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·1. Juni 2026

Frauen-Bundesliga wird eigenständig: Jetzt zählen Taten, keine Verträge

Artikelbild:Frauen-Bundesliga wird eigenständig: Jetzt zählen Taten, keine Verträge

DFB und FBL einigen sich auf Grundlagenvertrag. Nach Übergangssaison geht die Verantwortung für die Frauen-Bundesliga an den Ligaverband über.

Es ist eine bemerkenswerte Verschiebung, die der Deutsche Fußball-Bund am Sonntag wenige Stunden vor dem Länderspiel der Männer-Nationalmannschaft in Mainz vermeldet hat: DFB und die Bundesliga-Vertretung FBL haben sich auf einen Grundlagenvertrag geeinigt. Nach einer Übergangssaison 2026/27 soll die Verantwortung für die Durchführung und Vermarktung der höchsten Frauen-Spielklasse ab Juli 2027 vom Verband auf den Ligaverband übergehen. Damit erhält der Frauenfußball in Deutschland erstmals jene zweigleisige Verbandsstruktur, wie sie die Männer seit einem Vierteljahrhundert mit DFB und DFL kennen. Zunächst handelt es sich um eine Verpachtung der Spielklasse für sieben Jahre, die im Herbst bei einem außerordentlichen DFB-Bundestag noch formell abgesegnet werden muss.


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Wer die Vorgeschichte kennt, weiß, wie unwahrscheinlich diese Einigung noch vor Kurzem schien. Ursprünglich wollten DFB und FBL ein Joint Venture gründen, eine gemeinsame Tochtergesellschaft, die die Professionalisierung der Bundesliga vorantreiben sollte, um international nicht den Anschluss zu verpassen. Doch im Streit um Entscheidungsbefugnisse hatte die FBL diesem Vorhaben eine Absage erteilt. Was bleibt, ist nicht das ursprünglich erdachte Modell, sondern ein Kompromiss, der die rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Beziehungen ähnlich wie mit der DFL vertraglich neu sortiert.

Bernd Neuendorf nennt das einen „tragfähigen Kompromiss". Der DFB-Präsident begrüßt, dass der FBL „das Solidarmodell zwischen Profifußball und Amateurbasis anerkennt", und kündigt an, dass der Verband die Frauen-Bundesliga „im Schiedsrichterwesen und der Nachwuchsförderung finanziell wesentlich unterstützen" werde. Übersetzt heißt das: Die Liga bekommt ihre operative Unabhängigkeit, der Verband behält den Zugriff auf die Strukturen, von denen langfristig alle abhängen. Es ist die klassische Aufteilung, die im Männerfußball seit Jahren Reibungen erzeugt – und gleichzeitig eine Professionalisierung ermöglicht hat, die ohne diese Trennung nicht denkbar gewesen wäre.

Die Finanzarchitektur ist sorgfältig austariert. Der FBL entrichtet zu Vertragsbeginn einen Pachtzins, ab dem vierten Vertragsjahr kommt eine Ticketabgabe an die Landesverbände hinzu, dazu eine finanzielle Unterstützung für deren Aktivitäten. Der DFB vergütet weiterhin die Abstellungen von Spielerinnen für die Nationalmannschaften und fördert die Professionalisierung des Schiedsrichterwesens sowie der Nachwuchsleistungszentren im Frauen-Bereich. Und die beim vergangenen Bundestag festgelegte Investition von 100 Millionen Euro bleibt bestehen, auch wenn DFB-Generalsekretär Holger Blask einräumt, erst „zeitnah" festlegen zu wollen, in welche Projekte konkret investiert wird.

Genau hier liegt die eigentliche Bewährungsprobe. Blask sagt, für die weitere Professionalisierung sei es „unabdingbar, dass nun Klarheit" herrsche, „insbesondere für die mediale Vermarktung braucht es klare Verantwortlichkeiten". Diese Klarheit ist nun da, zumindest auf dem Papier. Was sie wert ist, entscheidet sich daran, ob der FBL die neue operative Hoheit nutzt, um die Liga sichtbarer, wirtschaftlich tragfähiger und sportlich konkurrenzfähiger zu machen – gegenüber England, Spanien, Frankreich, wo man den Vorsprung längst ausgebaut hat.

Die 14 Vereine haben bekommen, was sie wollten: eine Liga, die sich selbst verantwortet. Der DFB hat bekommen, was er behalten musste: das Solidarprinzip, die Hoheit über Schiedsrichter und Nachwuchs, den Zugriff auf die Nationalspielerinnen. Beide Seiten werden in den nächsten sieben Jahren beweisen müssen, dass diese Aufteilung mehr ist als ein Verwaltungsakt. Der Frauenfußball in Deutschland hat lange auf diese Strukturen gewartet. Jetzt liegt es an denen, die sie sich erstritten haben.

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