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·30. Juli 2026
FIFA-Boss Infantino schlägt Verbände und Klubs mit ihren eigenen Waffen

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Bild: Carl Recine/Getty Images
Gianni Infantino will der FIFA deutlich höhere Einnahmen verschaffen. Seine finanziellen Vorhaben sind umstritten, auch wenn er sie nur kopiert.
Die Aufregung um Gianni Infantino ist enorm. Der FIFA-Chef möchte im Wesentlichen die Fußball-Weltmeisterschaft quasi aus dem Weltverband auslagern, Investoren einbinden und damit noch mehr Geld generieren.
In vielen deutschen Medien wird nun berichtet, dass sich die gesamte Fußballwelt gegen Infantino stellen würde. Das stimmt nicht. Die afrikanischen Verbände unterstützen sein Vorhaben bereits. Diese Verbände sind stimmlich gleichauf mit den europäischen und haben sogar eine größere Einwohnerzahl hinter sich.
Auch die asiatischen und südamerikanischen Verbände haben sich noch nicht klar dagegen ausgesprochen. Von europäischer Einigkeit kann ebenfalls keine Rede sein, wenn man sich zuletzt das Statement aus Finnland anhört.
Zurück zu Infantino: Sein zentrales Anliegen beruht auf folgender Argumentation: Fußball ist enorm wertvoll, weil er Menschen zusammenbringt und emotionalisiert. Mehr Wert bedeutet natürlich, dass sich dies auch in höheren Einnahmen niederschlägt (ähnlich wie bei Fußballern in Vertragsverhandlungen, wenn sie von mehr Wertschätzung sprechen und damit vor allem mehr Geld meinen) – und diese Einnahmen werden dann an die Verbände verteilt. Gerade Verbände außerhalb der großen, wohlhabenden Industrieländer können dieses Geld sehr gut gebrauchen.
Dass der strategische Hintergedanke darin besteht, sich so gleichzeitig seine Wiederwahl als FIFA-Chef zu sichern, ist ein legitimer Weg. Alle Verbände haben einst zugelassen, dass jeder Verband eine Stimme bei der FIFA hat. Niemand hat bisher ernsthaft einen Änderungsantrag gestellt oder ein neues Wahlsystem vorgeschlagen, obwohl dies selbstverständlich dringend nötig wäre.
Zum wirtschaftlichen Vorgehen Infantinos: Er argumentiert gegenüber Verbänden und Klubs mit deren eigenen Mitteln. Ein gutes Beispiel ist Deutschland: Dort haben sich nahezu alle Vereine vom Mutterverein (e.V.) gelöst und beispielsweise eine Aktiengesellschaft oder GmbH gegründet.
Der Grund: Dadurch können schnellere Entscheidungen getroffen, professionellere Strukturen aufgebaut und natürlich über Sponsoren und Investoren mehr Geld generiert werden.
Auch Ligaverbände wie die DFL oder die Frauen-Bundesliga folgen genau diesem Modell. Auch im Ausland sind solche Strukturen weit verbreitet. Teilweise verkaufen Ligaverbände in Spanien oder Frankreich Anteile an Investoren, betonen aber gleichzeitig, dass sie die alleinige Entscheidungsgewalt behalten.
Infantino kopiert also lediglich die untergeordneten Einheiten des Weltfußballs. Wichtig ist zu verstehen, dass dies keine absurde Idee ist, sondern einer stringenten wirtschaftlichen Logik folgt.
Die Herausforderung besteht nun darin zu erklären, warum die FIFA dies trotzdem nicht tun sollte. Hier kommt vor allem der moralische Aspekt ins Spiel: Die FIFA ist die zentrale Welteinheit des Fußballs. Sie soll als glaubwürdige Instanz die Fußballfamilie lenken und zusammenhalten. Wenn noch mehr Geld von externen Akteuren ins Spiel kommt, die möglicherweise ein Mitbestimmungsrecht in irgendeiner Form geltend machen würden, könnte die große Fußballfamilie zersplittern. Das muss natürlich verhindert werden.
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