Miasanrot
·29. September 2026
Fußball-Kultur: Wie der FC St. Pauli den Fußball neu denkt – und was der FC Bayern lernen kann

In partnership with
Yahoo sportsMiasanrot
·29. September 2026

Vergangenes Wochenende ging es am Millerntor um die Zukunft der Fußballkultur – und das ist auch für den FC Bayern interessant.
Der FC St. Pauli und die Agentur Serviceplan Culture hatten zur zweiten „STANDS Conference“ geladen.
Zwei Tage lang diskutierten internationale Klubvertreter, Kreative und Fans über die Frage, was Fußball eigentlich jenseits der 90 Minuten bedeutet – gefolgt von einem offenen „Nachbarschaftstag“ mit Flohmarkt, Kunst und Musik mitten im Stadion und im Stadtteil.
Die Themen am ersten Konferenztag trafen den Nerv der aktuellen Debatten: Wie werden Vereine zu echten Kulturmarken? Wie entstehen aus digitaler Hype-Kultur reale Communities? Fragen, die man auch an der Säbener Straße bestens kennt – man denke nur an die Debatten rund um das Sonder-Trikot zum Oktoberfest. Natürlich spielten auch die aktuellen Entwicklungen um Manchester City eine große Rolle in den Diskussionen.
Gerade aus Bayern-Sicht lohnt der Blick auf die St.-Pauli-Perspektive. Kaum jemand bringt das Spannungsfeld zwischen Haltung und Geschäft so auf den Punkt wie Pauli-Präsident Oke Göttlich, der auch im DFL- und DFB-Präsidium sitzt: „Wir müssen dort sitzen, wo die Entscheidungen fallen. Sonst werden sie ohne uns getroffen.“
Um kleineren Klubs mehr Gehör zu verschaffen, ist St. Pauli jüngst der UEC (Union of European Clubs) beigetreten, die rund 140 Vereine vertritt. UEC-Geschäftsführer Gareth Farrelly stellte klar: „Fußballclubs sind in ihrer Kultur und Community verwurzelt – sie sind keine reinen kommerziellen Assets.“ Die UEC versteht sich explizit als Gegengewicht zur mächtigen EFC um PSG-Chef Nasser Al-Khelaïfi, in deren Vorstand mit Jan-Christian Dreesen auch ein Bayern-Vertreter sitzt. Göttlich findet für die Verflechtungen der Großklubs deutliche Worte: „Interessenkonflikt“ sei noch untertrieben, das Ganze habe eher „Stoff für einen Crime-Podcast“.
Spannend für die Praxis war der UEC-Vorschlag zur „Player Development Reward“ (PDR): Fünf Prozent der UEFA-Wettbewerbseinnahmen sollten künftig direkt an Ausbildungsvereine umverteilt werden. St. Pauli hätte so in den letzten fünf Jahren für elf ehemalige Nachwuchsspieler rund 426.000 Euro kassiert – den Großteil davon für Igor Matanović (220.000 Euro). Göttlichs Warnung fällt drastisch aus: „Die aktuelle Entwicklung macht die Reichen nur reicher und die Resultate vorhersehbarer. Wenn der Fußball vorhersehbar wird, stirbt er.“
Ebenso intensiv wurde auf den Panels aber auch auf den Gängen über die Zukunft des Frauenfußballs diskutiert. Die zentrale These: Der Frauenfußball kann die Fehler des Männersports nur vermeiden, wenn er nicht versucht, ihn schlicht zu kopieren. Die erste Frauen Bundesliga sieht mittlerweile ja fast schon genau so aus, wie die erste Bundesliga der Männer.
Der Zeitpunkt der Debatte passte sehr gut: Nach dem DFB-Beschluss zur Ausgliederung übernimmt ab Juli 2027 die FBL e.V. eigenverantwortlich den Spielbetrieb der Frauen-Bundesliga. Die finanziellen Dimensionen bleiben extrem unterschiedlich – der aktuelle TV-Vertrag der Frauen bringt 5,17 Millionen Euro pro Saison ein, der der Männer 1,21 Milliarden Euro. Doch die FBL wählt einen eigenen Ansatz: Statt nur auf maximale Pay-TV-Einnahmen zu schielen, sichert ein Hybrid-Modell mit 32 Free-TV-Spielen pro Saison gezielt die Sichtbarkeit in der Breite.
Auch ein globaler Riese wie der FC Bayern steht vor der Daueraufgabe, kommerziellen Erfolg mit Glaubwürdigkeit und Werten zu verbinden. Die Konferenz am Millerntor hat gezeigt: Echte Fankultur entsteht nicht über Marketingkampagnen, sondern durch Offenheit, Beteiligung und Räume, die nicht nur am Spieltag genutzt werden. Der FC St. Pauli hat dafür einen bemerkenswerten Anstoß geliefert.







































