahm zunächst wieder die Kontrolle. Nachdem Ricky-Jade Jones in der 70. Minute für Hara gekommen war, legte Hrgota nach einem Ballgewinn von Fujita per Doppelpass für Kaars auf, der in der 71. Minute aus 17 Metern sehenswert in den rechten Winkel schlenzte. Hübsches Tor, kann man mal der Sportschau schicken.

Ricky-Jade Jones im Zweikampf mit Samuel Fernandez Leonardo.
// (c) Stefan Groenveld
Dieses 2:1 wäre auch ein gutes Ergebnis nach 90 Minuten gewesen, allerdings kam Deportivo in der 84. Minute doch noch zum Ausgleich, da Mathisen einen Distanzschuss unhaltbar für Voll abfälschte. Scott Banks kam in der 84. Minute für Kaars, Adam Dźwigała in der 89. für den leicht angeschlagenen Nemeth. Dieser hatte einen Schlag auf das Schienbein bekommen, dürfte damit aber voraussichtlich nicht länger pausieren müssen.
Häh, wie? Verlängerung? Wegen 2:2 oder was?Nein, beide Teams hatten sich schon vor Beginn auf zwei normale Halbzeiten und einen dritten Abschnitt aus 30 Minuten geeinigt. Bis auf die bereits eingewechselten Jones, Banks und Dźwigała hatten alle anderen Feierabend, auch Simon Spari kam für Ben Voll. Außerdem kamen Erik Ahlstrand, Lars Ritzka, Janik Robatsch, Jannik Westphal, Marwin Schmitz, Rawley St. John und Haron Sabah – lediglich Nick Schmidt blieb noch auf der Bank.
Ein wahrnehmbarer Anteil der Zuschauenden hatte dies wahlweise nicht mitbekommen oder aber einfach schon genug gesehen – und das Spiel sollte gnädig mit ihnen sein, viel haben sie nicht verpasst. Leider gab es dann doch noch die Notwendigkeit Nick Schmidt einzuwechseln, denn nach einer Grätsche zur versuchten Torerzielung musste Rawley St. John in der 117. Minute noch verletzt ausgewechselt werden. Er verließ den Platz mit dick bandagiertem Knie. Wir wünschen gute Besserung, bei der U23 in Todesfelde dürfte er morgen daher nicht zum Einsatz kommen – im Gegensatz zu den anderen jüngeren Spielern, wie Marcel Rapp nach der Partie sagte.
Der Testspiele sind genug gespielt. Der FC St. Pauli hat ein paar gute Ergebnisse erzielt, gegen den AFC Bournemouth aber auch Grenzen aufgezeigt bekommen.Am kommenden Sonntag gilt es, der Saisonauftakt gegen die SpVgg Fürth steht an. Ihr habt eine Ahnung wie es für den FCSP laufen wird? Dann nehmt gerne an unserer Saisonprognose teil. Und nächsten Sonntag sehen wir uns dann am ausverkauften Millerntor, wo dann auch wieder alle Tribünen voll besetzt sein werden.
Forza St. Pauli!Bennet & Maik
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