feverpitch.de
·9. Mai 2026
FIFA im US-Dilemma: ICE soll draußen bleiben – aber wie weit reicht draußen?

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·9. Mai 2026

Vor der Fußball-WM in den USA ringt die FIFA um Zusagen zur Einwanderungsbehörde ICE. Zivilgesellschaft warnt, eine Gewerkschaft reicht Beschwerde ein.
Knapp einen Monat vor Anstoß der Fußball-WM in den USA hält eine Debatte den Weltverband in Atem, die nichts mit dem Sport zu tun hat – und doch alles mit ihm. Die Rolle der US-Einwanderungsbehörde ICE im Umfeld des Turniers ist zum Streitpunkt geworden, und das Organisationskomitee bemüht sich, die Wogen zu glätten. Rodney Barreto, Co-Vorsitzender des WM-OK in Miami, hat laut The Athletic eine klare Zusage von US-Außenminister Marco Rubio erhalten: ICE-Agenten sollen in diesem Sommer nicht in den Stadien präsent sein. „Viele Leute reden darüber, dass die Einwanderungsbehörde ICE im Stadion sein wird. Ich habe mit Marco Rubio gesprochen. ICE wird nicht im Stadion sein", sagte Barreto. Und er schob hinterher, was man als politische Klarstellung lesen darf: „Das wird keine Aktion nach dem Motto 'Alle zusammen treiben'. Das ist nicht Sinn der Sache."
Dass man eine solche Klarstellung überhaupt braucht, sagt viel über die Lage. ICE-Direktor Todd Lyons hatte im Februar angekündigt, seine Behörde werde während des Turniers eine Schlüsselrolle für die Sicherheit spielen. Seither wachsen die Bedenken, ob ICE nicht eben doch im WM-Umfeld aktiv wird – vor Hotels, rund um Fanzonen, an Bahnhöfen. Das Stadion ist dabei nur der sichtbarste, nicht der entscheidende Ort. Eine Zusage für die Arena ist keine Zusage für die Stadt.
Interessant ist, wohin die FIFA in dieser Gemengelage blickt. Laut The Athletic hat die Führung des Weltverbandes kürzlich erörtert, ob Gianni Infantino seinen bekannten Draht zu Donald Trump nutzen könnte, um ein Aussetzen der ICE-Einsätze im WM-Umfeld zu erbitten. Ob der Schweizer das getan hat, ist offen. Dass die Frage überhaupt intern diskutiert wird, zeigt, wie heikel die FIFA ihre Lage einschätzt – und wie wenig sie sich auf Zusicherungen einzelner Minister verlassen will.
Die US-Administration setzt derweil auf Entwarnung, allerdings mit Kleingedrucktem. Andrew Giuliani, WM-Chef der Trump-Regierung, sagte der Financial Times: „Jeder, der legal hierher gekommen ist oder sich legal hier aufhält, hat nichts zu befürchten, sei es während der Weltmeisterschaft oder zu einem anderen Zeitpunkt. Die USA wollen, dass die Menschen legal hierherkommen und diese WM genießen können." Der Satz beruhigt jene, die sich ohnehin sicher fühlen. Er beruhigt nicht jene, die wissen, dass „legal" in den vergangenen Monaten ein flexibler Begriff geworden ist. Giuliani behauptete zudem, Sorgen um die Einwanderungsdurchsetzung hielten Fans nicht von einer Reise ab. Ob das stimmt, wird sich an den Zuschauerzahlen ablesen lassen.
Parallel formiert sich Widerstand, der nicht mehr mit diplomatischen Formulierungen arbeitet. Mehr als 120 zivilgesellschaftliche Gruppen haben Fans, Spieler, Journalisten und andere Reisende vor möglichen „ernsthaften Menschenrechtsverletzungen" gewarnt – von willkürlicher Einreiseverweigerung bis zu Verhaftung, Inhaftierung oder Abschiebung. Eine Gewerkschaft aus Los Angeles hat laut The Athletic eine formelle Beschwerde gegen die FIFA und weitere Organisationen beim National Labor Relations Board eingereicht. Das ist der Punkt, an dem das Turnier aus der reinen Sportpolitik in die US-Innenpolitik rutscht.







































